Österreichische Staatsbürgerschaft nach 25, gar 100 Jahren?

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Mit ihren Chefs und Chefinnen geht die SPÖ zwar oft nicht zartfühlend um, dafür aber hat sie stets ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Daher hat sie jüngst die Staatsbürgerschaftsfrage ganz oben auf ihre Polit-Agenda gesetzt, weil erstens die Türkisen derzeit kaum eine Angriffsfläche bieten und zweitens die Vorgaben des Mondkalenders günstig waren.

Seither ist der Teufel los, und das ganze Land debattiert, wie lange sich die Zuagroasten an der Austrofront bewähren müssen. Fünf Jahre? Sieben? 15? Die oberösterreichische FP-Hoffnung Manfred Haimbuchner hat die SP-Anregung gerne aufgenommen und die Einbürgerungsfrist auf 25 Jahre hochlizitiert, schließlich sei ein österreichischer Pass "ein hohes Gut".

Vielversprechender Anfang

Das ist ein vielversprechender Anfang, aber dass sich Haimbuchner mit 25 Jahren begnügt, ist rätselhaft, ja fast schon unpatrotisch. Ein bloßes Vierteljahrhundert wird etwa kaum ausreichen, um die spirituelle Tiefe des Traunviertels auszuloten.

Nein, hundert Jahre einwandfreies österreichisches Betragen sollten es schon sein, und angesichts der zunehmenden Langlebigkeit wird es sich öfter ausgehen, dass ein im Alter von zwei eingereister Fremdling mit 102 den begehrten Pass bekommt. Unter uns Österreichern gesagt: Das mangelnde germanische Aussehen wird man einem Turkmenen oder Nigerianer natürlich immer anmerken. Aber nach hundert Jahren kann man ja einmal ein Auge zudrücken. (Christoph Winder, 27.6.2021)