ITV filmte mehrere Lastwägen, die die Ware einerseits zu Recyclingzentren, andererseits aber auch zu Müllhalden transportierten.

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Millionen unverkaufter Produkte würden in einer Lagerhalle in Schottland zerstört werden: Zu diesem Ergebnis kommt der britische Fernsehsender ITV im Rahmen einer investigativen Recherche in der schottischen Stadt Dunfermline, in deren Verlauf Journalistinnen und Journalisten heimlich an einem der 24 Amazon-Standorte in Großbritannien die Zerstörung mitfilmten.

Zu sehen sind darin Laptops, Fernseher, Kopfhörer, Bücher, Schmuck und Gesichtsmasken, die zur Entsorgung markiert wurden. Ein anonymer Ex-Mitarbeiter gab gegenüber dem Sender an, dass wöchentlich circa 130.000 Produkte vernichtet würden. Das entspreche auch internen Dokumenten, die ITV vorliegen, die zeigen würden, dass während einer Woche im April rund 124.000 Produkte zerstört werden sollten, 28.000 wurden zur Spende markiert.

Amazon: Entsorgungen für ganz Großbritannien

Dem anonymen Mitarbeiter zufolge gebe es dabei kein bestimmtes System, etwa die Hälfte der Produkte sei noch neuwertig eingepackt, die andere Hälfte seien zurückgesendete Artikel in gutem Zustand. Gegenüber dem Sender gibt Amazon an, dass die Lagerhalle in Dunfermline sämtliche Entsorgungen für ganz Großbritannien handhaben würde.

Bei 130.000 Stück zerstörter Neuware würde das bedeuten, dass im Jahr mehr als sechs Millionen Produkte entsorgt würden. Eine Undercover-Recherche des französischen Radiosenders "RTL" von 2019 hatte ergeben, dass in einer untersuchten Lagerhalle in einem Jahr drei Millionen Produkte zerstört wurden. Und auch das ZDF sorgte 2018 für Aufsehen, als aufgedeckt wurde, dass massenhaft Neuware vernichtet wird.

Mülldeponien

ITV filmte mehrere Lastwägen, die die Ware einerseits zu Recyclingzentren, andererseits aber auch zu Müllhalden transportierten. Amazon selbst gibt gegenüber dem "Business Insider" an, dass alle Fahrzeuge zu Recyclingstellen gefahren seien. "Keine Produkte werden in Großbritannien auf Müllhalden gebracht", heißt es. In 2019 hatte die "Daily Mail" jedoch bei der Beobachtung einer anderen Lagerhalle gesehen, wie Produkte zu einer Mülldeponie transportiert wurden. Ob sich das Vorgehen von Amazon in Großbritannien seitdem geändert hat, sei nicht kommentiert worden. (red, 22.6.2021)