Im Gastkommentar skizziert der frühere britische Minister und COP26-Präsident Alok Sharma den Weg zu einem ambitionierten Klimaabkommen.

Alok Sharma: Jedes Zehntelgrad macht einen Unterschied.
Foto: AP / Russell Cheyne

Im November werden in Glasgow die Länder dieser Welt zur 26. UN-Klimakonferenz, der COP26, zusammenkommen. Dieser Moment wird entscheidend sein, um die Weltgemeinschaft auf die richtige Spur zu bringen, um der enormen Bedrohung des Klimawandels entgegenzutreten und den Grundstein für eine nachhaltige und grüne Zukunft zu legen.

Arnold Schwarzenegger und seine Klimainitiative bringen beim Austrian World Summit am Donnerstag in Wien Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Mit Blick auf die COP26-Klimakonferenz ein wichtiger Impuls, um uns im Kampf gegen die Klimakrise einen Schritt weiter zu bringen.

Entscheidendes Jahrzehnt

Wir wissen, was zu tun ist, weil wir die Zielsetzungen im Pariser Klimaabkommen bereits 2015 gemeinsam vereinbart haben. Das Abkommen sieht ein Limit des globalen Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad Celsius vor. Damit laut Wissenschaft die schlimmsten Effekte des Klimawandels abgewendet werden können, muss das Limit bei 1,5 Grad Erwärmung liegen.

Jedes Zehntelgrad macht einen Unterschied. Ein Temperaturanstieg von zwei Grad verglichen mit 1,5 Grad würde hunderte Millionen Menschen betreffen. Doppelt so viele Pflanzenarten und dreimal so viele Insektenarten würden große Teile ihres Lebensraums verlieren. Dennoch, seit Bestehen des 1,5-Grad-Limits hat die Welt nicht genug unternommen, und der Planet heizt sich weiter auf.

Die Alpen sind als Ökosystem besonders betroffen. In Österreich war die Durchschnittstemperatur im Jahr 2020 etwa 2,1 Grad höher als noch hundert Jahre zuvor. 15 der 16 wärmsten Jahre innerhalb der letzten 250 Jahre wurden nach dem Jahr 2000 aufgezeichnet. Der Climate Action Tracker besagt, dass die Temperatur bei aktuellen Emissionsreduktionsplänen um etwa 2,4 Grad steigen wird. Das ist ein Fortschritt gegenüber der Prognose vom letzten Jahr, aber der Weg ist noch weit. Um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen wir den globalen Emissionsausstoß bis 2030 halbieren. Wir befinden uns in einem entscheidenen Jahrzehnt.

Vier Ziele

Wir müssen jetzt handeln, um eine konsistente und koordinierte Emissionsreduktion sicherzustellen. Der Wiederaufschwung nach der schwersten Phase der Covid-19-Pandemie kann dabei eine Chance sein, unsere Wirtschaft neu zu denken und eine Zukunft mit grünen Jobs und sauberer Luft zu schaffen, in der Wachstum und Wohlstand möglich ist, ohne dem Planeten zu schaden.

Das ist es, was die COP26 so wichtig macht. Es muss der Moment sein, in dem jedes Land und jeder Teil der Gesellschaft seine Verantwortung wahrnimmt, den Planeten zu schützen.
Dazu haben wir vier Ziele definiert:

Erstens müssen wir die Emissionen schrittweise reduzieren, bis wir gegen Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität erreichen. Dazu braucht es verbindliche, auf wissenschaftlichen Daten beruhende Ziele. Klimaneutralität darf keine vage Hoffnung bleiben, es muss zu einem konkreten und erreichbaren Plan werden. Als designierter COP26-Präsident begrüße ich Österreichs Ankündigung, schon 2040 klimaneutral zu werden, sowie Pläne, die Energieversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Quellen bis 2030 umzustellen. Wenn das umgesetzt wird, wird Österreich seinem Anspruch als Klimavorreiter mehr als gerecht.

Global betrachtet braucht es die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftssektoren mit dem höchsten Emissionsausstoß. COP26 soll das Ende der Kohleenergie einläuten, die Abholzung begrenzen und ein Ablaufdatum für Verbrennungsmotoren definieren. Wir haben bereits Fortschritte gemacht. Beim Treffen der G7-Klima- und -Energieminister gab es einen Beschluss für ein weitestgehendes Ende der Kohleenergie in den 2030er-Jahren.

Zweitens müssen wir Menschen und Natur vor den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels schützen. Es braucht mehr Investitionen in dringend benötigte Hochwasserschutzmaßnahmen und Unwetterwarnsysteme.

Drittens müssen wir die Klimafinanzierung sicherstellen. Industrienationen müssen ihre Verpflichtung zur Zahlung von 100 Milliarden Dollar (84,3 Milliarden Euro) pro Jahr an Länder des Globalen Südens einhalten. Großbritannien versucht mit gutem Beispiel voranzugehen und hat für die Jahre von 2021 bis 2025 11,6 Milliarden Pfund (13,5 Milliarden Euro) bereitgestellt. Es ist wichtig, dass alle ihren Beitrag leisten.

Viertens müssen wir alle zusammen daran arbeiten, diese Ziele zu erreichen. Dazu brauchen wir Einigkeit in Glasgow, nicht nur unter den Regierungen, sondern auch im Verbund mit Wirtschaft und Gesellschaft. Genau dazu leistet der Austrian World Summit einen wichtigen Beitrag.

Die COP26-Konferenz ist unsere letzte Hoffnung, das 1,5-Grad-Limit zu erreichen, es gibt keine zweite Chance. Nutzen wir gemeinsam den Moment. (Alok Sharma, 30.6.2021)