Zehn bis 15 Prozent aller österreichischen Paare sind laut Experten ungewollt kinderlos.

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Jedes vierte Paar mit Kinderwunsch habe Schwierigkeiten mit Fruchtbarkeit. Und zehn bis 15 Prozent aller Paare seien ungewollt kinderlos. Das Thema Fruchtbarkeit rücke oft zu spät in den Fokus, warnt Andreas Obruca, Präsident der österreichischen IVF-Gesellschaft, anlässlich des Weltelterntags. Er erinnert: Ab Mitte 30 sinkt die Chance auf eine Schwangerschaft, mit 40 Jahren betrage sie nur noch fünf bis zehn Prozent pro Zyklus.

"Hollywoodstars und Filme vermitteln einen falschen Eindruck. Viele Paare glauben, mit 40 noch unkompliziert schwanger werden zu können, dies ist aus medizinischer Sicht einfach sehr unrealistisch", sagt Heinz Strohmer, ärztlicher Leiter des Kinderwunschzentrums an der Wien. "Während Vorsorgeuntersuchungen wie die Mammografie bereits in der Gesellschaft etabliert sind, ist die Vorsorge für die eigene Fruchtbarkeit noch nicht angekommen."

Fruchtbarkeit nie angezweifelt

Die Hälfte aller ungewollt kinderlosen Frauen zwischen 30 und 39 habe nie Zweifel an der eigenen Fruchtbarkeit gehabt. Knapp zwei Drittel in dieser Altersgruppe und ein Drittel zwischen 40 und 50 Jahren halten sich noch für sehr oder eher fruchtbar. Nicht ganz die Hälfte aller Befragten in einer Marketagent-Erhebung kannte aber ein Paar, bei dem Probleme bei der Befruchtung auftraten. Jede vierte Frau kenne auch ein Paar, das psychisch darunter leidet.

"Gerade bei jungen Frauen gibt es selten Anzeichen für eine eingeschränkte Fruchtbarkeit, dabei lässt sich die Fertilität gut messen und durchaus bis zu einem gewissen Grad planen und begünstigen", erläuterte Obruca. Mittels Anti-Müller-Hormon-Test oder Ultraschall könne man überprüfen, wie viele reifungsfähige Eizellen bestehen. Nur fünf Prozent der Frauen hätten bisher aus Eigeninitiative oder auf Empfehlung eines Frauenarztes einen Fruchtbarkeitstest gemacht.

Aber die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit müssen keineswegs unbedingt bei der Frau liegen – das tun sie laut Experten Obruca sogar nur zu 14,8 Prozent. In 30,1 Prozent der Fälle lägen sie an beiden Partnern und zu 55,1 Prozent beim Mann. Gründe sind beispielsweise Störungen bei der Spermienproduktion oder mangelnde Spermienqualität. "Männer beschäftigen sich kaum mit dem Thema der eigenen Fruchtbarkeit", sagt Obruca. Ein unerfüllter Kinderwunsch könne sich jedoch zur psychischen Belastung für Paare entwickeln.

Zustimmung zum "Social Freezing"

Was die Market-Agent-Umfrage ebenfalls zeigt: Junge Frauen in Österreich sind scheinbar offen für "Social Freezing". Hierzulande ist jedoch ausschließlich das "Medical Freezing" erlaubt, Frauen dürfen nur aus medizinischen Gründen ihre Eizellen einfrieren lassen. Laut Umfrage würden sich rund 40 Prozent der 20- bis 29-Jährigen diese Möglichkeit ohne medizinische Indikation wünschen. Über alle Befragten ist die Zustimmung zum "Social Freezing" mit 17 Prozent deutlich geringer, bei "Medical Freezing" beträgt sie knapp 40 Prozent. (APA, red, 1.6.2021)