Die besagte Ryanair-Maschine am 23. Mai nach erzwungener Landung am Minsker Flughafen.

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Montreal/Minsk – Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) will die von Belarus (Weißrussland) erzwungene Umleitung eines Ryanair-Flugzeugs nach Minsk untersuchen. Der Rat der UN-Organisation betonte nach einer Sitzung am Donnerstag "die Wichtigkeit, die Fakten zu ermitteln und zu verstehen, ob ein ICAO-Mitgliedsstaat gegen internationales Luftverkehrsrecht verstoßen hat". Die belarussischen Behörden nahmen am Sonntag nach erzwungener Zwischenlandung in Minsk den an Bord befindlichen Regimekritiker Roman Protassewitsch fest.

Das Regime in Minsk argumentiert hinsichtlich der erzwungenen Landung mit einer angeblichen Bombendrohung. Die Flugzeug-Umleitung hatte international massive Empörung ausgelöst. Bei ihrem Gipfel am Montag beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs die Sperre des Luftraums für Flugzeuge aus Belarus sowie ein Landeverbot auf EU-Flughäfen. Über weitere Strafmaßnahmen wird derzeit beraten. Auch die Außenminister der G7-Staaten verurteilten den Schritt am Donnerstag "aufs Schärfste".

Bombendrohung Fehlalarm

Die Behörden der autoritär regierten Republik Belarus hatten am Sonntag die Passagiermaschine auf dem Weg von Griechenland nach Litauen mit einem Kampfjet vom Typ MiG-29 zur Landung gebracht. Die angebliche Bombendrohung stellte sich später als Fehlalarm heraus. Mehr als 100 Menschen waren an Bord, darunter der regierungskritische Blogger Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega. Beide wurden festgenommen.

Laut Berichten von Journalistenverbänden hat sich die Situation von Medienschaffenden in Belarus seit der von massiven Betrugsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl 2020 und den darauffolgenden Massenprotesten dramatisch verschlechtert. Reporter ohne Grenzen reichte in Litauen wegen des Ryanair-Vorfalls Klage gegen Lukaschenko ein. (APA, 28.5.2021)