Pavard wurde auf dem Feld behandelt und untersucht. Die Ärzte gaben trotz eines heftigen Treffers auf seinen Kopf grünes Licht.

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Zusammenprall.

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Benjamin Pavard, Verteidiger der französischen Nationalmannschaft, war während des EM-Auftaktsiegs gegen Deutschland ohnmächtig. "Ich habe einen höllischen Schock erlitten", sagte der 25-Jährige nach dem 1:0 des Weltmeisters in München am Dienstag, "ich war zehn bis 15 Sekunden bewusstlos."

Der deutsche Linksverteidiger Robin Gosens hatte in der 58. Minute versucht, im gegnerischen Strafraum eine Flanke von Joshua Kimmich zu erreichen. Er krachte dabei von der Seite gegen Pavards Kopf, der Franzose schlug bäuchlings auf dem Rasen auf. Dennoch spielte er nach kurzer Behandlung weiter – bis zum Abpfiff.

Entgegen Charta

Die Spielergewerkschaft FIFPro kritisierte den Europäischen Fußballverband Uefa für seinen Umgang mit gesundheitlichen Belangen der Spieler. Die Profi-Organisation beklagte, dass Pavard entgegen dem vor dem Turnier vereinbarten Charta zum Schutz der Teilnehmer vor Schädigungen durch Gehirnerschütterungen nach kurzer Behandlung weiterspielen durfte.

"Die FIFPro steht mit der Uefa in Kontakt, um herauszufinden, warum die Charta nicht angewandt und Pavard in der Folge nicht vom Spielfeld genommen wurde", teilte die Spieler-Vereinigung mit.

Aus Sicht der FIFPro stellen die Abläufe auf dem Spielfeld am Montag eine Missachtung der von allen 24 EM-Teilnehmerverbänden unterzeichneten Gehirnerschütterungs-Charta dar. In der Grundsatzvereinbarung ist festgeschrieben, dass ein Spieler schon beim Verdacht auf eine im Verlauf der Begegnung erlittene Gehirnerschütterung aus dem Spiel genommen werden soll.

Causa Eriksen

Bereits zu EM-Beginn war die UEFA aufgrund ihrer Vorgehensweise nach dem lebensbedrohlichen Kollaps des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen im Duell mit Finnland in ein schlechtes Licht geraten.

Kritiker monierten, dass der kontinentale Verband als Veranstalter die Begegnung nicht abgebrochen und den Mannschaften ohne Rücksicht auf die psychische Verfassung der Spieler lediglich die Wahl zwischen einer Fortsetzung des Spiels kurz nach Eriksens Einlieferung in ein Krankenhaus oder am Mittag des nächsten Tages gelassen hatte. (sid, red, 16.6.2021)