Demokratie-Aktivisten erinnern an die Niederschlagung der Proteste am Tiananmen-Platz 1989.

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Hongkong – Im zweiten Jahr in Folge ist die Demonstration in Hongkong zum Gedenken an die Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 in China verboten worden. Die Organisatoren teilten am Donnerstag mit, dass die Polizei der chinesischen Sonderverwaltungsregion das Verbot mit den Beschränkungen im Kampf gegen die Pandemie begründet habe.

"Wir haben den Eindruck, dass die Regierung entschlossen ist, das Ereignis auszulöschen", sagte Chow Hang Tung von der Allianz zur Unterstützung der demokratischen Bewegungen in China. Die Organisatoren hätten vergeblich zugesagt, Regeln zum Mindestabstand einzuhalten. Das Verbot werde sie aber nicht abschrecken, sagte Chow. "Unsere Rolle ist, unsere Stellung zu halten, uns zu widersetzen und zu zeigen, dass nicht jeder zum Schweigen gebracht worden ist." Im vergangenen Jahr waren trotz des ersten Verbots seit 31 Jahren Tausende rund um den Tian'anmen-Platz in Peking erschienen.

Einige Anführer müssen sich deswegen heute vor Gericht verantworten. Der bekannte inhaftierte Aktivist Joshua Wong erhielt diesen Monat bereits zehn weitere Monate Haft für seine Teilnahme.

Katholische Kirche will Messe feiern

Katholische Kirchen in Hongkong wollen unterdessen am Jahrestag des Massakers an Demokratieaktivisten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking Gedenkmessen für die Opfer feiern. "Möglicherweise können wir nicht offen sprechen, aber wir dürfen die Geschichte nicht vergessen", zitierten laut Kathpress katholische Medien in Asien aus der Ankündigung der Diözese Hongkong. In sieben Kirchen sollen am Abend des 4. Juni Gottesdienste für die Toten des Massakers gefeiert werden.

Die katholische Kirche in Hongkong hat traditionell eine aktive Rolle bei den Gedenkfeiern der Stadt gegen das Vorgehen auf dem Platz des Himmlischen Friedens gespielt. Der erst vor wenigen Tagen neu ernannte Bischof Stephen Chow nahm in der Vergangenheit an Mahnwachen teil. Nach seiner Berufung zum Bischof sagte Chow kürzlich, es gebe verschiedene Möglichkeiten, an den 4. Juni zu erinnern. Er werde für die Opfer und für China beten. (APA, 27.5.2021)