Betrifft: "Jäger und Gejagte" von Christopher Böck und "Wider die verkürzte Jägersicht" von Kurt Kotrschal.

Die Diskussion über Artenschutz wird sehr eng geführt, sagt ein Leser.
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Jäger und Gejagte? Es gibt auch Genießer und Naturliebhaber

Die Diskussion über Artenschutz wird im Grunde sehr eng geführt. Natürlich sind die viehhaltenden Bauern Betroffene, welche sich nun mit einem zurückgekehrten Problem auseinandersetzen sollten. (...) Beide Seiten benötigen sicher nun Unterstützung (...). Ob das eine Psychotherapie auf der einen Seite oder stark geförderte Hirten und Hütehunde auf der anderen Seite sind, sollte diskutiert werden!

Für mich zeigt sich noch ein anderer Faktor, welcher Beachtung finden sollte: Ich bin Teil der Gesellschaft, Bewohner des österreichischen Staatsgebietes. Ich habe ein Recht auf einen intakten Lebensraum. Seit Jahrzehnten bin ich sehr viel im Wald und auf den Bergen unterwegs, weil ich hier einfach schöne Zeiten verbringen kann. Leider wurde ein großer Teil unserer, also auch meiner, Natur zerstört, und eine Reparatur wird mit allen Mitteln verhindert.

Es ist international bekannt, dass große Beutegreifer in Österreich abgeschossen werden, und deshalb ist es hier für Umweltschutzorganisationen nahezu unmöglich, Tiere aus Nachzuchten zur Auswilderung zu erhalten. Man sollte auch einen Streifzug durch das jagdliche Bermudadreieck Almtal, Offenseetal und Rettenbachtal wagen. Dabei ließe sich anhand der unzähligen Verbotstafeln leicht bemerken, welches Lebewesen als Nächstes aus der "Schießbude Natur" verbannt werden soll!

Auch finden sich in der Diskussion Hinweise auf Kinder, welche in der Finsternis auf dem Schulweg unterwegs sind. (...) Ich habe vor einigen Jahren selbst erlebt, wie ein Traktorfahrer mit hoher Gabel und daran an den Hinterbeinen aufgehängtem Hirsch einige Kilometer durch das Gemeindegebiet von St. Gilgen fuhr. Vorbei an zu dieser Zeit voll besetzten Schulbusstationen. Die Gesichter der Kinder vergisst man nicht mehr, und trotzdem würde ich nicht fordern, alle Problemtraktorfahrer zu bejagen!

Vielleicht können wir wegkommen von der Perspektive, es gäbe nur Jäger und Gejagte. Auch Genießer und Naturliebhaber sind noch präsent und unterwegs!

Rudolf Furlan-Moser, 4802 Ebensee

Gefeierte Rückkehr

Unbeantwortet bleibt die Frage, warum mit derart rigorosen Schutzmaßnahmen die Ausbreitung einer keineswegs gefährdeten Tierart auch in unseren Breiten erzwungen werden soll. Wären Wölfe so positiv wie von Kotrschal dargestellt, warum wurden sie dann vielerorts verdrängt? Die gleichen Fragen blieben auch bei der Wiederansiedlung der Biber unbeantwortet. Offenbar erscheint es der Politik attraktiver, die Rückkehr plakativer Arten zu feiern, als eine langjährig naturwidrige Agrarpolitik zu ändern.

Erich Millbacher, 3541 Senftenberg (7.7.2021)