Die chinesische Raumstation – hier als Projektion des Tianhe-Kernmoduls im Wissenschafts- und Technologiemuseum Peking – ist mit der Ankunft einer Transportmission nun einen Schritt weiter.
Foto: Reuters/Tingshu Wang

Nach einer Verzögerung aus technischen Gründen wenige Minuten vor dem ursprünglich geplanten Abflug vor zehn Tagen konnte nun eine Transportmission starten: Sie bestand aus dem Cargo-Raumschiff Tianzhou 2 und einer "Langer Marsch 7"-Trägerrakete, die auf der südchinesischen Insel Hainan den Erdboden verließen. Der Transporter erreichte im All das Kernmodul der zukünftigen chinesischen Raumstation Tiangong ("Himmlischer Palast"). Dies berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf die Raumfahrtbehörde CMSA.

Nach zentraleuropäischer Uhrzeit gelang das "Computer-orchestrierte Rendezvous" zwischen Transporter und Kernmodul um 23 Uhr (Samstag). Nach dem Andocken des Raumschiffs wird nun die etwa sechs Tonnen schwere Fracht, bestehend aus Treibstoff, Nahrungsversorgung und weiteren Materialien für die Raumstation, automatisch verladen. Dieser wichtige Schritt bereitet die Ankunft von drei Taikonauten, also chinesischen Raumfahrern, vor: Mit dem Raumflug Shenzhou 12 sollen im Juni die ersten Menschen zur Raumstation kommen und für drei Monate bleiben.

2022 voll betriebsbereit

China hatte Ende April das Modul Tianhe, das erste und zentrale Modul der neuen Raumstation, in die Erdumlaufbahn gebracht. Es umkreist die Erde im Abstand von 350 bis 390 Kilometern. Nach der Bauphase soll die Raumstation im kommenden Jahr voll betriebsbereit sein.

Inwiefern der Zeitplan eingehalten werden kann, ist noch nicht ganz klar. Nach der Ankunft der drei ersten Taikonauten auf der Raumstation soll im September eine weitere Frachtmission starten, im Oktober drei weitere Crewmitglieder dazustoßen. Im Jahr 2022 könnten dann zusätzliche Fracht- und Personenflüge erfolgen sowie die Erweiterung der Station um zwei Labormodule.

Bald einziger Außenposten

Eine internationale Nutzung wie bei der Internationalen Raumstation ISS ist nicht geplant. Man sei jedoch offen für ausländische Kooperation in der Weltraumforschung. Die ISS selbst wird in den nächsten Jahren ihren Dienst einstellen – dann wäre China das einzige Land mit einem ständig besetzten Außenposten im All.

Zuletzt gelang der Volksrepublik bereits eine erfolgreiche Mars-Mission, der Rover Zhurong landete vor zwei Wochen auf dem Roten Planeten und schickte erste Bilder. Im Dezember war eine ehrgeizige Mondmission beendet worden; eine Kapsel mit zwei Kilogramm Proben kehrte sicher auf die Erde zurück. (red, APA, 30.5.2021)