China hat bereits mehrere Mining-Stationen geschlossen. Vor allem wegen der billigen Braunkohle-Energie hat das Mining in China bisher geboomt.

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Wien – Bitcoin und andere Krypto-Einheiten haben zuletzt für viele Rekorde gesorgt. Die Kurse der Token sind in den vergangenen Tagen steil nach oben geklettert, um danach teilweise rasant abzustürzen. Dennoch sind die Kryptowährungen ein dauerhaftes Thema, auch weil Zahlungsanbieter diese digitalen Einheiten als Möglichkeit der Bezahlung anbieten wollen.

Doch der Branche haftet ein schlechtes Image an. Der enorme Energieverbrauch steht seit Jahren in der Kritik. Die Rechnerleistungen, die benötigt werden, um neue Bitcoins freizulegen oder Transaktionen in der Blockchain abzuwickeln, sind massiv. Nun will die Kryptobranche ihr schmutziges Image loswerden. Langfristig soll nicht nur das Bitcoin-Mining nachhaltiger werden, sondern auch der Transfer der Coins auf der Blockchain.

Klimaneutral

Eine "klimaneutrale Blockchain" will das Netzwerk Celo bieten. Dank der geringeren Transaktionsenergie "könnte Celo auch Assets wie den Bitcoin CO2-neutral handelbar machen, zum Beispiel über Derivate", sagt Celo-Partner Markus Franke zum "Handelsblatt". Ein erstes solches Produkt wird in Kürze verfügbar sein. Um den verbleibenden Energieverbrauch auszugleichen, würden Bäume gepflanzt, so Franke.

"Wie bei jeder anderen Industrie auch liegt es an der Krypto-Community, die Umweltbedenken anzuerkennen und den Kohlenstoff-Fußabdruck von Bitcoin zu reduzieren", sagt Kristina Walcker-Mayer, Chefin der Berliner Bitcoin-Bank Nuri.

Wie es in einem Mining-Rechenzentrum aussieht, hat sich das "Handelsblatt" in Frankfurt angesehen. Vier Seecontainer stehen dort in einem riesigen Industriepark und brummen vor sich hin. In den Containern hat es 21 Grad. In einem Rechenzentrum-Container arbeiten Server mit 1.100 Grafikkarten. Die größte Herausforderung dabei ist die hocheffiziente Kühlung der Systeme – was wiederum Energie kostet. Der Geräuschpegel ist ohrenbetäubend. Diese Container könnten aber überall stehen, also auch in Gebieten, die etwa wie in Schweden stark auf Wasserenergie setzen können, sagt Stefan Sickenberger, IT-Experte und Organisationsvorstand bei der Frankfurter Northern Data AG, einem 2018 gegründeten Betreiber von Hochleistungsrechenzentren.

Green Deal

Die Finanzbranche setzt seit geraumer Zeit auf das Thema Nachhaltigkeit. Auch die EU hat mit dem Green Deal Vorgaben geschaffen, um sicherzustellen, dass Nachhaltigkeit in die Wirtschaft einzieht. So müssen Banken bei der Kreditvergabe besonders darauf achten, auch grüne Projekte zu finanzieren. Der Wandel in der Kryptowelt, die Teil der Finanzwelt geworden ist, ist also dringend notwendig. Zumal die Kryptowelt einst als Gegenmodell zur alten Finanzbranche angetreten ist.

Zur Einordnung: China war lange der größte Mining-Standort. Je nach Schätzung werden 50 bis 70 Prozent aller Bitcoins dort geschürft, vor allem wegen des günstigen Braunkohlestroms. Die chinesischen Lokalregierungen haben jedoch damit begonnen, die Minen wegen des massiven Energieverbrauchs zu schließen. Ziehen die Miner an Standorte, wo sie saubere Energie für das Schürfen nutzen können, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung. Die "grün" geminten Bitcoins könnten auch ein eigenes Label bekommen. Der "Öko-Bitcoin" wäre damit wohl erschaffen.

Forscher der Universität Cambridge schätzen, dass allein das Schürfen von Bitcoins pro Jahr etwa 114 Terawattstunden Strom verbraucht – etwas mehr als die Niederlande, etwas weniger als Pakistan. Der niederländische Wissenschafter Alex de Vries beziffert den Energieverbrauch sogar mit 124 Terawattstunden. Doch laut Untersuchungen der Universität Cambridge sind nur rund 39 Prozent der Bitcoins wirklich "grün", meist generiert durch Wasserkraft. Knapp 75 Prozent enthalten eine grüne Beimischung im Energiemix. (bpf, 4.6.2021)