Losgelöste Schweizer.

Foto: REUTERS/Daniel Mihailescu

Seferovic mit zwei Goals und Gavranovic brachten die Schweiz ins Elferschießen, da wurde dann final gejubelt.

Foto: REUTERS/Justin Setterfield

Granit Xhaka bisserl happy.

Foto: REUTERS/Marko Djurica

Die Entscheidung des Spiels: Mbappé scheitert an Sommer.

Foto: EPA/Vadim Ghirda

Bukarest – Der Fußball scheint sich entschuldigen zu wollen für all die Super-League-Verirrungen, Uefa-Skandale – und ja, auch für sämtliche 0:0-Gähnfestivals vor leeren Stadien, die Österreichs Bundesligafans ertragen mussten. Nach dem Spektakel zwischen Kroatien und Spanien lieferten auch Frankreich und die Schweiz einen absoluten Klassiker, der mit 3:3 ins Elfmeterschießen ging. Nach neun getroffenen Penaltys parierte Yann Sommer den Elfer von Kylian Mbappé und brachte die Eidgenossen so ins Viertelfinale.

In Bukarest entspann sich ab 22 Uhr Ortszeit eine ausgeglichene Partie, die nach einer Viertelstunde ihren ersten Höhepunkt bekam: Steven Zuber flankte elegant von links, Frankreichs desorientierter Innenverteidiger Clément Lenglet ging gar nicht erst ins Luftduell, und Haris Seferović köpfelte das 1:0 für die Schweiz.

Die ersten Reparaturversuche vergab Kylian Mbappé, er setzte einen Freistoß in die Mauer und den Nachschuss am Tor vorbei (26.). Adrien Rabiots wuchtigen Schuss ereilte dasselbe Schicksal (29.). Aufseiten der Schweizer war insbesondere Embolo mit seinen pfeilschnellen Antritten gefährlich, nach einer Flanke brachte er nicht genug Richtung hinter seinen Kopfball (31.). Auch nachdem ein Flitzer eine Trinkpause verursacht hatte, wurde die Equipe Tricolore nicht zwingender.

Es geht rund

Minute 52: Zuber hat einen Energieanfall, marschiert links durch, macht an der Strafraumgrenze den Haken nach innen und wird vom grätschenden Benjamin Pavard mitgenommen. Nach kurzem Videostudium gibt es Elfmeter. Ricardo Rodriguez schießt nach links, Hugo Lloris hat das geahnt und rettet Frankreichs europameisterliche Ambitionen vorerst.

Minute 57: Mbappé steckt durch, Karim Benzema kontrolliert das Kunstleder genial und überwindet Yann Sommer. Minute 59: Frankreichs schnelles Kombinationsspiel überfordert die taumelnde Schweizer Defensive, Sommer lenkt Antoine Griezmanns Schuss zur zweiten Stange, dort nickt Benzema ein. 2:1 statt 0:2, es waren fünf gute Minuten für die Equipe. Es wurde noch besser. Paul Pogba versenkte die Kugel aus 25 Metern ins Kreuzeck, Fußballfeinschmecker müssen die Schusstechnik als hocherotisch bezeichnen (75.).

Es hätte der Schlusspunkt eines wackeren eidgenössischen Kampfes sein können. Die nimmermüden Kicker der Nati hatten aber etwas dagegen: Kevin Mbabu flankte, Seferović hielt den Kopf hin, Anschlusstreffer (81.). Mario Gavranović jubelte im Anschluss kurz über den vermeintlichen Ausgleich, die Abseitsflagge bremste ihn ein. Das letzte Wort hatte der Schweizer: Pogba schenkte den Ball her, es ging flott nach vorne, Gavranović ließ bei der Ballmitnahme einen Gegenspieler aussteigen und bezwang Lloris (90.) – 3:3. Kingsley Coman traf mit dem Schlusspfiff noch die Latte. Verlängerung.

Müdigkeit

Die 95. Minute: Pavard schießt aus sieben Metern, Sommer reißt die Pranke hoch. Die müden Kämpfer waren angeschlagen, es wurde weniger riskiert. Minute 111: Pogba spielt den perfekten Lochpass auf Mbappé, der bringt den Ball nicht aufs Tor. Der Schweiz fehlte sogar zum Kontern die Kraft, bei Sommer reichte sie für eine Flugparade gegen Girouds Kopfball (119.). Rabiot schenkte den Schweizern mit einem Schubser einen Freistoß aus guter Distanz, Xhaka schoss drüber (121.).

Also Elfmeterschießen, die Schweiz beginnt. Gavranovic trifft, Pogba trifft, Schär trifft, Giroud trifft, Akanji trifft, Thuram trifft, Vargas trifft, Kimpembe trifft, Mehmedi trifft – und Sommer pariert Mbappés Elfmeter! 5:4, die Schweiz darf am Freitag in St. Petersburg gegen Spanien um den Halbfinaleinzug spielen. (Martin Schauhuber, 29.6.2021)

Fußball-EM – Achtelfinale:

Frankreich – Schweiz 3:3 (3:3,0:1) n.V., 4:5 i. E. Bukarest, National Arena, SR Rapallini (ARG).

Tore:
0:1 (15.) Seferovic
1:1 (57.) Benzema
2:1 (59.) Benzema
3:1 (75.) Pogba
3:2 (81.) Seferovic
3:3 (90.) Gavranovic

Elfmeterschießen:

0:1 – Gavranovic trifft
1:1 – Pogba trifft
1:2 – Schär trifft
2:2 – Giroud trifft
2:3 – Akanji trifft
3:3 – Thuram trifft
3:4 – Vargas trifft
4:4 – Kimpembe trifft
4:5 – Mehmedi trifft
4:5 – Mbappe scheitert an Sommer

Frankreich: Lloris – Varane, Lenglet (46. Coman/111. Thuram), Kimpembe – Pavard, Pogba, Kante, Rabiot – Benzema (94. Giroud), Griezmann (88. Sissoko), Mbappe

Schweiz: Sommer – Elvedi, Akanji, Rodriguez (87. Mehmedi) – Widmer (73. Mbabu), Freuler, Shaqiri (73. Gavranovic), Xhaka, Zuber (79. Fassnacht) – Seferovic (97. Schär), Embolo (79. Vargas)

Gelbe Karten: Varane, Coman, Pavard bzw. Elvedi, Rodriguez, Xhaka, Akanji

Die Besten: Pogba, Mbappe, Benzema bzw. Seferovic, Zuber, Xhaka, Sommer

Anm.: Rodriguez scheiterte mit einem Elfmeter (55.) an Frankreich-Tormann Lloris.