Google wird immer mächtiger.

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Chrome hat die letzten Browserkriege eindeutig gewonnen. Mit über zwei Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzern und einem Marktanteil von über 60 Prozent hat Googles Browser seine Konkurrenten mittlerweile geradezu um Welten überholt. An zweiter Stelle folgt Apples Safari mit weniger als 20 Prozent Anteil. Wie "Wired" berichtet, ist allerdings nun der Zeitpunkt gekommen, Chrome den Rücken zu kehren und stattdessen einen Blick auf Alternativen zu werfen.

Streit um Floc

Das liegt auch an Googles mittlerweile massiver Infrastruktur zur Datensammelei im Netz – aber vor allem an den aktuellen Vorstößen. Google will nämlich mit "Federated Learning of Cohorts", kurz Floc, Cookies von Drittanbietern ein Ende setzen. Ganz nach dem Vorbild von Apple, das sie mit iOS 14.5 standardmäßig bei Apps blockiert, soll das künftig auch bei Chrome geschehen. Stattdessen soll der Browser selbst ermitteln, auf welchen Webseiten User sich bewegen. Mit diesen Informationen würde personalisierte Werbung generiert werden. Google behauptet, dass dabei keine Rückschlüsse auf Nutzer gezogen werden können – trifft aber auf massiven Gegenwind: So werfen Konkurrenten wie Mozilla und Brave dem Unternehmen vor, damit die Macht über die Daten erlangen zu wollen.

Zahlreiche Daten genutzt

Doch auch so sammelt Chrome eine große Menge Daten – laut Apples Privacy-Informationen am Smartphone etwa den Standort, die Chronik und Suchhistorie sowie das eindeutige Benutzerkonto. Dem Unternehmen zufolge geht es darum, Daten wie Lesezeichen und Passwörter mit dem Google-Konto zu verknüpfen. Anders als bei Konkurrenten wie Safari und Firefox werden diese Informationen aber auch mit einzelnen Geräten verbunden. Der Datenschützerin Rowenna Fielding zufolge, die mit "Wired" darüber gesprochen hat, würde das dem Unternehmen erlauben, ein umfassendes Bild über die Persönlichkeit, Interessen und Schwächen von Usern zu erstellen. Auch Daten anderer Google-Produkte werden dabei angereichert und verwertet.

Google: Gespeicherte Informationen variieren

Google selbst argumentiert, dass die iOS-Infos zu gesammelten Daten lediglich das Maximum an Informationen darstellen würden, die die Firma speichert, die tatsächliche Menge variiere je nachdem, welche Features verwendet werden und wie die Browsereinstellungen konkret sind. Außerdem sei die Open-Source-API von Floc, also die Schnittstelle zur Anwenderprogrammierung, auf Privatsphäre fokussiert und biete Google Ads keine Privilegien. Doch das ändert nichts am Missbrauchspotenzial, das dem Unternehmen in die Hände gelegt wird. Dabei gibt es eine Reihe guter Alternativen zu Chrome – allen voran Firefox und Brave. Und auch bei Suchmaschinen bieten sich Dienste wie Duckduckgo an. (red, 7.6.2021)