Der Schauspieler und Comedian Bill Cosby ist wieder auf freiem Fuß.

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Jahre umjubelt, letztlich als scheinheiliger Moralapostel demaskiert und als Vergewaltiger inhaftiert: Der einst schillernde Sitcom-Star und Sympathieträger Bill Cosby hat einen tiefen Fall hinter sich. Seine vergangenen drei Lebensjahre verbrachte der 83-Jährige in einer Haftanstalt in Montgomery County. Am Mittwoch hob das Oberste Gericht von Pennsylvania das 2018 in einem der ersten prominenten #MeToo-Verfahren gesprochene Urteil gegen den mittlerweile fast Blinden wegen Verfahrensfehlern auf.

Die Bestürzung bei vielen Hollywood-Kolleginnen war groß, schließlich hatten sich aus diesem Umkreis im Laufe der Jahre an die 60 Frauen gemeldet, die Cosby Ähnliches vorwarfen. Der Freispruch zeige, "warum sich Leute nicht an die Öffentlichkeit trauen", schrieb die Schauspielerin Padma Lakshmi nach Cosbys Freilassung. Reiche und mächtige Männer würden immer davonkommen.

Wichtiger popkultureller Beitrag

Als im Jahr 2000 die ersten Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs laut wurden, passte das so gar nicht zu dem ungetrübten Image Cosbys, das vor allem geprägt war durch dessen Rolle als sympathisch ironischer Familienvater Dr. Heathcliff "Cliff" Huxtable. Die Cosby Show leistete in den 1980er-Jahren neben TV-Unterhaltung auch einen wichtigen popkulturellen Beitrag gegen rassistische Klischees. Mit dem Aufkommen der Missbrauchsvorwürfe wurde auch eine Ikone der schwarzen Gleichberechtigung vom Sockel gestoßen.

William Henry Cosby Jr., geboren 1937 in Philadelphia, wollte eigentlich zur U.S. Navy. Seine Erfolge als Hobby-Stand-up-Comedian lenkten seinen Lebensweg schnell auf die Bühne. 1965 spielte er seine erste TV-Hauptrolle in der Serie I Spy, die im deutschsprachigen Raum unter dem Titel Tennis-Schläger und Kanonen ausgestrahlt wurde.

Mehr als 50 Jahren dauerte seine vielgestaltige Bilderbuchkarriere. Die Cosby Show (1984–1992), in der Cosby von Beruf Arzt ist, gehört nach wie vor zu den erfolgreichsten Sitcoms der US-TV-Geschichte. Im echten Leben holte der Schulabbrecher seinen Uni-Abschluss nach und promovierte 1976 zum Doktor der Pädagogik.

Cosby blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont. Zwei seiner fünf Kinder starben in jungen Jahren, Sohn Ennis wurde 1997 Opfer eines Raubüberfalls. Mit der Fernsehproduzentin Camille Hanks ist Cosby seit 56 Jahren verheiratet. Sie glaubt fest an seine Unschuld. Dass es zu einer Verurteilung kam, schiebt sie auf die Hautfarbe ihres Mannes. (Manuela Honsig-Erlenburg, 1.7.2021)