Die Rechtspopulistin Keiko Fujimori, die am Montag vor einem "Wahlbetrug"-Schild auftrat, will im Fall eines Sieges eine restriktive Sicherheitsstrategie umsetzen.

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Anhänger Pedro Castillos warten in Lima auf das Wahlergebnis.

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Auch Anhängerinnen Fujimoris gingen am Montag auf die Straße.

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Unterstützer des Lehrers Pedro Castillo in Tacabamba, Region Cajamarca.

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Lima – Bei der Präsidentenwahl in Peru zeichnet sich ein äußerst knappes Ergebnis ab. Der Marxist Pedro Castillo lag nach der Auszählung von 97,789 Prozent der Stimmen bei 50,203 Prozent, teilte das Wahlamt am Dienstag mit. Die Rechtspopulistin Keiko Fujimori erhielt demnach 49,797 Prozent, ein Unterschied von 69.792 Stimmen. Fujimori sprach angesichts des knappen Rennens am Montag von Betrug.

"Es gab eine Serie von Unregelmäßigkeiten, die uns Sorge bereiten", sagte die Rechtspopulistin. So lege die Partei ihres Kontrahenten gezielt Beschwerde gegen die Auszählung von Stimmen aus ihren Hochburgen ein. "Sie wollen die Ergebnisse verfälschen oder verzögern." Die 46-Jährige zeigte Fotos und Videos, die ihren Angaben zufolge Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung dokumentieren, und sprach von "systematischem Betrug".

Bisher wurden die Ergebnisse aus 1.384 Wahllokalen (bis zu 300.000 Stimmen) beeinsprucht, die nun nachgezählt werden, nicht mehr als bei der letzten Wahl. Dies könnte bis zu einer Woche dauern.

Nach der Stichwahl am Sonntag hatte Fujimori zunächst knapp geführt. Im Lauf der Auszählung der Stimmen aus ländlichen Gebieten wendete sich das Blatt allerdings, und Castillo lag vorne. Der Dorfschullehrer hat gerade auf dem Land zahlreiche Anhänger. Er rief seine Anhänger zur Mäßigung auf und warnte davor, aus Freude über den Vorsprung "in Provokationen zu verfallen". Er werde das Wahlergebnis jedenfalls respektieren.

Keine Beweise für Wahlbetrug

Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der Nichtregierungsorganisation Asociación Civil Transparencia wiesen Fujimoris Betrugsvorwürfe zurück. "Es gibt keinerlei Beweise, die es erlauben würden, von Wahlbetrug zu sprechen", sagte die Präsidentin der Organisation, Adriana Urrutia, der Zeitung "El Comercio". Es habe einzelne Unregelmäßigkeiten gegeben, die angezeigt wurden. "Das waren aber Einzelfälle, es gibt keine Hinweise auf eine systematische Praxis", sagte sie.

Der aktuelle Auszählungsstand.

Die Stichwahl war ein Kräftemessen der politischen Extreme: Fujimori steht für eine liberale Wirtschaftspolitik und eine Sicherheitsstrategie der harten Hand. Ihren Politikentwurf beschreibt sie als "Demodura", eine Mischung aus Demokratie und "mano dura" (harter Hand). In den vergangenen Jahren war sie allerdings selbst mehrfach in Untersuchungshaft. In einem laufenden Korruptionsverfahren droht ihr eine langjährige Freiheitsstrafe.

Präsidententochter gegen Gewerkschafter

Ihr Vater verbüßt wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen eine 25-jährige Haftstrafe. In seiner Amtszeit als Präsident (1990–2000) ließ Alberto Fujimori die Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen, das Parlament wurde entmachtet. Zudem wurden zehntausende indigene Frauen zwangssterilisiert. Im Fall eines Wahlsiegs will Fujimori ihren Vater begnadigen.

Pedro Castillo ist vor allem in den ländlichen Regionen Perus beliebt.
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Castillo hingegen will im Fall eines Wahlsiegs einen sozialistischen Staat aufbauen, Bergbaukonzerne stark besteuern, Medien stärker kontrollieren und das Verfassungsgericht abschaffen. Er stammt aus einer bäuerlichen Familie aus der Provinz Chota im Norden des Landes und hatte 2017 einen Lehrerstreik angeführt. Er gibt sich als Außenseiter im Politikbetrieb und verfügte vor Beginn der Kampagne nicht einmal über ein Twitter-Konto.

Fujimori hingegen gehört zur Elite des Landes, studierte Betriebswirtschaft in den USA und bewegte sich bereits in jungen Jahren in den politischen Kreisen Limas.

Auch wenn Castillo und Fujimori für gegensätzliche Extreme auf der politischen Skala stehen, liegen sie bei ihren gesellschaftspolitischen Ansichten gar nicht weit auseinander: Beide vertreten ein konservatives Familienbild, sind gegen gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibung. Beide setzen auf die Ausbeutung von Bodenschätzen und messen dem Schutz von Umwelt und Menschenrechten keine große Bedeutung zu.

Enorme Herausforderungen

Die Herausforderungen für den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin sind enorm: Peru leidet besonders stark unter der Corona-Pandemie. Es gehört zu den Ländern mit der höchsten Sterblichkeit weltweit, zudem brach die Wirtschaft um 12,9 Prozent ein.

Das vergangene Jahr war zudem von einem erbitterten Konflikt der Regierung mit dem Kongress geprägt. Zunächst drängten die Parlamentarier Präsident Martín Vizcarra aus dem Amt, dann warf dessen Nachfolger Manuel Merino nach heftigen Protesten das Handtuch. Zuletzt wurde das südamerikanische Land von Übergangspräsident Francisco Sagasti geführt.

Im Landesinneren sind außerdem noch immer Splittergruppen der Guerillaorganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) aktiv. Vor zwei Wochen hatten Rebellen in den Tälern der Flüsse Apurímac, Ene und Mantaro bei einem Massaker 16 Menschen getötet und in einem Pamphlet zum Boykott der Wahl aufgerufen. Am Sonntag blieb es nach Angaben des Wahlamtes zunächst ruhig. (bed, APA, 7.6.2021)