In beliebiger Reihenfolge: Alexander Schlager (links), Pavao Pervan und Daniel Bachmann (rechts) auf dem Weg zum Training.

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Fix ist: Österreich wird die Fußball-EM sehr wohl mit einem Tormann bestreiten, alles andere wäre grob fahrlässig. Teamchef Franco Foda lässt sich mit seiner Entscheidung Zeit, die einzige Klarheit ist, dass es bis zum letzten Moment unklar bleibt. Die ÖFB-Auswahl trifft am 13. Juni in Bukarest auf Nordmazedonien, davor muss die Castingshow "Austria sucht den Toptormann" beendet, ein Einsergoalie bestimmt sein.

Also trainieren die drei finalen Kandidaten Daniel Bachmann (26), Pavao Pervan (33) und Alexander Schlager (25) erstens im Ungewissen und zweitens in Bad Tatzmannsdorf. Sie haben sich mit der Situation abgefunden. Kein Zähneknirschen, kein Kopfschütteln, keine Kritik, man will sich ja durch unüberlegte Worte oder ganze Sätze nicht aufs Abstellgleis, ins Abseits befördern. Vorfreude ist die kollektive Alternative.

Am Montag stellte sich das Trio getrennt voneinander Zoom-Pressekonferenzen. Die Pandemie und die Uefa lassen keine direkten Kontakte zu, die Blase muss sein. Sie traten in alphabetischer Reihenfolge auf, damit ja keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Bachmann vor Pervan vor Schlager. Watford vor VfL Wolfsburg vor LASK. In Länderspielen: Null vor sieben vor sechs, also nicht unbedingt eine geballte Ladung an Erfahrung.

Visitenkarte

Bachmann hat in England eine famose Saison hingelegt, ist mit Watford in die Premier League aufgestiegen. "Es hätte für mich nicht besser laufen können, ich kann mich an keinen Fehler erinnern." Er lehnt es strikt ab, in Bad Tatzmannsdorf oder sonst wo "öffentlich Werbung für mich zu machen, ich hab ja meine Visitenkarte abgegeben."

Über eigene Stärken und Schwächen zu schwadronieren sei auch suboptimal. "Okay, ich bin zehn Jahre auf der Insel, da bekommst du eine gewisse Lufthoheit." Natürlich wäre das Einserleiberl im Nationalteam "das Tüpfelchen auf dem i". Bachmann mag das Wort "Dreikampf" nicht. "Kampf klingt zu aggressiv." Man gehe respektvoll miteinander um, die gegenseitige Wertschätzung sei gegeben und notwendig. "Wir verstehen uns gut, unterstützen uns."

Pervan, Zweiter im Alphabet, kommt in Wolfsburg nicht und nicht an Koen Casteels vorbei. Mit der fehlenden Matchpraxis habe er, Pervan, sich abgefunden. Wobei, so schlimm sei die Lage im Verein auch wieder nicht: "Ich habe in den drei Jahren in Wolfsburg 34 Pflichtspiele bestritten."

Natürlich gehe es dieser Tage darum, Foda und Tormanntrainer Robert Almer zu überzeugen. Wer momentan die Pole-Position innehat, könne er erstens nicht sagen und sei zweitens ziemlich egal. "Ich bin nicht der Typ, der mit großen Worten um sich wirft. Das Rennen scheint völlig offen zu sein, der Teamchef entscheidet. Wir alle sind ehrgeizig, wollen den Job." Bachmann und Schlager stimmen dem zu. Sollte die Wahl nicht auf Pervan fallen, "würde die Welt nicht untergehen." Er wähnt Foda in einer angenehmen Position. "Ich glaube, bei keinem von uns würde man einen Fehler machen."

Schlager war zuletzt in der WM-Qualifikation dreimal im Einsatz, seine Leistungen waren durchaus ausbaufähig, jene der Feldspieler detto. Ein 0:4 gegen Dänemark wirkt nach. Schlager weiß das. "Solche Phasen muss man durchmachen und weiter Gas geben. Ich werde im Training Gas geben." Wer am Mittwoch in Middlesbrough im Test gegen England im Tor steht, ist auch noch offen. Bachmann sagt: "Gegen England zu debütieren wäre überragend. Meine Frau ist aus England, meine Kinder sind dort geboren."

Voller Einsatz

Der in Mainz geborene Foda hat das Trio wissen lassen, eine Nominierung für England bedeute noch keine Nominierung für die EM. Die unwissenden drei sagen, unabhängig voneinander befragt, wie es in Castingshows üblich ist: "Wir können mit der Situation umgehen, der Teamchef entscheidet." Und sie knirschen nicht mit den Zähnen. "Wir hauen uns im Training rein." (Christian Hackl, 31.5.2021)