Winner.

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Überholt.

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Le Castellet – Max Verstappen hat sich am Sonntag beim Formel-1-Grand-Prix von Frankreich mit einem Herzschlag-Finale den Sieg geholt. Der Red-Bull-Pilot überholte Lewis Hamilton erst in der vorletzten Runde und baute damit seine WM-Führung aus. Im Gegensatz zu dem Briten im Mercedes war der Niederländer mit einer Zwei-Stopp-Strategie unterwegs. Der dritte Platz ging an den Mexikaner Sergio Perez im zweiten Red Bull. Erstmals in der Hybrid-Ära hat das Team nun drei Rennen in Folge gewonnen.

Mit seinem 13. Grand-Prix-Sieg hält Verstappen nun nach sieben Rennen bei 12 Punkten WM-Vorsprung auf Hamilton. Der nächste Grand Prix findet in einer Woche auf dem Red Bull Ring in Spielberg statt. Am kommenden Sonntag steht dort der Große Preis der Steiermark auf dem Programm, eine Woche später ist die Formel 1 im Zuge des Österreich-Grand-Prix erneut in Spielberg zu Gast. Die zwei Heimrennen von Red Bull Racing würden sich als optimale Gelegenheit anbieten, die Siegesserie zu prolongieren.

Zweikampf

"Am Ende hat es sich ausgezahlt, zwei Stopps zu machen. Das war eine große Erleichterung", meinte Verstappen, der den langsameren Hamilton gerade rechtzeitig noch abfing. "Wir haben bisher schon die ganze Saison hart gegeneinander gekämpft. Ich denke, das wird für die restliche Saison so bleiben", verwies er auf den Zweikampf mit Mercedes.

Hamilton musste eingestehen: "Zum Schluss hatte ich einfach keine Reifen mehr." Die meiste Zeit hätten die "Silberpfeile" gegenüber Red Bull auf den Geraden eingebüßt: "Wir müssen herausfinden, woran das liegt, ob es die Power ist, der Luftwiderstand. Aber wir haben trotzdem ein gutes Paket."

Geschenkt

Verstappen hatte Hamilton nach dem Start die Führung "geschenkt", als er bei böigem Wind am Ausgang der ersten, nach links gekrümmten Kurve die Kontrolle über sein Auto verlor und kurz die Strecke verließ. Danach fuhr Hamilton unspektakulär voraus, obwohl er über Funk ein schlechtes Fahrverhalten und schnell erhitzende Reifen monierte. Dabei hatte es durch Regen am Vormittag sogar ein wenig abgekühlt. Es gelang ihm, den Vorsprung auf Verstappen kontinuierlich auszubauen und über drei Sekunden auf den Niederländer herauszufahren.

Das reichte aber um wenige Zehntelsekunden nicht, um nach dem Reifenwechsel am Ende der 19. Runde vorne zu bleiben. Verstappen, der eine Runde vorher in die Boxengasse abgebogen war, schaffte den Undercut und hatte die Führung wieder. In der 32. Runde von 53 ließ sich Verstappen noch einen Satz Medium-Reifen anstecken, Hamilton blieb hingegen bei seinen schon abgenutzten Hard-Walzen. Zunächst überholte Verstappen dann Bottas und machte Jagd auf den WM-Titelverteidiger – am Ende erfolgreich. Bottas brach komplett ein und musste auch Perez passieren lassen.

"Wir haben das Rennen beim Boxenstopp verloren. Wir hatten gedacht, dass wir genügend Schutz vor dem Undercut hatten, was nicht gestimmt hat", erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Von dann an waren wir im Hintertreffen, um ehrlich zu sein. Der Kampf zwischen den drei Autos an der Spitze war intensiv. Der zweite Stopp erschien uns als zu großes Risiko, weil das Rennen im Weg war. Das haben wir heute falsch eingeschätzt." Bottas hatte sich im Finish lautstark beschwert und an die Crew gefunkt, dass er auf eine Zwei-Stopp-Strategie gesetzt hätte. "Das hat mir gefallen! Endlich hat er es einmal rausgelassen", beurteilte Wolff die enttäuschte Reaktion des Finnen.

Hattrick

Für Verstappen war es der erste sogenannte Hattrick in seiner Karriere. Der 23-Jährige verbuchte die Pole Position, den Sieg und die schnellste Rennrunde. Für Perez, der in Baku gewonnen hatte, war es das zweite Rennen in Folge auf dem Podium. "Ohne Perez, wenn der nicht aufgeschlossen hätte, hätten wir das Ganze nicht machen können. Dass es dann so knapp geworden ist, war ein bisschen nervenaufreibend", meinte Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko bei Servus TV. Am Ende hätten aber die Strategie, der Boxenstopp und Verstappen, "der das perfekt umsetzt", den Ausschlag gegeben. "Dann passt alles", freute sich der Steirer.

Die beiden McLaren von Lando Norris und Daniel Ricciardo belegten die Plätze fünf und sechs, Siebenter war Pierre Gasly im AlphaTauri. Alpine-Pilot Fernando Alonso punktete als Achter und blieb vor dem Aston-Martin-Duo Sebastian Vettel und Lance Stroll.

Der japanische Rookie Yuki Tsunuda beendete das Rennen als 13. Nach dem Unfall des AlphaTauri-Piloten in der Qualifikation am Samstag mussten über Nacht mehrere Teile seines Autos auf andere Spezifikationen ausgetauscht werden. Darunter waren auch der Unterboden und die Aufhängung, wie der Motorsport-Weltverband FIA mitteilte. Daraus folgte gemäß Regelwerk der Start aus der Boxengasse. (APA, 20.6.2021)

Endstand des Formel-1-Grand-Prix von Frankreich am Sonntag in Le Castellet:
Rennlänge: 53 Runden zu je 5,842 km = 310,633 km

1. Max Verstappen (NED) Red Bull 1:27:25,770 (Schnitt: 214,230 km/h)
2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +2,904
3. Sergio Perez (MEX) Red Bull +8,811
4. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +14,618
5. Lando Norris (GBR) McLaren +1:04,032'
6. Daniel Ricciardo (AUS) McLaren +1:15,857
7. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri +1:16,596
8. Fernando Alonso (ESP) Alpine +1:17,695
9. Sebastian Vettel (GER) Aston Martin +1:19,666
10. Lance Stroll (CAN) Aston Martin +1:31,946
11. Carlos Sainz (ESP) Ferrari +1:39,337
12. George Russell (GBR) Williams +1 Runde
13. Yuki Tsunoda (JPN) AlphaTauri +1 Runde
14. Esteban Ocon (FRA) Alpine +1 Runde
15. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo +1 Runde
16. Charles Leclerc (MON) Ferrari +1 Runde
17. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo +1 Runde
18. Nicholas Latifi (CAN) Williams +1 Runde
19. Mick Schumacher (GER) Haas +1 Runde
20. Nikita Masepin (RUS) Haas +1 Runde

Schnellste Runde: Max Verstappen (NED) Red Bull in der 35. Runde in 1:36,404 (Schnitt: 218,160 km/h)

WM-Stand (nach 7 von 23 Rennen):

1. Max Verstappen (NED) Red Bull 131
2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 119
3. Sergio Perez (MEX) Red Bull 84
4. Lando Norris (GBR) McLaren 76
5. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 59
6. Charles Leclerc (MON) Ferrari 52
7. Carlos Sainz (ESP) Ferrari 42
8. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri 37
9. Daniel Ricciardo (AUS) McLaren 34
10. Sebastian Vettel (GER) Aston Martin 30
11. Fernando Alonso (ESP) Alpine 17
12. Esteban Ocon (FRA) Alpine 12
13. Lance Stroll (CAN) Aston Martin 10
14. Yuki Tsunoda (JPN) AlphaTauri 8
15. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo 1
16. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo 1

Konstrukteurs-WM (nach 7 von 23 Rennen):

1. Red Bull 215
2. Mercedes 178
3. McLaren 110
4. Ferrari 94
5. AlphaTauri 45
6. Aston Martin 40
7. Alpine 29
8. Alfa Romeo 2

Nächstes Rennen: Grand Prix von Österreich am 27. Juni in Spielberg am Red Bull Ring