Qwant holt sich Hilfe von Huawei.

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"Respekt vor der Privatsphäre: eine Voraussetzung für Freiheit": Dieser Satz prangt groß auf der Website des französischen Suchmaschinenanbieters Qwant. Als europäische Google-Alternative mit einem Fokus auf den Datenschutz positioniert sich das Unternehmen seit mittlerweile rund zehn Jahren. Da der Erfolg bislang aber eher überschaubar bleibt, muss man sich zunehmend nach zusätzlichen Finanzierungsquellen umsehen. Und wo man hier fündig wurde, entbehrt nicht ganz einer gewissen Ironie.

Zuwendung

Qwant bekommt eine Finanzspritze vom chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei. Acht Millionen Euro spült es über eine Wandelanleihe mit einem Zinssatz von 4,5 Prozent in die Kassen des französischen Unternehmens, berichtet "Politico". Das mag in Relation zur restlichen IT-Welt nicht nach viel klingen, ist aber trotzdem mehr als der gesamte Vorjahresumsatz von Qwant. Und ebenfalls interessant: Nach drei Jahren könnte Huawei die Anleihe in Qwant-Aktien umwandeln und würde dann irgendwo zwischen 5 und 7,5 Prozent am Suchmaschinenanbieter halten.

Einen Einfluss auf das Geschäftsgebaren von Qwant hätte Huawei damit natürlich noch immer nicht. Auch sonst gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass das französische Unternehmen von seinem Privatsphärenfokus abgehen will. Trotzdem rückt die China-Verbindung diesen in ein etwas schiefes Licht. Immerhin hat dort der Staat nicht nur direkten Eingriff in alle großen Unternehmen, das Internet steht in dem asiatischen Land auch unter Totalüberwachung, und die Zensoren bestimmen, was Suchmaschinen anzeigen dürfen. Das ist auch der Grund dafür, warum das von Qwant sonst aus einer Datenschutzperspektive vielgescholtene Google dort nicht aktiv ist. Der kalifornische Konzern hatte sich vor einigen Jahren nach einem Hackerangriff und dem wachsenden Druck, die eigene Suchmaschine in China zu zensieren, bewusst aus dem Land zurückgezogen.

Gemeinsame Interessen

Ganz überraschend kommt die finanzielle Beteiligung von Huawei an Qwant allerdings nicht. Immerhin arbeiten die beiden Unternehmen schon seit einigen Jahren zusammen. Bereits im November 2018 sollen laut "Politico" die Vorarbeiten dafür begonnen haben, seit dem März 2020 ist es offiziell. Mittlerweile werden auch einige Huawei-Handys – in Europa – mit Qwant als Default-Suche ausgeliefert. Dabei handelt es sich allerdings weniger um eine bewusste Entscheidung als um eine indirekte Konsequenz des US-Handelsbanns gegen Huawei, der die Auslieferung von Google-Diensten auf den Smartphones des chinesischen Herstellers unterbindet.

Zahlen

Der Erfolg will sich aber selbst mit dem Huawei-Support im Rücken bislang nicht so recht einstellen. Weltweit spielt die Suchmaschine kaum eine Rolle und befindet sich laut Statscounter nicht einmal unter den Top Ten der beliebtesten Angebote in diesem Bereich. Einzig im Heimatland Frankreich sieht es mit einem Marktanteil von rund einem Prozent marginal besser aus. Zumindest zeigt die Umsatzkurve des Unternehmens in die richtige Richtung: Bei 7,5 Millionen Euro soll dieser Wert im Jahr 2020 gelegen sein. Dem gegenüber stehen allerdings Verluste in der Höhe von 13 Millionen Euro. (apo, 15.6.2021)