Steigende Preise erregen in Österreich vor allem dann die Gemüter, wenn Benzin, Zigaretten, Bier oder das Schnitzel mehr kosten. In den letzten Monaten wurden alle genannten Produkte teils empfindlich teurer. Das Schreckgespenst Inflation sitzt der Bevölkerung im Nacken.

Wer heute in ein Schnitzel beißt, sollte sich weniger darum sorgen, dass die Leibspeise teurer wird, sondern sich vielmehr die Frage stellen, ob sein Erspartes für künftige Wirtshausbesuche gut angelegt ist.
Foto: imago images/Manfred Segerer

Die Ursache liegt auf der Hand: Während mehr oder weniger harter Lockdowns haben die Österreicher in Summe viel gespart. Seit den Öffnungen entlädt sich eine angestaute Nachfrage, die auf tendenziell weniger Lokale mit weniger Personal trifft. Dass die Wirte mit höheren Preisen reagieren, gehört zu einer freien Marktwirtschaft dazu. Im Gegenzug muss die Politik Hilfsmaßnahmen drosseln, sobald sie den Markt nicht mehr massiv durch Corona-Maßnahmen verzerrt. Die spannende Frage lautet, wie es langfristig weitergeht.

Der konkrete Preiseffekt in der Gastronomie dürfte mit der Zeit ebenso nachlassen wie die vielen Nachwehen der Pandemie, die jüngst die Kosten angetrieben haben. Zu nennen sind Engpässe bei Lieferketten, Konjunkturpakete sowie die sogenannten Basiseffekte, dass nämlich einige Preise wie Energie zu Beginn der Pandemie gefallen waren und sich nun erholen.

Der jüngste Inflationsschub sollte als Weckruf dienen, die Frage der Preisentwicklung ernst zu nehmen. Auch wenn die Notenbanker recht behalten sollten, dass die aktuellen Sprünge Einmaleffekte sind, schließt das nicht aus, dass strukturelle Veränderungen die Preise langfristig beeinflussen: Der Klimawandel verursacht Kosten, egal, ob man ihn ignoriert oder bekämpft. Der Aufstieg von Abermillionen Menschen in Schwellenländern in eine konsumfreudige Mittelklasse beeinflusst die Preise auch hierzulande. Eine alternde Bevölkerung wie in Europa und Ostasien verändert das Verhältnis von Konsumenten zu Arbeitskräften. Das treibt die Löhne, aber auch die Preise. Natürlich gibt es bei alledem Unwägbarkeiten, etwa kostensparende Innovationen oder Wirtschaftskrisen.

Als Konsumenten werden die meisten Österreicher vor den schlimmsten Folgen der Inflation geschützt, da Pensionen und Löhne entsprechend mitziehen. Am meisten Schaden nehmen Sparer, die ihr Geld unter der Matratze oder auf dem Konto liegen haben. Wer heute in ein Schnitzel beißt, sollte sich weniger darum sorgen, dass die Leibspeise teurer wird, sondern sich vielmehr die Frage stellen, ob sein Erspartes für künftige Wirtshausbesuche gut angelegt ist. (Leopold Stefan, 30.6.2021)