Hannes Löschel kommt mit seiner Stadtkapelle.

Georg Oberweger

Krems – Die letzte von Jo Aichinger programmierte Version des Festivals Imago Dei widmet sich dem Verhältnis von Licht und Dunkelheit. Dies ist nur scheinbar musikfern. Mittels harmonischer, klanglicher und melodischer Partikel lassen sich diese Pole sehr wohl akustisch gestalten.

Beispiele wird etwa am Sonntag Pianist und Komponist Hannes Löschel mit seiner Stadtkapelle liefern. Angesagt sind Lieder "mit schrägem Lichteinfall, durchzogen von mildem Abendlicht oder beleuchtet von Morgensonne". Bearbeitungen von Schuberts Winterreise sind zu hören, auch Songs of Inno cence (nach Gedichten von William Blake) und Franz Lehár. Löschel geht es bei Bearbeitungen "meistens um Reduktion, um Entschlackung".

Blickwinkel finden

Bei den Schubert-Liedern kommt es zum Einsatz "von Natur stimmen, welche die Textverständlichkeit erhöhen und eine zeitlose, aus dem historischen Kontext herausgelöste Wahrnehmung ermöglichen". Der Klavierpart wurde "auf ein Instrumentarium aus Volksmusik und Jazz verteilt. Weniger jedoch, um diesen Stilen zu ‚huldigen‘, vielmehr, um einen anderen Blickwinkel zu finden." Und wenn es um Wienerliedartiges geht?

Da würden Songs von "musikalischem Smog" umgeben, um die Textatmosphäre zu transportieren. Eher sei ein wienerisches "Strudeln" statt jazzige Improvisation angesagt. Auch ein "Herumstehen" auf einem Ton, "ein ‚musikalisches‘ Warten auf den Kometen, der noch immer nicht gekommen ist?", fragt sich Löschel selbst. (toš, 3.6.2021)