Google will bei der Ablöse von "Third Party Cookies" mit den Wettbewerbsbehörden kooperieren.

Foto: Ng Han Guan / AP

Bei einem sind sich die großen Browserhersteller mittlerweile einig: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Eine Vielzahl von Werbetrackern verfolgen die Aktivitäten der Nutzer quer durch das gesamte Internet. Firmen wie Facebook oder Google stellen dabei nur die Spitze des Eisbergs dar, unter der Oberfläche gibt es ein Netzwerk von der breiten Masse nur wenig bekannten Unternehmen, die ein äußerst lukratives Geschäft mit den Daten der Nutzer betreiben.

Widerstand

Dieses Phänomen hat in den vergangenen aber auch eine nicht zu unterschätzende Gegenbewegung hervorgebracht. Immer mehr Browserhersteller blockieren solche Tracker von Haus aus, Firmen wie Mozilla oder auch Apple werben aktiv mit diesen Schutzfunktionen. Etwas schwieriger ist da schon die Situation für Google: Immerhin bilden all diese Datensammlungen auch die Grundlage für jenes Werbegeschäft, über das sich ein bedeutender Teil des Webs derzeit finanziert – und dazu zählt nicht zuletzt auch Google selbst. Also versucht der Softwarehersteller einen etwas behutsameren Weg zu finden: Unter dem Sammelbegriff "Privacy Sandbox" arbeitet man derzeit an privatsphärenfreundlichen Alternativen zu jenen "Third Party Cookies", die heutzutage bei der Verfolgung der Nutzer durch das Internet eine wichtige Rolle spielen.

Diese Initiative bläst allerdings aus unterschiedlichen Richtungen Gegenwind entgegen, die nicht unbedingt einfach unter einen Hut zu bringen sind. Während Datenschützern die Konzepte von Google nicht weit genug gehen oder sie zumindest einzelne Teile davon kritisieren, haben Kartellwächter ein grundlegendes Problem mit der parallel dazu geplanten Deaktivierung von "Third Party Cookies" im Chrome. Die Befürchtung: Ein solcher Schritt könnte die Macht von Google im Werbemarkt noch weiter vergrößern. Denn während kleinere Anbieter von den über diese Cookies gesammelten Informationen abhängig sind, hat Google selbst jede Menge Daten über die Nutzer. Immerhin betreibt man einige der erfolgreichsten Webservices.

Ungewöhnliche Kooperation

Diesen Befürchtungen will Google nun mit einem ungewöhnlichen Schritt begegnen: In einem Blogposting kündigt das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit den britischen Wettbewerbsbehörden an. Die Competition and Markets Authority soll die Entwicklung der Privacy Sandbox überwachen und sicherstellen, dass sich Google auf diesem Weg keinen unfairen Vorteil verschafft. Erst wenn die Bedenken der Regulatoren ausgeräumt wurden, soll Google dann mit der Deaktivierung der "Third Party Cookies" in Chrome beginnen. Während des gesamten Prozesses sollen die CMA und Google in direktem Austausch sein, die Behörde will zudem regelmäßig Feedback von anderen Firmen und Experten einholen.

Die aktuelle Ankündigung steht in einer Reihe mit anderen Versprechen von Google in diesem Zusammenhang. Bereits vor einigen Wochen stellte das Unternehmen etwa klar, dass parallel zum Ende der Third Party Cookies auch der Zugriff der eigenen Werbeprodukte auf Daten aus anderen Google-Diensten deaktiviert werden soll. Das heißt nicht zuletzt, dass Google Ads künftig keinen Zugriff mehr auf den Browserverlauf der User haben soll.

Alternative

Parallel dazu sollen eben jene alternativen Technologien entwickelt werden, von denen im Rahmen der "Privacy Sandbox" die Rede ist. Wie diese konkret aussehen werden, muss sich allerdings erst zeigen. So gibt es zwar einige Vorschläge, Google betont aber, dass man derzeit noch Feedback einsammelt. Eine aktuell viel diskutierte – und durchaus umstrittene – Idee ist es dabei, die Nutzer zentral im Browser in Interessengruppen einzuteilen, ohne dass ihre Daten je direkt an Werbedienstleister weitergegeben werden.

Einen fixen Zeitplan für all diese Änderungen gibt es derzeit noch nicht, angesichts des zahlreichen Feedbacks und der komplexen Interessenlage unterschiedlicher Seiten wäre ein solcher aber ohnehin kaum einzuhalten. Im Vorjahr hieß es jedenfalls noch, dass die "Third Party Cookies" irgendwann im Verlaufe des Jahres 2022 bei Chrome deaktiviert werden sollen. Zudem will Google aber auch andere Formen des Trackings – etwa über digitale Fingerabdrücke – bekämpfen. (apo, 11.6.2021)