Der sich automatisch wiederauffüllende Kühlschrank: Kaum ein Artikel zu Wohnbautrends und dem Interieur der Zukunft kam zuletzt ohne ihn aus. Und ja, in der einen oder anderen Form werden Haushaltsgeräte tatsächlich mehr mit den Smartphones ihrer Besitzerinnen kommunizieren und besonders lukrative Angebote, Lieblingsprodukte und etwaige Reparaturen vorschlagen. Hinzu gesellt sich womöglich die Toilette, die laufend Urin- und Stuhlproben nimmt und Nutzer so früh vor etwaigen Infektionen oder Erkrankungen warnt – oder auch eine Schwangerschaft erkennt.

Das stille Örtchen wird klüger.
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Viel entscheidender als das ein oder andere Gimmick werden aber Fragen der Energiewirtschaft und Gebäudeklimatisierung werden. Denn wenn es in den Städten heiß wird, werden die eigenen vier Wände zusehends zum kühlen Rückzugsort. Damit keine Armada an stromfressenden Klimaanlagen nötig ist, die Hitze einfach weiter umverteilen und die Straßen zusätzlich aufheizen, werden energieeffizientere Baustoffe für Gebäude in Passivhausqualität notwendig. Für den Umweltsünder Beton braucht es dabei Alternativen.

Neben natürlicheren Varianten wie Hanf-Kalk-Gemischen oder Holzbauten testet die Industrie derzeit auch synthetischen Kalk aus abgeschiedenem CO2 aus der Luft. Für ein angenehmeres Raumklima könnten neben sich automatisch abdunkelnden Fenstern – angepasst an den Biorhythmus auf der Smartwatch – und ausgeklügelten Systemen von Naturzuglüftung auch begrünte Innenwände sorgen. Diese werden effizient mit Grauwasser aus Dusche, Spüle oder Waschmaschine gegossen. Auch die Dächer sollen grün werden und die Temperatur innen konstant halten. Solarpaneele sollten künftig direkt und unsichtbar in Fenstergläser integriert werden.

Die Drohne am Dach aber keine Garage

Technikenthusiasten denken beim Dach an Mobilität. Weniger für Lufttaxis als für Lieferdrohnen, die dort kleine bis mittelgroße Pakete abliefern könnten. Die Garage könnte indes drastisch in ihrer Größe reduziert werden oder gar wegfallen, weil der Trend zum geteilten Auto zunehmen dürfte und die autonome Blechkutsche von zentralen Parkräumen anrollt.

26,8 % aller Wohnungen und Häuser in Europa werden bis 2025 zu Smart Homes aufgerüstet.

Auch wenn sich immer mehr Technik in den eigenen vier Wänden befindet, werden durch die zentrale Kontrolle am Smartphone insgesamt weniger technische Geräte und Fernbedienungen in den Wohnungen herumstehen. Das ist gut, weil sich die Wohnfläche laut Experten reduzieren dürfte. Start-ups wie Bumblebee Spaces konzentrieren sich deshalb heute schon auf die optimale Nutzung der Wohnfläche. Bett und Kleiderkasten verschwinden dafür gern einmal in der Decke. Die App schlägt saisonal passende und beliebte Klamotten vor und lässt diese per Seilzug herunterfahren.

Für jene, die pandemiebedingt das Homeoffice lieben lernten, werden schallschutzdichte Räume zum Must-have der modernen Wohnung von morgen. (faso, 13.7.2021)