Beschädigte Gebäude in Moravská Nová Ves.

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Der Tornado auf einem Video.

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Zerstörungen in Hrušky.

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Von kriegsähnlichen Zuständen sprach die tschechische Regierung.

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Das schwere Unwetter samt Tornado im Südosten Tschechiens hat mindestens fünf Menschen getötet. Das teilten Polizei und Rettungsdienste am Freitag mit. Rund 200 Menschen wurden verletzt, davon mussten knapp 60 stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Der Tornado hatte am Donnerstagabend sieben Dörfer in der Region Südmähren verwüstet. Häuser wurden zerstört, Dächer abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen und Autos umhergeschleudert. Landesweit waren am Freitag noch rund 75.000 Haushalte ohne Elektrizität.

Die Suche nach möglichen Verschütteten dauerte am Freitag an. Hunderte Feuerwehrleute gingen in den zerstörten Gemeinden von Haus zu Haus. Spürhunde halfen bei der Suche. Aus anderen Teilen des Landes machte sich weitere Verstärkung auf den Weg. Die Armee schickte Soldaten mit schwerer Technik.

"Apokalypse" für Tschechien

Ministerpräsident Andrej Babiš nannte die Naturkatastrophe eine "Apokalypse" für Tschechien, wie er sie nie zuvor gesehen habe. Der Tornado habe rund 2.000 Häuser beschädigt, der Schaden belaufe sich auf hunderte Millionen tschechische Kronen. Babiš kündigte an, seine Regierung werde allen Betroffenen möglichst rasch helfen. Man werde auch versuchen, Mittel aus dem EU-Krisenfonds zu lukrieren, wie Kroatien nach einem schweren Erdbeben im Jahr 2020.

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Babiš sagte weiters, er habe bereits mit dem slowakischen Regierungschef Eduard Heger, Ungarns Premier Viktor Orbán und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) über die ausländischen Hilfseinsätze gesprochen, und er bedankte sich bei allen Einsatzkräften und Helfern.

Hilfe war noch in der Nacht mitunter von österreichischer Seite gekommen. Die Notarzthubschrauber Christophorus 2 und 9 brachten je ein schwerverletztes Opfer in Spitäler nach Wien, nachdem sie bei der Bergung eines Buses bei Mikulčice geholfen hatten. Der Tornado hatte das Fahrzeug gut 70 Meter weit von der Straße in ein Feld gefegt. Dort habe es wohl Tote und etliche Schwerverletzte gegeben. Bei den Opfern, die zur medizinischen Versorgung nach Wien geflogen wurden, handelt es sich um einen etwa 50-Jährigen, offenbar den Buschauffeur, sowie um ein 15-jähriges Mädchen. Die beiden waren kurz vor Mitternacht ins AKH beziehungsweise in die Klinik Donaustadt gebracht worden. "Einer der Schwerverletzten ist nach einer Notoperation mittlerweile stabil, um das Leben einer zweiten Patientin wird zur Stunde noch gerungen", sagte Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Gesundheitsverbunds, am Freitag der APA.

Tornado der Klasse drei – möglicherweise auch vier

Die Katastrophe ereignete sich etwa 270 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Prag. Der Tornado war der erste im Land seit 2018. Er erreichte nach Auskunft eines TV-Meteorologen eine Geschwindigkeit von bis zu rund 330 Stundenkilometern. Das wäre der stärkste Wirbelsturm in der jüngeren Geschichte Tschechiens.

Der Tornado sei vorerst als Kategorie F3 klassifiziert, heißt es vonseiten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Dabei handelt es sich nach der Fujita-Skala um Sturmgeschwindigkeiten von 254 bis 332 km/h, die schwere Schäden verursachen können – Dächer und leichte Wände werden abgetragen, Züge entgleisen, Wald wird großteils entwurzelt, Lkws und Pkws werden umgeworfen oder verschoben, Autos können sogar angehoben werden. Nach Einschätzung eines ZAMG-Experten könnte es sich aber sogar um einen Tornado der Stärke F4 gehandelt haben, die Abklärungen liefen noch.

Seltenes Ereignis

Der Tornado hatte nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eine für Europa außergewöhnliche Stärke. "Das sind solche Kräfte, die dort entstehen, dass wirklich Autos hunderte Meter weit durch die Luft fliegen, dass Trümmerteile sich in Betonwände bohren", sagte Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des DWD. Er gehe anhand der Schäden, die er auf den Bildern aus Tschechien gesehen habe, von Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 km/h aus. Das sei "ein Tornado, der in dieser Stärke in Europa bisher nur selten vorkam".

Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. "Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde", sagte ein Augenzeuge der Zeitung "Pravo". "Dann begann die Hölle, alles flog herum." Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer.

Der tschechische Innenminister Jan Hamáček machte sich ein Bild von der Lage. Er sprach von einer "gewaltigen Katastrophe". Babiš wollte das Unglücksgebiet am Nachmittag nach seiner Rückkehr aus Brüssel besuchen. Die Regierung versprach schnelle finanzielle Hilfe für die Betroffenen, von denen viele sprichwörtlich das Dach über dem Kopf verloren haben. Die Region an der Grenze zu Österreich ist als Weinanbaugebiet bekannt und auch bei Touristen beliebt.

Einsturzgefahr

Der stellvertretende Bürgermeister der stark betroffenen Gemeinde Hrusky, Marek Babisz, berichtete, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. "Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster", sagte er der Agentur CTK. Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können. "Hier herrscht großes Chaos, große Panik", sagte ein Augenzeuge in Lužice dem TV. Viele Häuser sollen einsturzgefährdet sein. Die Polizei sperrte die Zufahrtswege zu mehreren Orten, um Schaulustige fernzuhalten.

Nach dem Tornado waren den ganzen Abend noch schwere Sommergewitter durch Südmähren gezogen. Die Notrufleitungen waren überlastet. Rund um die Städte Breclav und Hodonin fielen Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen. Am Schloss Valtice, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, entstand Millionenschaden. An dem Bau aus dem 17. Jahrhundert barsten zahlreiche Fensterscheiben. Die Autobahn D2, die von Brünn (Brno) nach Breclav und weiter in die Slowakei führt, war stundenlang nicht befahrbar. Eine Hochspannungsleitung war auf die Fahrbahn gestürzt.

Unwetter und Millionenschäden auch in Österreich

Auswirkungen waren auch in Niederösterreich zu spüren. Laut dem Landeskommando standen 1.600 Mitglieder von 110 Feuerwehren im Einsatz. Wie "orf.at" berichtet, traf ein Ausläufer der mächtigen Gewitterzelle die Grenzgemeinde Schrattenberg mit über 800 Einwohnern. Dabei wurde rund die Hälfte aller Hausdächer abgedeckt.

Die Hotspots lagen im Wald- und Weinviertel. Hauptsächlich betroffen waren die Bezirke Hollabrunn, Mistelbach, Gmünd, Horn, Zwettl und Waidhofen a. d. Thaya. In einigen Gemeinden werden die Aufräumarbeiten am Freitag fortgesetzt.

Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando Niederösterreich sprach von mehr als 300 Hausdächern, die durch den Hagel zerstört worden seien. Starkregen setzte zahlreiche Objekte unter Wasser, orkanartige Böen entwurzelten dutzende Baume und rissen Telefon- und Stromleitungen zu Boden. In Wildendürnbach (Bezirk Mistelbach) ging gegen 0.30 Uhr durch Blitzschlag eine Scheune in Flammen auf.

Derartiges Unwetter "noch nie erlebt"

Besonders wild ging es in den Bezirken Hollabrunn und Mistelbach zu. "Alteingesessene Bewohner und erfahrene Feuerwehrleute erzählten, dass sie ein derartiges Unwetter noch nie erlebt hätten", schilderte Resperger. Hausdächer seien vom Hagel "regelrecht durchlöchert" worden. Heruntergefallene und kaputte Dachschindeln bereiteten Probleme auf den Straßen. Glashäuser und Fensterscheiben gingen zu Bruch, auch zahlreiche Autos wurden in Mitleidenschaft gezogen. Allein im Bezirk Hollabrunn waren rund 800 Mitglieder von 50 Feuerwehren über mehrere Stunden hinweg gefordert.

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Schwere Hagelunwetter haben zudem Millionenschäden in der heimischen Landwirtschaft verursacht. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, rechnete in den Nachtstunden mit 28 Millionen in den Bundesländern Oberösterreich und Niederösterreich. In der Steiermark gab es Schäden in der Höhe von 600.000 Euro. (red, APA, 25.6.2021)