Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) und Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, anlässlich einer Pressekonferenz im Rahmen eines Runden Tisches im Bundeskanzleramt nach dem Mord an einer 13-Jährigen in Wien-Donaustadt.

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Die Frau, das rätselhafte Wesen. An ihr kann man Religionen schärfen, den Rechtsstaat nach Belieben bemühen, gesellschaftliche Normen bemühen. Zwischen dem Status eines Verbrechensopfers und dem einer moralisch verkommenen Schlampe liegen manchmal nur die politische Verortung und deren Brauchbarkeit.

Wurde diese zu verortende Frau Opfer einer Gewalttat, so kommt es nun ganz darauf an, wie die Rahmenbedingungen aussehen. Geschah der Übergriff von jemandem mit Macht – und war sie überdies attraktiv und versuchte dies auch nicht zu verbergen –, dann kann sie sich gleich warm anziehen, denn die Reaktionen werden sie in der Verantwortung sehen. Ihr Geldgier unterstellen, sie der Lüge zeihen, des Drangs nach Aufmerksamkeit.

Mit Trauerbekundungen überschlagen

Sogar ein Tatverdächtiger mit weniger Status kann zu der Annahme des zu kurzen Rocks und damit der Provokation führen. Er muss nur einheimisch sein, das ist sehr wichtig. Ist der Übergriffige jedoch ein Vertreter einer Minderheit, etwa einer, die schon mehrmals in der Kriminalstatistik auffiel, auch noch einer, der um Asyl warb: Dann ist der Fall natürlich ein ganz anderer.

Einschlägige Politiker werden sich mit Trauerbekundungen überschlagen. Natürlich erst, wenn die Herkunft des Verdächtigen geklärt ist. Das Problem der Frauen bleibt in beiden Fällen bestehen: Gewalt ist universell. Die Antwort darauf sollte es auch sein. Vorausgesetzt, man will diese einheitliche Antwort geben. (Julya Rabinowich, 4.7.2021)