Amazon steht gleich mehrfach in der Kritik.

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Der sozialpolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europaparlament, Dennis Radtke, hat den Onlinehändler Amazon scharf für sein Fernbleiben bei einer öffentlichen Anhörung im Europaparlament kritisiert. "Dass Herr Bezos unsere Einladung ignoriert und nicht einmal einen Vertreter entsendet, ist ein Akt unfassbarer Arroganz und eine Missachtung von demokratischen Institutionen", sagte der Politiker am Donnerstag in Richtung des Firmengründers Jeff Bezos.

Konfrontation

In der Anhörung wollten sich die Parlamentarier ein eigenes Bild davon machen, inwiefern kritische Medienberichte über die Überwachung von Arbeitern bei Amazon zutreffen und ob Praktiken des Konzerns eventuell arbeitsrechtswidrig seien. Zu Beginn der Anhörung hieß es, Amazon habe angekündigt, nach der Anhörung schriftlich auf eingereichte Fragen zu reagieren. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon waren zuletzt immer wieder in die Schlagzeilen geraten

Die deutsche Gewerkschaft Verdi hat dem weltgrößten Onlinehändler die Überwachung seiner Mitarbeiter in Europa vorgeworfen. "Die Betriebspolitik bei Amazon ist gekennzeichnet durch eine aggressive Strategie innerbetrieblicher Kontrolle, die immer wieder auch Profiling und Datenschutzverstöße beinhaltet", sagte der für den Einzel- und Versandhandel zuständige Gewerkschafter Orhan Akman anlässlich der Anhörung im Europäischen Parlament zu den Praktiken des US-Konzerns.

Hintergrund

Amazon-Beschäftigte in Deutschland klagten, dass jeder ihrer Schritte festgehalten wird. "Durch den Einsatz von Kameras, Mikrofonen und Scannern werden die Beschäftigten zu gläsernen Menschen. Das macht enormen psychischen Druck und vor allem krank", sagte Akman. Amazon war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Verdi und der US-Konzern liegen bereits seit Jahren wegen Tarifstreitigkeiten über Kreuz.

Update, 29.5.2021: Amazon hat sich gegenüber dem STANDARD nun schriftlich zu den Vorwürfen geäußert. Wörtlich heißt es seitens des Unternehmens: "Wir respektieren das Recht unserer Mitarbeiter:innen, einer Gewerkschaft oder einer anderen rechtmäßigen Organisation ihrer Wahl beizutreten oder auch nicht beizutreten – ohne Angst vor Repressalien, Einschüchterung oder Belästigung. Seitens Amazon legen wir großen Wert auf einen stetigen Dialog mit jedem Mitarbeiter:in und arbeiten daran, dass das direkte und konstruktive Miteinander mit unseren Beschäftigten ein fester Bestandteil unserer Arbeitskultur ist. Tatsache ist, dass wir bereits eine exzellente Bezahlung, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung bieten, und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung." (APA/red, 27.5.2021)