Auf diesem Archivbild vom 10. Dezember 2020 hält ein Demonstrant ein Schild mit der Aufforderung, die Unterstützung von Banden zu beenden. Ein Unicef-Bericht besagt, dass die eskalierende Bandengewalt in den ersten zwei Wochen des Juni 2021 tausende Frauen und Kinder in der Hauptstadt vertrieben hat.

Foto: AP / Dieu Nalio Chery

Port-au-Prince – Bei anhaltender Gewalt in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince sind in einer Nacht 15 Menschen getötet worden, darunter ein Journalist und eine Aktivistin. Dabei handelte es sich um Diego Charles vom Radiosender Vision 2000 und um Antoinette Duclaire, die Sprecherin der Oppositionsgruppe Matris Liberasyon, wie Haitis Polizeichef Léon Charles am Mittwoch mitteilte.

Zunächst war demnach am Dienstag der Sprecher der Polizeigewerkschaft SPNH-17, Guerby Geffrard, von einer bewaffneten Gruppe getötet worden. Seine Verbündeten hätten daraufhin im Stadtviertel Delmas 32 geschossen. Es blieb zunächst unklar, ob die Opfer gezielt getötet wurden – diese seien friedliche Bürger gewesen, sagte Charles. Bei den Verbündeten Geffrards handelte es sich vermutlich um Polizisten. Die SPNH-17 befindet sich im Konflikt mit der Führung der Nationalpolizei PNH – dabei kommt es auch immer wieder zu Gewalt.

Ein Drittel von Port-au-Prince von Gewalt betroffen

Nach Angaben der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) ist etwa ein Drittel des Gebietes von Port-au-Prince derzeit von Gewalt betroffen, die von geschätzt 95 bewaffneten Banden ausgeht. Seit Anfang Juni seien die Kämpfe um Kontrolle über Stadtgebiete eskaliert. Es habe zahlreiche Todesfälle sowie auch Vergewaltigungen gegeben, viele Häuser seien geplündert und angezündet worden. Nach Stand vom 22. Juni wurden demnach seit dem 1. Juni mehr als 13.600 Menschen in die Flucht getrieben.

Die Gewalt und damit zusammenhängende Straßensperren lähmen nach Ocha-Angaben zudem die wirtschaftlichen Aktivitäten in dem armen Karibikstaat und führen zu Engpässen in den Versorgungsketten. In Gesundheitszentren in den betroffenen Gegenden könne kaum gearbeitet werden – in einer Zeit, da Haitis ohnehin überstrapaziertes Gesundheitssystem unter einer Zunahme der Coronavirus-Fälle leidet. Eine Notfallklinik der Organisation Ärzte ohne Grenzen wurde vorübergehend geschlossen, nachdem auf sie geschossen worden war. (APA, 1.7.2021)