In ganz Afrika leben noch rund 200.000 Schimpansen, vielleicht 50.000 Bonobos und etwa 300.000 Individuen der beiden Gorillaarten. Nachdem fundierte Bestandsaufnahmen kaum durchzuführen sind und nur wenige, großteils alte Studien zu den Gesamtpopulationen der Menschenaffen Afrikas vorliegen, sind diese Zahlen allenfalls vage Schätzungen. Es könnten durchaus mehr sein, aber auch deutlich weniger.

Fest steht auf jeden Fall: Ihre Bestände werden in den kommen Jahrzehnten dramatisch zurück gehen. Das untermauert einmal mehr eine Studie, an der über 60 Wissenschafter beteiligt waren und die sich vor allem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensräume unserer nächsten Verwandten auseinander setzt. Die resultierenden Prognosen könnten düsterer nicht sein: Wie die Forscher in der Fachzeitschrift "Diversity and Distributions" schreiben, wird mindestens 85 Prozent des heutigen Verbreitungsgebiets der Affen bis 2050 nicht mehr von den Tieren bewohnbar sein.

Für ihre Analyse trugen die Forscher Informationen über das Vorkommen afrikanischer Menschenaffen zusammen, die in der A.P.E.S.-Datenbank der Weltnaturschutzunion (IUCN) gespeichert sind. Diese Datenbank enthält eine einzigartige Menge an Informationen über den Zustand der Populationen, Bedrohungen und Schutzmaßnahmen für mehrere hundert Standorte, die über 20 Jahre hinweg gesammelt wurden.

Schimpansen (links) und Bonobos (rechts), sowie ...
Fotos: AFP/INA FASSBENDER/EPA/SASCHA STEINBACH

85 Prozent Lebensraumverlust wäre Best-Case-Szenario

Die Wissenschafter quantifizierten erstmals die Gesamtheit der Auswirkungen von Änderungen des Klimas, der Landnutzung und der Bevölkerungszahlen in den Verbreitungsgebieten der afrikanischen Menschenaffen für das Jahr 2050. Dabei berücksichtigten sie Best- und Worst-Case-Szenarien. "Best case bedeutet, dass die Kohlenstoff-Emissionen langsam zurückgehen und dass geeignete Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden", erklärt Jessica Junker, Koautorin der Studie vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). "Worst case geht davon aus, dass die Emissionen ungebremst weiter ansteigen – also business as usual."

Unter dem Best-Case-Szenario sagen die Autoren voraus, dass Menschenaffen innerhalb der nächsten 30 Jahre 85 Prozent ihres Verbreitungsgebietes verlieren werden. Die Hälfte davon werde dabei außerhalb von Nationalparks und anderen gesetzlich geschützten Gebieten liegen. Unter dem Worst-Case-Szenario sagen sie einen Verlust von 94 Prozent voraus, wovon 61 Prozent auf nicht geschützte Gebiete entfielen.

... Westliche (links) und Östliche (rechts) Gorillas geraten in Bedrängnis.
Fotos: Reuters/AP/Ben Birchall/PA

Flucht nach oben?

Höher gelegene Gebiete sind für einige Menschenaffenarten derzeit weniger attraktiv – vor allem aufgrund des geringeren Nahrungsangebotes. Doch durch den Klimawandel verändert sich das. Tieflandgebiete werden wärmer und trockener, die Vegetation verschiebt sich nach oben. Wenn Populationen in der Lage sind, vom Tiefland in die Berge zu ziehen, könnten sie überleben und sogar ihr Verbreitungsgebiet vergrößern – je nach Art und je nachdem, ob das Best- und Worst-Case-Szenario eintritt. Es kann aber auch sein, dass sie nicht in der Lage sind, sich in der verbleibenden Zeit zwischen heute und 2050 aus dem Tiefland wegzubewegen.

Die Ergebnisse bestätigen andere aktuelle Studien, die zeigen, dass die afrikanischen Menschenaffenpopulationen und ihre Lebensräume dramatisch zurückgehen. Alle afrikanischen Menschenaffen sind auf der Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN entweder als gefährdet (Berggorillas, Bonobos, Nigeria-Kamerun-Schimpansen, Östliche Schimpansen und Zentrale Schimpansen) oder als vom Aussterben bedroht (Cross-River-Gorillas, Grauer-Gorillas, Westliche Flachlandgorillas und Westliche Schimpansen) eingestuft. (red, 13.6.2021)