London – Der deutsche Nationalspieler Thomas Müller hat großes Bedauern über seinen Fehlschuss beim EM-Aus der DFB-Auswahl im Achtelfinale gegen England gezeigt. "Da war er, dieser eine Moment, der dir am Ende in Erinnerung bleibt, der dich nachts um den Schlaf bringt", schrieb Müller auf Instagram über seine vergebene Großchance (81.) beim Stand von 0:1. Dazu stellte er ein Foto, das ihn unmittelbar danach zeigt, wie er sich auf dem Rasen kniend die Haare rauft.

Das darf nicht wahr sein. Ist es aber.
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Für diese Momente "arbeitest, trainierst und lebst" du als Fußballer, ergänzte Müller. "Dieser Moment, wenn du es alleine in der Hand hast, deine Mannschaft in ein enges K.-o.-Spiel zurückzubringen und eine ganze Fußballnation in Ekstase zu versetzen." Dass er die Möglichkeit ungenutzt gelassen habe, "tut mir verdammt weh", schrieb er: "Es tut mir weh für das ganze DFB-Team, meine Mitspieler und unseren Trainer, die mir allesamt das Vertrauen geschenkt haben, genau dann zur Stelle zu sein."

Zukunft im Team offen

Vor allem schmerze es "wegen all der Deutschland-Fans da draußen, die während dieser EM trotz schwieriger Vorzeichen zu uns gehalten und uns unterstützt haben", so Müller. Bei ihnen bedankte er sich "für eure Unterstützung".

Über seine Zukunft in der Nationalelf schrieb Müller nichts. Der 31-Jährige war vom scheidenden Bundestrainer Joachim Löw nach über zweijähriger Auszeit zurückgeholt worden. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass dessen Nachfolger Hansi Flick mit ihm plant und Müller weitermachen wird.

Löw und Müller haben viel gemeinsam erlebt. Der eine geht, der andere lässt seine Entscheidung offen.
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Kritik von Weltmeister Podolski

Lukas Podolski, Weltmeister von 2014, hat die Nationalmannschaft indes scharf kritisiert. Ihm habe "dieser Ehrgeiz, dieser Wille, dieser Kampfgeist" gefehlt, "das wirkte alles so trostlos. Wenn man die Gesichter der Spieler sieht – da rührt sich nichts", sagte Podolski im Podcast der "Bild". "Da könnte, glaube ich, ein Feuer im Stadion ausbrechen, die würden weiter auf dem Rasen bleiben."

Große Hoffnung, dass Deutschland in Zukunft wieder dominanter auftritt, hat der 130-malige Nationalspieler nicht. "Wir haben ja nicht zehn andere Spieler, die nicht nominiert wurden, aber unbedingt hätten dabei sein sollen", sagte der 36-Jährige. Aber vielleicht könne Flick bewirken, "dass ein Ruck durch die Mannschaft geht".

Löw wollte Podolski aber keine Schuld an der Niederlage gegen England geben. "Man kann einen Trainer nicht nur nach einem Spiel beurteilen", sagte er. Was Löw "für den deutschen Fußball erreicht hat, wird wohl kein anderer nach ihm schaffen". (sid, 30.6.2021)