Afghanische Truppen befinden sich in der Provinz Kunduz auf dem Rückzug.

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Kabul – Die Taliban haben den wichtigsten Grenzübergang von Afghanistan nach Tadschikistan erobert. Die Islamisten hätten alle Grenzposten, den Hafen und die Stadt von Shir Khan Bandar eingenommen, sagte der Ratsabgeordnete der Provinz Kunduz, Khaliddin Hakmi, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben eines Offiziers mussten die afghanischen Soldaten all ihre Posten aufgeben und "einige unserer Soldaten haben die Grenze nach Tadschikistan überquert".

Die Taliban sind seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan auf dem Vormarsch. In Norden des Landes, wo auch die deutsche Bundeswehr lange für die Stabilisierung zuständig war, rücken sie derzeit rasch vor. Zuletzt hatten Taliban-Kämpfer dort die strategisch wichtige Provinzhauptstadt Kunduz umstellt.

Taliban bestätigt

Der Angriff der Taliban auf Shir Khan Bandar rund 50 Kilometer von Kunduz entfernt ereignete sich nach Angaben des Militärvertreters am Montagabend. "Am Morgen waren sie überall, Hunderte von ihnen", sagte er zu AFP.

Taliban-Sprecher Sabihullah Mujahid bestätigte: "Unsere Mujaheddin haben volle Kontrolle über Shir Khan Bandar und alle Grenzübergänge zu Tadschikistan in Kunduz", sagte er AFP.

USA überlegen langsameren Truppenabzug

Erst am Montag sagte ein Sprecher des US-Pentagons, dass die USA bereit sei, flexibel auf die sich zuspitzende Situation in Afghanistan zu reagieren und ein langsamerer Abzug der US-Truppen aus dem Land in Frage komme. Die Regierung des vorigen US-Präsidenten Donald Trump hatte im Februar 2020 in Doha ein Abkommen mit den Taliban geschlossen, um den längsten Kriegseinsatz der US-Geschichte zu beenden. Der Abzug der US-Truppen soll nach den Plänen von Trumps Amtsnachfolger Joe Biden bis spätestens zum 11. September abgeschlossen sein.

Am vergangenen Freitag kehrte der letzte österreichische Soldat aus Afghanistan zurück. Damit endete der fast 20-jährige Einsatz Österreichs in Afghanistan – künftig werden keine Soldaten mehr im Rahmen der Nato-"Partnerschaft für den Frieden" dorthin entsandt. (APA, red, 22.6.2021)