Ein wütender Max Verstappen tritt auf seinen Red Bull-Boliden ein.

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Baku – Sergio Perez hat am Sonntag bei einem chaotischen Formel-1-Grand-Prix von Aserbaidschan seinen ersten Sieg für Red Bull Racing eingefahren. Der Mexikaner profitierte von einem späten Reifenschaden seines zuvor souverän führenden Stallrivalen Max Verstappen. Der Niederländer führt die WM-Wertung nach dem sechsten Saisonlauf weiter vier Punkte vor Mercedes-Star Lewis Hamilton an, weil dieser nach einem Re-Start in der zweitletzten Runde einen folgenschweren Fahrfehler beging.

Zweiter Sieg für Perez

Sebastian Vettel überraschte erneut auf einem Stadtkurs, holte als Zweiter seinen ersten Podestplatz für Aston Martin. AlphaTauri-Mann Pierre Gasly krönte sein gelungenes Wochenende als Dritter. Für Perez war es nach seiner Premiere in Bahrain 2020 (damals Racing Point) sein zweiter Sieg. Das nächste Rennen steht in zwei Wochen mit dem Frankreich-Grand-Prix in Le Castellet auf dem Programm, ehe das Österreich-Doppel mit zwei Rennen (27. Juni/4. Juli) in Spielberg stattfindet.

"Ende gut, alles gut. Es ist nur schade, weil wir die Führung drastisch ausgebaut hätten", meinte Helmut Marko, der Motorsportberater von Red Bull, im ORF mit Blick auf Verstappens verhängnisvollen Unfall, den der 23-Jährige immerhin unverletzt überstand. "Da ist uns allen das Herz in die Hose gefallen." Verstappen war einigermaßen fassungslos. "Es wäre eigentlich ein ganz einfacher Sieg gewesen." Perez gab sich als Teamplayer: "Es tut mir leid um Max, weil er ein tolles Rennen gefahren ist. Er hätte den Sieg heute verdient."

In der Konstrukteurswertung liegen die "Bullen" nun 27 Punkte vor Mercedes, weil beide Silberpfeile von Valtteri Bottas (12.) und Hamilton (15.) erstmals seit USA 2012 wieder ohne Punkte blieben. "Die Frustration ist so überwältigend", gestand Teamchef Toto Wolff. Der Wiener sprach von zwei "nicht akzeptablen" Wochenenden. In Monaco war Mercedes nicht über einen siebenten Rang von Hamilton hinausgekommen. "Wir können unsere Erwartungen nicht erfüllen, niemand von uns im Team."

Ferrari nicht flott genug

Pole-Mann Charles Leclerc wurde Vierter. Der Ferrari konnte mit dem Tempo von Mercedes und Red Bull Racing wie erwartet nicht mithalten. Nach einer von Disziplin geprägten Startphase schnappten sich Hamilton (Runde 3), Verstappen (7) und Perez (8) Leclerc jeweils auf der langen Zielgeraden. Der Monegasse bog nach dem Realitäts-Check zum Reifenwechseln in die Box ab – und spielte fortan wie Teamkollege Carlos Sainz nur noch eine Nebenrolle.

Hamilton verlor dann früh Zeit an der Box, weil Gasly in der Fast-Lane am stoppenden Mercedes vorbeifuhr. Die Red-Bull-Crew von Verstappen brillierte zunächst mit einem Blitzstopp von 1,9 Sekunden, patzte aber bei Perez (4,3). Das reichte trotzdem, um sich zwischen Verstappen und Hamilton zu schieben. Die Taktik der "Bullen" ging auf. Verstappen gab Gas, dahinter saß Hamilton hinter Perez fest und rutschte zeitweise aus dem wichtigen DRS-Fenster.

Doppelsieg verspielt

Während die "Bullen" scheinbar unbeirrt auf den zweiten Doppelsieg in der Turbo-Hybrid-Ära (nach Malaysia 2016) zusteuerten, gab Lance Stroll ein erstes mahnendes Beispiel ab: Der Kanadier schlug nach einem Reifenschaden heftig in die Streckenbegrenzung ein, stieg unverletzt aus seinem Wagen, die erste Safety-Car-Phase war die Folge.

Verstappen, der zuvor eine komfortable Lücke herausgefahren hatte, war seinen Vorsprung los. Kaum war wieder Normalbetrieb, da donnerte Vettel los, schnappte sich Leclerc und Gasly und war plötzlich Vierter. An der Spitze kontrollierte Verstappen erneut souverän das Geschehen, doch dann gab bei Topspeed – wie bei Stroll links hinten – der Pirelli-Reifen nach. Pirelli-Boss Mario Isola vermutete später, dass Material auf der Strecke zu den Schäden geführt habe. Zumal der Hersteller auch bei Hamilton "einen Schnitt" im linken hinteren Reifen gefunden haben will.

Das Rennen wurde für Aufräumarbeiten lange unterbrochen, beim Neustart verbremste sich Hamilton bei seiner Attacke auf Perez in der ersten Kurve und rutschte weit zurück. Völlig konsterniert sprach der siebenfache Weltmeister noch im Auto sitzend von einem Bedienungsfehler. (APA, 6.6.2021)

Endstand des Formel-1-Grand-Prix von Aserbaidschan am Sonntag in Baku sowie die WM-Wertungen: Rennlänge: 51 Runden zu je 6,003 km = 306,049 km

1. Sergio Perez (MEX) Red Bull 2:13:36,410 (Schnitt: 138,067 km/h)
2. Sebastian Vettel (GER) Aston Martin +1,385
3. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri +2,762
4. Charles Leclerc (MON) Ferrari +3,828
5. Lando Norris (GBR) McLaren +4,754
6. Fernando Alonso (ESP) Alpine +6,382
7. Yuki Tsunoda (JPN) AlphaTauri +6,624
8. Carlos Sainz (ESP) Ferrari +7,709
9. Daniel Ricciardo (AUS) McLaren +8,874
10. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo +9,576
11. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo +10,254
12. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +11,264
13. Mick Schumacher (GER) Haas +14,241
14. Nikita Masepin (RUS) Haas +14,315
15. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +17,668
16. Nicholas Latifi (CAN) Williams +42,370
17. George Russell (GBR) Williams +3 Runden
18. Max Verstappen (NED) Red Bull +6 Runden

Ausgeschieden: Esteban Ocon (FRA) Alpine, Lance Stroll (CAN) Aston Martin

Schnellste Runde: Max Verstappen (NED) Red Bull in der 45. Runde in 1:44,481 (Schnitt: 206,840 km/h)

WM-Stand (nach 6 von 23 Rennen):

1. Max Verstappen (NED) Red Bull 105
2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 101
3. Sergio Perez (MEX) Red Bull 69
4. Lando Norris (GBR) McLaren 66
5. Charles Leclerc (MON) Ferrari 52
6. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 47
7. Carlos Sainz (ESP) Ferrari 42
8. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri 31
9. Sebastian Vettel (GER) Aston Martin 28
10. Daniel Ricciardo (AUS) McLaren 26
11. Fernando Alonso (ESP) Alpine 13
12. Esteban Ocon (FRA) Alpine 12
13. Lance Stroll (CAN) Aston Martin 9
14. Yuki Tsunoda (JPN) AlphaTauri 8
15. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo 1
16. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo 1

Stand Konstrukteurs-WM (nach 6 von 23 Rennen):

1. Red Bull 174 2. Mercedes 148 3. Ferrari 94 4. McLaren 92 5. AlphaTauri 39 6. Aston Martin 37 7. Alpine 25 8. Alfa Romeo 2

Nächstes Rennen: Grand Prix von Frankreich am 20. Juni in Circuit Paul Ricard