Wunderbare Wertvermehrung bei der Öbag – hätte das auch ein Hydrant zustande gebracht?

Foto: AP/Jay Janner

Nein, keine Sorge, hier folgt nicht schon wieder ein Text über die möglichen politischen Implikationen der Causa Thomas Schmid. Solche Analysen gibt es bereits zur Genüge. Dies hier ist lediglich eine Marginalie zum Thema "Kreative Beschreibung von Sachverhalten" am Beispiel des Öbag-Vorstandes.

Zwei Denkschulen

Bei der Bewertung der Leistungen von Herrn Schmid stehen einander zwei Denkschulen gegenüber. Die eine räumt zwar ein, dass das Chat-Gebaren von Schmid indiskutabel gewesen sei (vor allem das mit dem Pöbel hätte er sich sparen können), wohl aber habe er durch exzellente Führungsleistungen brilliert und den Wert der österreichischen Staatsbeteiligungen um fünf Milliarden Euro in die Höhe gejazzt.

Aktienkurse, die nur eine Richtung kannten

Die zweite Denkschule basiert auf der Ansicht, dass diese wunderbare Wertvermehrung mit Schmid rein gar nichts zu tun habe, weil in einer Zeit, in der die Aktienkurse jahrelang nur eine Richtung kannten, nämlich die nach oben, die Wertsteigerung selbst dann stattgefunden hätte, wenn die Öbag von einem "Hydranten" geleitet worden wäre.

Aparte Sprachbilder

Statt "von einem Hydranten geleitet" liest man im Internet auch "von einem Holzpflock", "einem Becher Magerjoghurt", "meiner Oma", "ein paar dressierten Affen" oder "einem ausgerauchten Kracherl". Alles aparte Sprachbilder. Ist ja auch viel netter, wenn man seine Message individuell und kreativ formulieren kann und sich an keine Kontrolle von oben halten muss. (Christoph Winder, 14.6.2021)