2014 trat Denzel Washington zum ersten Mal an, um als "The Equalizer" für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen. Als ehemaliger "Defense Intelligence Agency"-Agent Robert McCall schoss er sich als einfacher Angestellter aus einem Bostoner Baumarkt den Weg frei und rettete so eine junge Frau vor gewalttätigen russischen Zuhältern. Der Film wurde an den Kinokassen ein Erfolg, eine Fortsetzung 2018 mit ähnlicher Rezeptur ebenso.

Für eine Serie neuen Zuschnitts bringen elf Folgen von "The Equalizer" – derzeit auf Sky – somit beste Voraussetzungen mit. Schon seit längerem dreht sich im Streaming- und TV-Geschäft vieles um die Wiederverwertung von bereits bekannten und erfolgreichen Vorgängern. Die Nachfrage nach frischem Content ist anhaltend hoch, die Chancen auf schnellen Erfolg steigen mit Ware, die schon einmal gewinnbringend funktioniert hat.

Queen Latifah.
Foto: AP / Barbara Nitke / 2020 CBS Broadcasting Inc.

Im Jahr 2021 kommt noch eine weitere Komponente dazu, nämlich jene recht vife Idee von der Neuinterpretation durch die alternative Besetzung von Hauptfiguren. Das kann zum einen unter dem Wokeness-Aspekt passieren, wie etwa in "Bridgerton" oder zuletzt bei der britischen Serie "Anne Boleyn". Bei beiden wurden Rollen mit Schauspielern besetzt, die in ihren Erscheinungswelten – sei es in der realen Geschichte oder in einer literarischen Vorlage – eine andere Hautfarbe haben. Zum anderen lassen sich Umschreibungen auch unter feministischem Aspekt denken: bei von Männern geschriebener Geschichte weibliche Aspekte mitzudenken – so gesehen etwa bei Josie Rourkes "Mary, Queen of Scotland" oder Giorgos Lanthimos "The Favourite".

Schlagkräftig, jederzeit schussbereit

In eine ähnliche, wenngleich deutlicher auf kommerziellen Erfolg ausgerichtete Kerbe schlägt die Serie "The Equalizer", seit kurzem auf Sky. CBS rollt den actiongetriebenen Stoff neu auf und besetzt die Titelrolle mit einer Frau, und das nicht mit irgendeiner: Queen Latifah schlüpft in die Figur der schlagkräftigen und jederzeit schussbereiten Robyn McCall.

Wie Robert 2014 und 2018 hat auch Robyn eine bewegte Vergangenheit und will fortan ein unauffälliges Leben führen, allein die Umstände sind dagegen. Die Ungerechtigkeit in ihrer Stadt New York ist groß, weshalb sie ihre hervorragenden Fähigkeiten einsetzt, um denen zu helfen, die sonst niemanden haben. Zum Beispiel Jewel, die in der ersten Folge in einen mörderischen Komplott gerät, in dem das gesamte Repertoire des Krimiactiongenres in 45 Minuten verpackt werden. Peng peng!

Foto: 2021 Universal Television Llc and CBS Studios Inc.

Die Serie wurde entwickelt von Andrew W. Marlowe, Terri Edda Miller und läuft auf CBS. Tragischer Hintergrund: Executive Producer Richard Lindheim starb im Jänner 2021 während der Arbeit an der Serie an Herzversagen. Eine zweite Staffel wurde bereits bestellt.

Pro Folge ein Fall, hohes Tempo und supereffiziente Wiedergutmachungstaten: Wäre nicht der Geschlechtertausch, "The Equalizer" würde wie eine ganz altmodische Fernsehserie aus der Zeit von "Perry Mason" wirken. Das scheint zunächst legitim, denn die Figur "The Equalizer" ist in Wahrheit noch älter als der Film.

TV Promos

Das Original war eine Action-Krimiserie aus den 1980er-Jahren. Edward Woodward setzte sich von 1985 bis 1989 in vier Staffeln für die Schwachen ein, und wie eine Copserie aus den 1980er-Jahren wirkt auch die Wiederauflage im klassischen Freund-Feind-Schema, inklusive die Erzählungskette zusammenhaltender Verbindungsglieder: Geistesblitze, die den Fall weitertreiben, brenzlige Situationen, die rasches Eingreifen erfordern, besonders brenzlige Situationen, die zur Wende führen, und die ganz besonders brenzlige Situation am Ende jeder Folge, dazu Figuren, die kaum eine Entwicklung geschweige denn Geschichte benötigen: der Computerfreak, der geheimnisvolle Auftraggeber, die vertraute Person, die für ordentliche Bewaffnung sorgt, unglaublich finstere Bösewichte. Und natürlich: Fallen, Verhöre, Schlägereien, Verfolgungsjagden, Foltermethoden. Eine wird gewinnen.

"The Equalizer" bleibt in diesen sehr geregelten Bahnen und huldigt dem Star: Queen Latifah beim Motorradfahren, am Boxsack, am Schießeisen, als besorgte Mutter, als aufrichtige Freundin, als Schöne der Nacht und in Aufsehen erregenden Verkleidungen. Nur: ein Star und die alleinige Umdrehung der Geschlechterverhältnisse macht aus einer abgedroschenen Story keine gute Serie. Zudem ist Queen Latifah, man muss es leider sagen, eine nicht unbedingt hochbegabte Schauspielerin. Gerechtigkeit, ja, aber bitte dann so abwechslungsreich wie in "Lupin". (Doris Priesching, 13.7.2021)