Auf Mallorca wollte sich Dominic Thiem für Wimbledon einschlagen. Im Achtelfinale des mit 250.000 Euro dotierten Turniers auf Rasen, im ersten Satz gegen den Franzosen Adrian Mannarino, verletzte sich der Österreicher allerdings am rechten Handgelenk. Die Behandlung auf dem Platz fruchtete nicht, Thiem musste bei einer 5:2-Führung aufgeben. Ob er für die am Montag beginnenden All England Lawn Tennis Championships in London fit wird, ist fraglich. Das ist ein weiterer herber Rückschlag für den 27-Jährigen, der zuletzt bei den French Open gleich zum Auftakt gescheitert war.

Noch vor Thiems Missgeschick auf Mallorca sprach Galo Blanco, der neue Manager, über die Zukunft seines Schützlings. 2018 reiste der Spanier als Trainer mit Thiem zu Turnieren, ehe er zu Kosmos wechselte – die Agentur von Barça-Profi Gerard Piqué, die den Daviscup reformieren sollte.

STANDARD: Wie schwierig war es, Dominic Thiem zu verpflichten?

Blanco: Er wollte es selbst, obwohl Dominic kein Fan von großen Veränderungen ist. Er ist Traditionalist.

Galo Blanco: "Es wird keine Unruhe reinkommen. Wenn Nico und Dominics Vater mich nicht fragen, mische ich mich nicht ein."
Foto: Kosmos Tennis

STANDARD: Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Blanco: Ich wusste, dass der Vertrag mit seinem alten Management ausläuft. Es ist keine zwei Wochen her, als wir Familie Thiem unsere Pläne präsentierten. Es hat ihnen gefallen.

STANDARD: Was will Ihre Agentur Kosmos im Tennis erreichen?

Blanco: Wir wollen klein bleiben, keinesfalls hunderte Spieler anwerben. Dominic ist unsere Speerspitze, zudem würde ich gerne eine Top-Spielerin verpflichten. Dann fokussieren wir uns auf Talente.

STANDARD: Was bietet Kosmos seinen Klienten?

Blanco: Unsere rund 40 Angestellten sollen Athleten in allen Facetten unterstützen: Dazu zählen sportliche Leistungen, der Umgang mit Medien, Vermarktung, Rechtshilfe, finanzielle Beratung und ein Plan für die Zeit nach der Profikarriere. Die Zusammenarbeit kann vor allem langfristig fruchten.

STANDARD: Sie sind jetzt quasi eine Woche im Amt. Wie legen Sie Ihre Rolle als Thiems Manager an?

Blanco: Nicht anders als andere: Ich arbeite an seiner Vermarktung und suche neue Sponsoren. Er soll sich einzig auf sein Tennis konzentrieren können. Wenn er sportliche Fragen hat, stehe ich bereit.

STANDARD: Nicolas Massu und Vater Wolfgang Thiem trainieren ihn schon. Zu viele Köche verderben den Brei, sagt man.

Blanco: Sie können mir glauben: Es wird keine Unruhe reinkommen. Ich bin mit Nico seit über 20 Jahren befreundet. Auch mit Dominics Vater komme ich bestens aus. Wenn sie mich nicht fragen, mische ich mich auch nicht ein.

STANDARD: Wie lernten Sie Thiem kennen?

Blanco: Ich arbeitete 2018 als Touring-Coach für Günter Bresnik. Die Zeit an seiner Seite war lehrreich. Daraus entwickelte sich ein enger Kontakt zu Dominic, der nie abriss.

Dominic Thiem bestritt auf Mallorca ein Vorbereitungsturnier für Wimbledon. Ausgerechnet auf Rasen, bis dato nicht sein Lieblingsbelag, wollte er wieder zur Topform finden.
Foto: REUTERS/Tony O'Brien

STANDARD: Braucht Thiem intensivere Trainingsphasen als andere?

Blanco: Er ist es gewohnt, viel Zeit zu investieren. Wenn ihm Trainingsstunden fehlen, hat das auch mentale Auswirkungen. Er merkt, dass seine Bälle die Gegner weniger in Bedrängnis bringen als üblich.

STANDARD: Hat es Ihnen Thiems Ex-Manager Herwig Straka übelgenommen, dass nun Sie ihn betreuen?

Blanco: Ganz und gar nicht. Ich schätze Herwig sehr, er ist ein unermüdlicher Arbeiter. In den letzten Monaten arbeiteten wir eng zusammen, um einen Austragungsort für den Daviscup zu finden.

STANDARD: Es gab scharfe Kritik an Kosmos, Sie hätten mit dem neuen Modus den Daviscup kaputtgemacht.

Blanco: Der Daviscup funktionierte nicht mehr. Die besten Spieler der Welt fehlten. Sie hätten sich vier Wochen pro Jahr freihalten müssen, das ist unter dem aktuellen Turnierkalender eine Unmöglichkeit. Ohne eine Änderung wäre der Daviscup ausgestorben. Ein Finalturnier war die beste Idee.

STANDARD: Was muss im Vergleich zur Erstausgabe besser werden?

Blanco: Wir haben den Zuschlag für die Austragung für 25 Jahre erhalten. Von Jahr zu Jahr werden wir uns hinterfragen. Ein Turnier mit drei Standorten, darunter Innsbruck, wird ein Erfolg sein.

STANDARD: Kosmos ist nicht nur im Tennis tätig.

Blanco: Wir sind Eigentümer beim Drittligisten FC Andorra. Außerdem tragen wir den spanischen Supercup in Saudi-Arabien aus. Kosmos hält Übertragungsrechte an La Liga und produziert Dokumentationen, etwa über den FC Barcelona.

STANDARD: Planen Sie auch eine Dokumentation über Thiem?

Blanco: Gute Idee. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. (Lukas Zahrer, 23.6.2021)