Ein Test, der mit mit einem Bekenntnis des Testers beginnt? Dürfen die denn das? Gute Frage, also probieren wir es doch einfach mal aus. Es ist nämlich so: Der aktuelle Fernseher des Autors stammt – holt kurz Luft – aus dem Jahr 2011. Das ist, zugegebenermaßen, schon ein Weilchen her, gerade wenn man es in Relation zur doch recht erklecklichen Sammlung an anderen technischen Geräten setzt, die sonst noch so im betreffenden Domizil im Einsatz sind. Die Erklärung dafür ist recht simpel – und vielleicht erkennt sich darin so mancher wieder. Sämtliche Pläne, ein neues Gerät anzuschaffen, sind bisher daran gescheitert, dass irgendwie immer eine bessere TV-Technologie um die Ecke ist, die dann aber – ganz sicher – alles ändern wird, es irgendwie aber doch nie tut.

Okay, tolle Geschichte, aber warum erzählt er uns das jetzt? Na, um hier keine falschen Erwartungen entstehen zu lassen! Wer einen bis ins letzte technische Detail mit tausenden Messungen angereicherten Testbericht zu Samsungs Neo-QLED-Fernsehern erwartet, der ist, ehrlich gesagt (bitte nicht der Chefredaktion weitersagen, danke!), an dieser Stelle falsch. Aber bevor jetzt alle den Tab schließen, schnell der zentrale Nachsatz: Das eröffnet eine andere Chance, nämlich die eines etwas ungewöhnlicheren Blicks. Eines, der sich weniger auf technische Werte denn auf subjektive Eindrücke, auf die reale Nutzung nicht im Bestfall, sondern im Realfall konzentriert. Und auch darauf, wie groß der Unterschied wirklich ist, wenn man mal so die eine oder andere Hardwaregeneration auslässt und jetzt bei einem neuen Gerät zuschnappt. Klingt interessant? Na bitte, also weiter im Programm.

Fernseher, Hardwarebox, Einhorn – alles fertig. Also kann es losgehen.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Samsung

Als Objekt der Exploration wurde ein aktuelles Samsung-Neo-QLED-Modell auserkoren. Wer es genau wissen will, das 65-Zoll-Exemplar aus der QN95A-Reihe. Das ist mit einem Listenpreis von 2.999 Euro jetzt nicht gerade ein Schnäppchen, zeigt dafür aber gut den aktuellen Stand der Samsung-Technik. Groß ist der Bildschirm also schon mal. Da die gesamte Logik in einer externen Box untergebracht ist, ist das Gerät trotzdem erfreulich dünn, was eine Wandmontage verlockend erscheinen lässt. Diese Option drängt sich aber auch aus einem weniger erfreulichen Grund auf: Das mitgelieferte Standbein vermittelt nur begrenzt Sicherheit, der gesamte Aufbau wirkt sehr kopflastig. Gerade wer mit spielfreudigen Kindern oder Haustieren zusammenwohnt, sollte also ernsthaft darüber nachdenken, ob das Gerät nicht doch besser fix montiert werden sollte.

Jetzt soll es in dem Test zwar vor allem um subjektive Eindrücke gehen, aber so ganz auf der technischen Nudelsuppe dahergeschwommen sind wir dann auch wieder nicht. Insofern zunächst einmal die Erklärung, was den Neo QLED zu einem Neo QLED macht. Die erste richtige Antwort darauf lautet: Samsungs Marketingabteilung, die sich seit Jahren darauf spezialisiert hat, dezent irreführende Bezeichnungen für die verwendeten TV-Technologien zu verwenden (auch wenn fairerweise erwähnt werden muss, dass andere Hersteller in dieser Hinsicht kaum besser sind). Denn auch wenn der Name anderes nahelegt, so handelt es sich dabei einmal mehr um ein LCD-Panel. Allerdings eines, das in der aktuellen Hardwaregeneration mit einem interessanten technologischen Twist versehen ist, der sich Mini LED nennt.

Mini LED

Die Idee dahinter: Jedes LCD-Panel braucht für seinen Betrieb eine Hintergrundbeleuchtung, da die Elemente – im Gegensatz zu einem OLED – nicht selbst leuchten. Bei Mini LED ist es jetzt so, dass diese Hintergrundbeleuchtung durch eine Vielzahl sehr kleiner LEDs vorgenommen wird, wodurch einzelne Bereiche gezielt beleuchtet werden können, während schwarze Regionen einfach komplett deaktiviert bleiben. Das verspricht perfekte Schwarzwerte, wie man sie sonst nur von OLEDs kennt, während man im Gegenzug von den klassischen Vorteilen eines LCDs profitiert. Glaubt man den Marketingversprechen, wird hier also das Beste der beiden Welten kombiniert.

Der Game-Mode lässt sich prinzipiell überall aktivieren und zeigt auch diverse Grunddaten an.
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In der Realität ist die Situation natürlich komplizierter. Während Samsungs Neo QLED unzweifelhaft ein äußerst gutes Bild liefert, ganz mit OLEDs kann er dann doch nicht mithalten. Das liegt daran, dass bei Mini LED – Verzeihung: Neo QLED – eben nicht jeder Bildpunkt separat beleuchtet wird, sondern einzelne Bereiche. Wie viele das sind, verrät der Hersteller nicht im Detail, Branchenbeobachter schätzen diesen Wert aber bei der aktuellen Hardwaregeneration auf rund 25.000. Das ist viel, aber eben auch nicht ansatzweise so viel, wie es Pixel bei einem 4K/UHD-Fernseher gibt. Die Konsequenz: Es zeigt sich immer wieder ein Effekt, der sich in der Fachsprache "Blooming" nennt. Besonders deutlich ist dies bei Schrift auf schwarzem Hintergrund zu sehen, die dann nicht klar abgegrenzt, sondern von einer Art Schein umgeben ist. Aber natürlich wirkt sich das auch sonst auf die Bildqualität aus, die Übergänge sind also nicht immer so klar abgegrenzt, wie es bei aktuellen OLEDs der Fall ist.

Viele Stärken

Umgekehrt muss man Samsungs Fernseher zugutehalten, dass die maximale Helligkeit wirklich beeindruckend ist. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung ist das Geschehen noch immer hervorragend zu erkennen. Hier hat man also einen klaren Vorteil gegenüber OLEDs. Zudem muss man sich bei Neo QLED keine Sorgen um Einbrenneffekte machen, die Lebensdauer verspricht also besser zu sein.

Aber noch weiter bei der Hardwareausstattung: Der betreffende Fernseher ist erfreulicherweise mit vier HDMI-2.1-Anschlüssen versehen. Warum das wichtig ist, haben wir vor einiger Zeit in einem eigenen Artikel erläutert. Kurz umrissen: Dies ermöglicht sowohl eine 4K-Darstellung mit bis zu 120 Hz als auch eine variable Bildwiederholrate – beides Dinge, die gerade für Gamer wichtig sind, erlauben sie doch eine optimale Wiedergabe der Inhalte von Playstation 5 und Xbox Series X. Angemerkt sei, dass nur einer der HDMI-Anschlüsse die volle Bandbreite liefert, was für kommende Entwicklungen ein Thema sein könnte. 4K/120 und VRR gehen aber auf allen.

Tolle Theorie, nicht immer so tolle Praxis

Nachdem einwandfrei geklärt wurde, dass der Samsung Neo QLED ein gar hervorragendes Bild liefern kann, kommen wir aber mal zu einer etwas anderen Perspektive, einer, die sich Realität nennt. Und die sieht nun einmal dezent anders aus als jene HDR10+-UHD-Naturdokumentationen, mit denen solche Geräte üblicherweise beworben werden. Sie ist davon gekennzeichnet, dass man mit einer Fülle unterschiedlicher Inhalte in stark variierender Qualität konfrontiert ist.

Die Samsung-Fernbedienung und der Autor werden keine großen Freunde.
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Der Ökoschmäh aller Ökoschmähs.
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Für Filme wäre hier ein Ultra-HD-Blu-Ray-Player so etwas wie der Bestfall, doch auch die 4K-HDR-Streams von Anbietern wie Netflix, Disney+ und Co sorgen durchaus für Begeisterung. Also zumindest, wenn man das unsägliche Motion Smoothing in den Einstellungen einmal deaktiviert hat. Leichte Abzüge gibt es zudem dafür, dass Samsung weiterhin kein Dolby Vision unterstützt, während die erwähnten Streaming-Dienste wiederum HDR10+ nicht unterstützen. Das Ergebnis: Die beiden Seiten einigen sich auf das etwas schwächere HDR10.

Aber das ist eben nur das Topniveau, bei anderen Inhalten wird die Situation dann schon schwieriger. Zunächst: Mit dem Neo Quantum Processor 4K besitzen die aktuellen Samsung-Neo-QLED-Fernseher einen starken Chip, der sein Bestes gibt, auch aus SDR-Inhalten in niedriger Auflösung das Beste herauszuholen. Das Upscaling auf eine höhere Auflösung funktioniert etwa sehr gut. Trotzdem zeigen sich bei solchen Inhalten zum Teil seltsame Effekte wie ein komplettes Überstrahlen des Hintergrunds oder auch eine viel zu starke Farbgebung bei Gesichtern. Zum Teil wurde dies im Testverlauf bereits durch Firmware-Updates ausgebessert, in den Grundzügen zeigt sich dieser Effekte aber weiter.

Eine unerfreuliche Kombination

Als besonders problematisch erweist sich im Test die Kombination mit dem Kabel-TV-Programm von Magenta, wie es in Österreich viel genutzt wird. Denn auch wenn sich die dort aktuell genutzte Hardware "Entertain Box 4K" nennt, läuft hier außer der Oberfläche nichts in 4K – wenn man von einem Sender (Auto, Motor und Sport) absieht. Das wirkliche Problem ist aber ein anderes. Es gibt von Sender zu Sender einen wilden Wechsel an Farbgebung, Helligkeit und genereller Bildqualität. Das Ergebnis ist, dass viele Kanäle auf so einem Gerät wirklich brutal schlecht aussehen. Das ist natürlich nicht der Fehler von Samsung – also einmal davon abgesehen, dass all die automatischen Bildoptimierungen von Samsung diesen Effekt noch zu verschärfen scheinen. Trotzdem ist das eben eine Realität, die für viele Nutzer näher an der ihrigen sein dürfte als der gerne vorgezeigte Optimalfall.

Eine generelle Eigenheit der Samsung-Fernseher ist, dass die Voreinstellungen sowohl bei Farbintensität als auch bei Bilddynamik einigermaßen übertreiben. Also so, dass man nach längeren Fernsehsitzungen schon mal das Gefühl hat, die Augen anschließend entgiften zu müssen. Die gute Nachricht: Es gibt bei dem Gerät jede Menge Feineinstellungen, mit denen man das anpassen kann. Die schlechte Nachricht: Es gibt bei dem Gerät jede Menge Feineinstellungen, mit denen man das anpassen kann. Denn natürlich ist das auch einiger Aufwand. Den sollte man aber investieren, wenn man eine etwas natürlichere Darstellung bevorzugt.

Exkurs: Fußball

Doch zurück zum Praxistest, und dazu greifen wir doch gleich einmal zu einem aktuellen Thema: der derzeit laufenden Europameisterschaft im Männerfußball. Immerhin ist bekannt, dass solche Ereignisse ein bedeutender Treiber für die TV-Absätze sind. Doch bekommen die Käufer dann auch wirklich das, was sie sich von der Neuanschaffung erhoffen? Kurz gesagt: Wahrscheinlich nicht.

Viel Platz für Fußball hat der neue Samsung-Fernseher.
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Zunächst: Auf klassischem Weg gibt es die EM nicht in 4K. Über die erwähnte Magenta-Kabelbox wird klassisches HD geliefert, bei dem auf so einem großen Fernseher dann doch schon recht deutlich die Defizite zu sehen sind. Das liegt natürlich nicht nur an der Auflösung, sondern auch an der Kodierung, was übrigens auch dazu führt, dass die von Magenta gelieferten Bilder des ORF deutlich anders aussehen, als wenn man auf ARD oder ZDF wechselt. Doch das nur am Rande. In Österreich bleibt 4K-Interessierten derzeit eigentlich nur der Wechsel auf die ORF-TVthek, über die UHD-Streams der meisten Spiele angeboten werden. Das auf diesem Weg gelieferte Bild sieht dann tatsächlich deutlich besser aus, auch wenn man im Detail sicher über die Kodierungsqualität diskutieren könnte. Aber so etwas ist nun einmal immer eine Abwägung zwischen Qualität und beanspruchter Bandbreite, und mit 25 MBit/s liegt der UHD-Stream der TVthek auch auf dem Niveau dessen, was Netflix in 4K verbraucht. Vor allem aber ist es ganz generell lobenswert, dass man damit in Österreich kostenlos an einen hochqualitativen Stream der Fußball-EM kommt.

Probleme, mittlerweile im Griff

Dieses Angebot bringt den Nutzern allerdings wenig, wenn das Ganze bei ihnen nicht läuft. Neben dem simplen Umstand, dass solch ein Stream schon mal gerne das WLAN und die Internetanbindung vieler überfordert, hatte die TVthek von Anfang der EM an mit allerlei Problemen zu kämpfen. Und das ist auch für den aktuellen Test relevant: Denn die TVthek-App für Samsung-Smart-TVs war zunächst praktisch unbrauchbar für diesen Zweck. Anstatt echter Livespiele gab es hier immer nur die Möglichkeit, den Stream frisch von vorne zu beginnen. Mit mehr als eineinhalb Wochen Verzögerung kam dann doch noch ein Update, das zusätzlich auch noch die Unterstützung für UHD-Streams einführte. Zumindest im Fall des Testers läuft diese Kombination mittlerweile auch weitgehend problemlos, gelegentliche Hänger sind wohl eher auf die TVthek selbst oder auch Fluktuationen bei der Internetanbindung zurückzuführen als auf den Fernseher.

Trotzdem wirft diese Episode grundlegende Fragen zum Softwareökosystem von Samsung auf, denn natürlich kann man kritisieren, warum der ORF nicht schon früher ein Update an den TV-Hersteller geliefert hat – und zwar zu Recht. Das ändert aber nichts daran, dass es offenbar mehrere Wochen gedauert hat, bis die neue Version im App Store des Hardwareherstellers übernommen wurde. Das verwundert umso mehr, da es sich dabei ohnehin um eine sehr minimalistische App handelt, die "nur" Webinhalte einbindet, also nicht ganz klar ist, was hier lange getestet werden muss. Das passt aber durchaus ins Gesamtbild, von Softwareentwicklern war in der Vergangenheit relativ wenig Positives zu Samsungs Smart-TV-Plattform zu hören.

Ist Streaming überhaupt eine gute Idee?

Doch noch ein anderer Blick auf die Thematik: Generell würde der Tester Streaming für einen solchen Zweck nämlich nur dann empfehlen, wenn man nicht gerade in einem dicht besiedelten Gebiet wohnt. Sonst bekommt man nämlich jede spannende Szene, jedes Tor durch die Schreie von fußballbegeisterten Nachbarn vorangekündigt. Immerhin haben die Streams doch eine signifikante Verzögerung von 30 Sekunden und mehr. Da relativiert sich dann der qualitative Vorteil von UHD sehr schnell.

Noch ein Wort zur Tonausgabe: Diese fällt beim getesteten Gerät eher durchschnittlich aus. Und auch hier funktionieren die Automatismen von Samsung zur Optimierung des Klangs nur so halb. Immer wieder kommt es zu einem überraschenden Wechsel der Klangwiedergabe – etwa wenn man bei laufendem Programm in ein Menü wechselt. Realistischerweise sollte man aber auch anmerken: Wer schon so viel Geld für einen Fernseher ausgibt, der kann auch noch etwas in ein externes Soundsystem investieren. Das sollte sich in diesem Fall jedenfalls rentieren.

Tizen

Ob die Nutzer das wollen oder nicht, heutzutage ist jeder Fernseher "smart". Samsung setzt dabei auf eine selbstentwickelte Oberfläche auf Basis des eigenen Tizen, das wiederum Linux als Grundlage verwendet. Dieses läuft auf dem Gerät generell recht okay, wenn auch die Oberfläche zum Teil ziemlich uneinheitlich wirkt. Zumindest sind aber die wichtigsten Apps schnell zu erreichen, und auch der Wechsel des Eingabekanals ist flott vorgenommen. Nervig ist dafür, dass schon auf der Hauptebene Werbung gemacht wird, und auch die große Zahl vorinstallierter Apps müsste nicht sein. Positiv zu vermerken ist hingegen, dass hier so ziemlich alle großen Streaming-Dienste – von Apple TV über Youtube bis zu Netflix und Prime Video – angeboten werden.

Generell funktioniert Tizen ganz gut, aber warum ein Fernseher um fast 3.000 Euro auch noch Werbung braucht, ist eine durchaus valide Frage.
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Samsungs TV Plus: Kann man getrost ignorieren.
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Stark bewirbt Samsung dabei ein eigenes Angebot namens TV Plus, das man aber getrost gleich wieder vergessen darf – und zwar auch im Sinne von Samsung. Die Oberfläche dieser App ist nämlich eine perfekte Mischung aus schlecht überlegt und noch schlechter umgesetzt. Wer damit leben kann, dass es bei jedem Tastendruck eine merkliche Verzögerung gibt, bis die App reagiert, bekommt dafür ein ziemlich liebloses Angebot an Streams in – dazu passend – miserabler Bildqualität geboten. Und falls jetzt jemand von Samsung sagt, dass dies ein unfaire Charakterisierung wäre, dann fordere ich dazu auf, doch mal eine Woche lang Samsung TV Plus statt des üblichen Programms auf den Ausstellungsgeräten bei Elektronikhändlern laufen zu lassen, und dann zu schauen, wie viele Geräte man anschließend noch verkauft.

Updates und Datenschutz

Was generell ein Thema bei Smart TVs ist, ist die Update-Versorgung. Aktuell ist diese noch sehr gut, es gab – wie erwähnt – in den vergangenen Wochen mehrer neue Softwareversionen. Das ist erfreulich, weniger erfreulich ist hingegen, dass es kein fixes Update-Versprechen gibt, wie es bei einem Gerät mit allerlei Apps und privaten Daten eigentlich angebracht wäre. Insofern wird wohl auch in diesem Fall eher früher als später der Zeitpunkt gekommen sein, wo man die smarten Agenden besser einem externen Gerät wie einem Apple TV, Fire TV oder Chromecast überlässt. Und für manche ist es wohl ohnehin besser, das gleich von Anfang so zu handhaben. Generell lohnt in diesem Zusammenhang übrigens auch ein Blick auf die Privatsphären-Hinweise von Samsung. Immerhin legt man dort offen, dass der Fernseher – mithilfe von Automated Content Recognition (ACR) – allerlei Daten über die TV-Gewohnheiten seiner Nutzer sammelt und auch an Dritte weitergibt.

Bleiben noch ein paar Softwarespezialitäten des Tizen-Systems. Da wäre etwa eine Multiview-Ansicht, in der neben einem Live-Sender auch noch ein Inhalt aus einer Video-App oder von einem Samsung-Smartphone dargestellt werden kann. Eine nette Spielerei, bei der sich aber die Frage stellt, wie viele das dann wirklich nutzen. Zudem gibt es einen "Ambient Mode", bei dem der Fernseher quasi als eine Art digitaler Bilderrahmen genutzt werden kann, um den Raum zu verschönern. Das ist alles nett gemacht, es sei nur daran erinnert, dass der Fernseher, um den es hier geht, einen typischen Stromverbrauch von 123 Watt hat. Als dauerhafte Option ist das also kaum zu empfehlen.

Es lohnt, einen Blick ins Datenschutzcenter zu werfen.
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Dann wären da noch einige spezielle Ansichten für Spieler, die neben jeder Menge Einstellmöglichkeiten auch noch Details zu Dingen wie der Bildwiederholrate liefern. Und natürlich kommt so ein aktueller TV auch nicht ohne Sprachsteuerung aus, hierbei werden Alexa sowie Samsungs eigenes Bixby unterstützt. Aktiviert wird der gewählte Assistent über einen eigenen Knopf auf der Fernbedienung.

Steuerung mit Ökoschmäh

Apropos: Die mitgelieferte Fernbedienung fällt gewohnt schlank aus – und ist Geschmackssache. Die Steuerung für Lautstärke und Kanalwechsel über einen Knopf, der rauf- und runtergeschoben wird, ist jedenfalls nicht des Autors Sache. Dem wäre ein klassisches Design mit zwei getrennten Knöpfen lieber. Dies hätte übrigens auch in Hinblick auf Barrierefreiheit gewisse Vorteile. Wer das nicht glaubt, sollte mal einer älteren Person mit feinmotorischen Problemen so eine Samsung-Fernbedienung in die Hand geben. Ansonsten ist die Fernbedienung recht gut verarbeitet, die Knöpfe haben einen guten Druckpunkt, auch das Navigations-"Rad" fühlt sich gut an. Und natürlich dürfen auch gebrandete Buttons für den schnellen Aufruf einzelner Streaminganbieter nicht fehlen. In diesem Fall sind es Netflix, Amazon Prime Video sowie Samsungs eigenes TV-Plus-Angebot.

Besonderes Lob verdient sich Samsung dann noch dafür, dass man den Ökogedanken ganz in den Vordergrund stellt und sich die Fernbedienung – neben einem USB-C-Anschluss – auch über ein Solarpaneel auf der Rückseite aufladen lässt. Nein, Scherz. Also das Solarpaneel gibt es ernsthaft, das Lob war hingegen nicht ernst gemeint. Denn bei näherer Betrachtung ist das ein recht dreistes Beispiel für Greenwashing. Wenn man einrechnet, was die Produktion des Solarpaneels an zusätzlicher Umweltbelastung verursacht, dann darf stark bezweifelt werden, dass die Gesamtrechnung gegen eine Fernbedienung mit klassischen Wechselbatterien aufgeht. Immerhin halten diese üblicherweise ziemlich lange durch. Besonders absurd wird dieser Ökoschmäh dann, wenn man dies in Relation zu einem Fernseher stellt, der mit der schönen Energieklasse "G" versehen ist und im laufenden Betrieb bis zu 180 Watt verbraucht.

Die gesamte Logik – und damit auch die Anschlüsse – befindet sich in einer externen Box.
Foto: Proschofsky / STANDARD

Fazit

Was bleibt? Generell eigentlich ein sehr positiver Eindruck. Neo QLED – beziehungsweise Mini LED – ist ein äußerst erfreulicher Fortschritt für die LCD-Fernseher von Samsung. Die Bildqualität mag im Detail nicht ganz mit OLEDs mithalten können, gefällt aber trotzdem sehr gut. Und gerade für jene Gamer, die eine der rar gesäten Next-Generation-Konsolen ergattern konnten, ist die Verlockung groß. Sich extra für die Fußball-EM so ein Gerät zu kaufen, erscheint angesichts der ziemlich mangelhaften Verfügbarkeit entsprechenden 4K-Materials hingegen ziemlich gewagt. Ganz generell würde man sich für den Preis auch eine bessere Tonwiedergabe sowie bessere Software erhoffen – vor allem ohne nervige Werbung und Datensammelei.

So weit die klassische Bewertung. Die individuelle Perspektive des Testers sieht dann nämlich noch einmal anders aus. Denn bei dem mag sich mit etwas Abstand der Kaufimpuls noch immer nicht so recht einstellen. Klar, die Bildqualität ist im Optimalfall toll, mit den richtigen Streaming-Services das Filmschauen eine Freude. Doch genau dieser Optimalfall ist einfach noch immer viel zu selten gegeben. In der Praxis starrt man viel zu oft auf riesige Bildpunkte mit verwaschenen Konturen. Wie gesagt: Das ist eine durch und durch subjektive Perspektive, die stark vom eigenen Nutzungsverhalten abhängt. Wer viel spielt, mag hier etwa zu einem ganz anderen Schluss kommen. Für den Autor heißt es aber: Besser noch ein Jahr warten, dafür dann aber ganz sicher. Wahrscheinlich. (Andreas Proschofsky, 27.6.2021)