Scarlett Johansson in einer Szene aus "Black Widow".

Foto: Jay Maidment / Marvel / AP

"Black Widow" hatte wahrlich keinen einfachen Weg an die Kinokassen: Jahrelang hatte sich Marvel dagegen gesträubt, einen eigenen Film mit der prominentesten Superheldin im Marvel Cinematic Universe zu machen. Dann kommt er doch, nur um auf ganz neue Widerstände zu treffen: Die Covid-19-Pandemie sorgte dafür, dass der Titel noch einmal um mehr als ein Jahr verschoben wurde.

Zahlen

Vergangene Woche war es dann aber so weit: "Black Widow" startete nicht nur in den Kinos, sondern parallel dazu auch auf dem Streaming-Dienst Disney+. Dies offenbar mit großem Erfolg: Vom Einspielergebnis her dürfte "Black Widow" nämlich der erste Premium-Superhit auf Disney+ werden, wie "Deadline" berichtet. Allein am ersten Wochenende soll der neueste Eintrag ins Marvel Cinematic Universe demnach weltweit 60 Millionen Dollar via Disney+ eingespielt haben. Zum Vergleich: An den Kinokassen in den USA erzielte der Film 80 Millionen Dollar, in anderen Ländern waren es 78 Millionen Dollar.

Bei Marvel und Disney dürfte man über diese Entwicklung hocherfreut sein, zeigt dies doch, dass das Konzept des "Premium-Zugangs" zu neuen Filmen auf dem Streaming-Dienst aufgeht. In dem Fall ist das eine durchaus überraschende Erkenntnis, immerhin ist das Vergnügen ein ziemlich kostspieliges. Neben dem normalen Abopreis müssen aktuell für "Black Widow" nämlich noch 21,99 Euro gezahlt werden, um den Film von der eigenen Couch aus sehen zu können.

Piraterie

Diese preislichen Relationen zeigen aber auch etwas anderes: nämlich dass Raubkopien offenbar einen begrenzten Einfluss auf den Erfolg solcher Services haben. Immerhin ist der Film durch die Streaming-Veröffentlichung praktisch parallel dazu auch via Tauschbörsen erhältlich gewesen – das noch dazu in hervorragender Qualität bis zu 4K. Dieser Umstand dürfte also nicht zuletzt neuen Wind in die Debatte bringen, ob Filmpiraterie nicht doch ein Ergebnis fehlender brauchbarer Angebote ist – und dass die Nutzer auch bereit sind, viel zu zahlen, wenn sie überhaupt die Möglichkeit dazu haben.

Ausblick

Trotzdem bleibt abzuwarten, ob Disney diesen "Premium-Zugang" aufrechterhalten wird. So hat man bereits angekündigt, dass andere kommende Filme wieder exklusiv im Kino ihre Premiere geben sollen. Darunter auch der nächste Marvel-Film "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings" sowie "Free Guy" mit Ryan Reynolds als Videospielcharakter, die beide noch im Sommer veröffentlicht werden sollen. Und auch bei der Konkurrenz scheint man Online-Premieren für keine dauerhafte Strategie zu halten. Warner Bros will künftig seine neuen Filme wieder zuerst ins Kino bringen, nachdem im vergangenen Jahr einige Titel parallel auf HBO Max gestartet sind. (apo, 12.7.2021)