Die Talstation der Bergbahn wurde als Tatort versiegelt.

Foto: EPA / Tino Romano

Die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Verbania fordert für die drei zu Wochenbeginn festgenommenen Mitarbeiter der Seilbahnanlage am Monte Mottarone eine exemplarisch harte Bestrafung. Der Absturz einer Gondel am Pfingstwochenende mit 14 Toten und einem schwerstverletzten Kind verlange eine entschiedene strafrechtliche Ahndung, schreibt die Staatsanwaltschaft und spricht von einer "besonderen Schwere" strafbarer Handlungen, die zum Unglück führten.

Die Entscheidung, die Notbremsanlage der Kabine infolge anhaltender technischer Probleme aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen "völlig freiwillig und bewusst" zu deaktivieren, sei eine Missachtung aller – sogar der elementarsten – Sicherheitsvorschriften. Die verantwortlichen Techniker hätten die Bremszangen dauerhaft manipuliert gehabt, während der Seilbahnbetreiber offenbar nichts unternommen habe, um notwendige Reparatur- und Wartungsarbeiten durchführen zu lassen.

Hersteller als Nebenkläger

Der Hersteller der Seilbahnanlage, das Südtiroler Unternehmen Leitner mit Sitz in Sterzing, will sich indes laut Medienberichten juristisch absichern und hat sich am Freitag dazu entschlossen, sich in einem kommenden Verfahren als Nebenkläger zu beteiligen. Die Deaktivierung des Notbremssystems sei für Fahrten mit Menschen an Bord ausdrücklich verboten. Was an der Anlage gemacht worden sei, sei ein "schwerwiegender Vorgang" gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Als Hersteller der Seilbahnanlage habe man stets allen Anfragen zu Reparaturen und Wartungen ehestmöglich Folge geleistet. Zuletzt habe man Arbeiten am 30. April durchgeführt, alles – auch die Bremsanlage – habe funktioniert. Nach diesem Datum habe man keine Mitteilungen in Bezug auf fehlerhafte Funktionen der Anlage mehr erhalten, so die Firma, die allfällige finanzielle Entschädigungen den Angehörigen der Unfallopfer überlassen will.

Hoffnung für Fünfjährigen

Unterdessen schritt am Freitag die medizinische Behandlung des fünfjährigen Buben voran, der das Unglück als einziger von 15 Insassen der Gondel überlebte. Zunächst aus intensivmedizinischen Gründen in ein künstliches Koma versetzt, konnte zu Wochenmitte bereits wieder der Aufweckprozess eingeleitet werden. Der Zustand des Buben galt aber weiterhin als kritisch. Mittlerweile erfolgte in Israel das Begräbnis der Eltern und des Bruders, in der norditalienischen Stadt Varese wurden zwei weitere Opfer zu Grabe getragen. (Gianluca Wallisch, 28.5.2021)