Normalerweise hätte der Traum in Weiß ordentlich was gekostet. Doch statt für ihr Hochzeitskleid von Christos Costarellos mehr als 3.000 Euro auszugeben, lieh sich Carrie Johnson das Stück für die Hochzeit im kleinen Kreis in der Westminster-Kathedrale beim Online-Designermodeverleih My Wardrobe HQ. Angeblich legte die Ehefrau des britischen Premierministers dafür rund 50 Euro hin.

Auf den Bildern, die am Wochenende im Garten der Downing Street 10 gemacht wurden, war der Unterschied natürlich nicht auszumachen. Die Botschaft des geliehenen Kleides: unbezahlbar. Kleider für besondere Anlässe auszuleihen gilt heute als Zeichen der Bescheidenheit, Sparsamkeit und (ganz wichtig!) als nachhaltiges Statement. Carrie Johnson weiß, dass mit Mode Stimmung zu machen ist, sie ist Kommunikationsprofi. Nachdem die goldenen Tapeten und sonstige Umbauten in Johnsons Dienstsitz mit 230.000 Euro das Budget gesprengt haben sollen, war das wohl bitter nötig.

Entworfen wurde Carrie Johnsons Hochzeitskleid von Christos Costarellos. Die 33-Jährige lieh es sich bei einem Online-Designermodeverleih für rund 50 Euro.
Foto: Rebecca Fulton/Pool via REUTERS

Und so fährt die neue First Lady, die in den britischen Medien den Ruf als "Londons Marie Antoinette" weghat, nun ein ähnlich cleveres Modeprogramm wie Herzogin Kate: ein günstiges Kleid hier, ein (geliehenes) Designerteil da. So sammeln Frauen, deren Kleiderwahl ganze Boulevardredaktionen beschäftigt, Sympathiepunkte. Was die Anzüge eines Boris Johnson oder Prinz William kosten, interessiert die Öffentlichkeit bekanntlich wenig.

Die Plattformen, die Mode (vor allem für Frauen) erschwinglich machen, heißen "Girl Meets Dress", "Dresscoded" oder "Rent the Runway". Nicht zuletzt weibliche Prominente machen vor, dass das Mieten großer Roben zum guten Ton gehört: Schauspielerin und Unternehmerin Gwyneth Paltrow trat zuletzt sogar dem Vorstand des amerikanischen Mode-Start-ups Rent the Runway bei.

Noch wichtiger als die Wahl des Designerlabels ist heute, Haltung zu zeigen. Wo ließe sich das breitenwirksamer umsetzen als bei den Oscars? Dort machte die Schauspielerin Margot Robbie im vergangenen Jahr klar: Ich trage ein ressourcenschonendes Kleid. Sie erschien in einem Couture-Kleid von Chanel aus dem Jahr 1994. Die Kostümdesignerin Arianne Phillips wählte ein Moschino-Kleid, das sie schon 2012 getragen hatte. Joaquin Phoenix verkündete 2020 bei den Golden Globes, ein Jahr lang Veranstaltungen im selben Anzug zu absolvieren.

Bei den Johnsons wird übrigens im Juli noch einmal im größeren Kreis gefeiert. Ob das Brautpaar dann wohl wieder Kleider mietet? Wir bleiben da dran. Und schauen auch bei ihm ganz genau hin. (Anne Feldkamp, 2.6.2021)