Neue Arbeitsformen stellen Beschäftigte wie Führungskräfte vor neue Herausforderungen.

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Die neue Arbeitswelt mit steigenden Anteilen an Homeoffice und digitaler Zusammenarbeit kann dazu führen, dass Fehlentwicklungen viel länger unbeachtet bleiben. Die Folge können markante Ressourcenverschwendungen und Frustrationen bei den Beschäftigten sein. Das zeigt eine Studie der Technischen Universität (TU) Wien. Die zentrale Erkenntnis lautet daher: Je digitaler der Arbeitsalltag, desto wichtiger ist gute Führung.

Ein Forscherteam um Wolfgang Güttel vom Continuing Education Center der TU Wien hat in einer explorativen Delphi-Studie 20 Personalverantwortliche österreichischer Unternehmen im Rahmen zweier Diskussionspanels befragt und die Ergebnisse analysiert. Der Schwerpunkt lag dabei auf organisatorischen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen.

In den Diskussionen zeigte sich, dass gute Führung zum Schlüsselfaktor wird, wenn hybrides Arbeiten die Regel ist und Arbeit und Freizeit immer mehr miteinander verschwimmen. "New Work" benötige aktive Führungskräfte, die mit den rechtlichen Unsicherheiten, den nach Emanzipation strebenden Beschäftigten und den laufenden technologischen Entwicklungen Schritt halten. Die Führungskräfte müssten auch bei digitaler Distanz Vertrauen schaffen, Mitarbeitende im Team halten und diese zu unterschiedlichen Arbeitszeiten orchestrieren – und eine Zusammenarbeitskultur etablieren.

Gestiegene Anforderungen

Die rechtliche Grundlage für "New Work" wird von den Personalchefs als ausgesprochen schlecht wahrgenommen. Eine Lösung sehen sie in Betriebsvereinbarungen, die fehlende Regelungen ersetzen könnten. Zusätzlich müssen Führungskräfte laut den Studienautoren in ihren Verantwortungsbereichen Grauzonen sinnstiftend definieren und rechtliche Rahmenbedingungen im Umgang mit Daten und IT-Lösungen schaffen.

Auch an die Beschäftigten steigen die Anforderungen, sie müssten fast unternehmerisch über ihre Ressourcen wachen. Zur Unterstützung flexiblen Arbeitens sollten Unternehmen nicht nur die passenden technischen Werkzeuge zur Verfügung stellen, sondern auch für die kulturelle Einbettung des digitalen Wandels sorgen. So bedürfe es etwa klarer Verhaltensregeln im Umgang mit neuen Programmen und der regelmäßigen Möglichkeit zur Weiterqualifizierung.

Mitarbeitende würden in hybriden Arbeitsformen "deutlich mehr strategisches Hintergrundwissen benötigen, um zielorientiert Leistungen zu erbringen", so Güttel. Weil Führungskräfte nicht mehr in der Lage sind, kurzfristig die Arbeitsprozesse feinzusteuern, bleiben Fehlentwicklungen viel länger unbeachtet und können so zu markanten Ressourcenverschwendungen und Frustrationen führen. (APA, 30.6.2021)