Medienmanager Wolfgang Fellner wollte auch die Recherche des STANDARD gerichtlich untersagt wissen.

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Wien – Der Wiener Medienmanager und Mastermind hinter der Mediengruppe "Österreich", Wolfgang Fellner, hat am Montag seine Klage gegen den STANDARD und den recherchierenden Redakteur zurückgezogen. Fellner klagte am Wiener Handelsgericht und beantragte eine einstweilige Verfügung, weil DER STANDARD über einen Gerichtsprozess berichtete, in dem er seine Ex-Mitarbeiterin Raphaela Scharf wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung klagt. Fellner dementiert jegliche Vorwürfe und sieht darin eine "Rache-Aktion". Er begründete seinen Rückzieher so: Die Klage sei zu einem Zeitpunkt eingebracht worden, als die Befürchtung bestand, dass der Name des Klägers genannt wird. Weil später der Name von anderen Medien genannt wurde, sei es derzeit nicht durchsetzbar, die Namensnennung zu verbieten.

Tatsächlich klagte Fellner mithilfe seines Anwalts Georg Zanger nicht nur wegen einer befürchteten Namensnennung: Er wollte auch die Recherche des STANDARD gerichtlich untersagt wissen. So begehrt er unter anderem ein Verbot, ehemalige Mitarbeiterinnen seines Unternehmens zu kontaktieren und über bereits behördlich dokumentierte Vorwürfe der sexuellen Belästigung aus dem Jahr 2016 zu berichten. Auch diese dementiert Fellner, das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

Zu unbestimmt, zu unkonkret

Mitte Mai entschied das Handelsgericht Wien gegen Fellners Begehren nach einer einstweiligen Verfügung. Sein Begehren nach einem Kontaktverbot sei zu unbestimmt, argumentierte das Gericht. Auch sei nicht erkennbar, auf welche Rechtsgrundlage sich Fellner stützte. Für sein Begehren, nicht identifizierend zu berichten, sah das Gericht keine konkrete Begehungsgefahr.

DER STANDARD und der recherchierende Redakteur wurden von der Medienanwältin Maria Windhager vertreten. "Fellner hat versucht, auch untersagen zu lassen, dass Personen in diesem Zusammenhang kontaktiert und befragt werden. Eine solche Zensuraktion habe ich selten erlebt", sagte Windhager.

Mehrere Vorwürfe gegen Fellner

Mehrere Ex-Mitarbeiterinnen erheben derzeit Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Fellner. Neben Raphaela Scharf meldete sich auch Katia Wagner und Angela Alexa: Alle drei sollen von Fellner sexuell belästigt worden sein. Fellner bestreitet jegliche Anschuldigungen.

Alexa sagt, Fellner habe sie während einer Firmenweihnachtsfeier im Jahr 2017 begrapscht und während der Arbeitszeit mehrmals ihr Aussehen kommentiert. Fellner hält diese Vorwürfe für "frei erfunden".

Auch frei erfunden seien laut Fellner die Anschuldigungen Wagners. Sie protokollierte etwa ein Abendessen mit Fellner, in dem er vorgeschlagen habe, ihr Kleid hinten "aufzuzippen", um das Kleidungslabel zu begutachten. Weil Fellner diese Vorwürfe als "frei erfunden" bezeichnete, klagte Wagner wegen übler Nachrede.

Im Fall Scharf wird vor Gericht verhandelt: Scharf klagt Fellner wegen ihrer Entlassung, Fellner klagt Scharf mittlerweile nur noch auf Unterlassung jener Vorwürfe, die ein Fotoshooting im März 2019 betreffen. Im Herbst gehen beide Verfahren in die nächste Runde. (fid, red, 30.6.2021)