Die Proteste brachen im März 2020 in mehreren italienischen Gefängnissen aus. Die Gefängniswärter sollen mit unmenschlichen Methoden geantwortet haben.

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Rom – Die italienische Polizei hat 52 Gefängnisbeamte wegen des Verdachts der Misshandlung von Häftlingen festgenommen. Diese sollen vor einem Jahr nach einer Revolte in der Strafanstalt von Santa Maria Capua Vetere in der Nähe von Caserta nördlich von Neapel hunderte Häftlinge stundenlang gefoltert haben, erklärten die Justizbehörden. Der Vorfall ereignete sich im April 2020.

Anklage wegen Folter möglich

Die betroffenen Spezialkräfte der Strafvollzugspolizei werden der Brutalität verdächtigt und könnten auch wegen Folter angeklagt werden, hieß es aus Justizkreisen. Ein Untersuchungsrichter berichtete, dass Gefangene gezwungen worden seien, sich auszuziehen und niederzuknien. Wächter, die Helme trugen, um nicht identifiziert zu werden, seien mit Knüppeln auf sie losgegangen. Die Ermittler sprachen von einem "Massaker", das vier Stunden gedauert haben soll.

Einige Verdächtige sollen einander auch Botschaften via Whatsapp geschickt haben – "Wir werden sie wie Kälber töten" und "Wir werden die Bestien zähmen" war dabei zu lesen. "Sie haben vier Stunden Hölle erlebt", hieß es in einer anderen Nachricht, von der italienische Medien am Mittwoch berichteten. Zu den Verdächtigten zählen auch Ärzte, die fälschlich bescheinigt haben sollen, dass einige Wärter bei den Zusammenstößen verletzt worden seien.

Gewerkschaft kritisiert Verhaftungen

Die Häftlingsrechtsorganisation Antigone forderte nun eine sofortige Aufklärung. Justizministerin Marta Cartabia sagte, sie habe Vertrauen in Italiens Strafvollzugspolizei. Die Gewerkschaften der Gefängnisaufseher, SPP und USPP, nannten die Verhaftungen "unverhältnismäßig" und "unverständlich".

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie war es im März 2020 zu Revolten in mehreren Gefängnissen gekommen. Grund waren die Maßnahmen gegen das Coronavirus. So wurden Besuche von Verwandten ausgesetzt. Außerdem beklagten Insassen schlechte hygienische Zustände in den stark überfüllten Strafanstalten.

Bei den Revolten, die in rund 30 italienischen Gefängnissen ausbrachen, kamen mindestens 13 Insassen ums Leben. Einige Häftlinge plünderten die Krankenabteilungen der Gefängnisse und nahmen Medikamente, vermutlich Methadon, ein. Einige von ihnen starben an einer Überdosis. (APA, 30.6.2021)