Die Trading-App Robinhood geht an die Nasdaq und wird dort unter dem Kürzel "Hood" notieren. Die Erwartungen hinsichtlich des IPO sind groß.

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Die Trading-App Robinhood wurde im Frühjahr mit einem Schlag bekannt. Damals haben sich Anleger über Reddit zum Ankauf von Gamestop-Aktien verabredet und ihre Deals über Robinhood abgewickelt. Mit der Aktion wurde der Börsenkurs des US-Spieleverkäufers so weit nach oben getrieben, dass Hedgefonds, die auf fallende Kurse gewettet hatten, in die Knie gingen.

Nun will Robinhood selbst an die Börse. Das IPO wird mit Spannung erwartet. "Der App-Anbieter hat ein gigantisches Wachstum gezeigt, hat aber ein hohes Prozessrisiko", erklärt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Unicredit Bank Austria und Börsenexpertin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft.

18 Millionen Nutzer

Per Ende März verbuchte Robinhood 18 Millionen Nutzer (dotierte Konten, auf die Geld einbezahlt wurde) – das ist auf Jahressicht ein Plus von 151 Prozent. Das Unternehmen fasste jedoch Anfang Juli bei einem Vergleich mit der US-Wertpapieraufsicht Finra eine Strafe von 70 Millionen Dollar aus. Dem Neobroker wurden Irreführung von Kunden, zu lasche Kontrollen bei riskanten Börsenwetten und technische Pannen zur Last gelegt. Die Sanktionen stellen die größte jemals von der Finra angeordnete Geldstrafe dar und spiegeln den Umfang und die Schwere der Verstöße wider, teilte die Aufsichtsbehörde mit. Robinhood hatte den Handel mit Game-stop-Aktien kurzfristig unterbunden, als die Turbulenzen um den Spieleverkäufer immer größer wurden. Das war ein veritabler Eingriff in das Geschehen und hat viele Kunden handlungsunfähig gemacht.

Auf seine Kunden hofft der App-Anbieter jedenfalls auch beim Gang an die US-Technologiebörse Nasdaq. "Bis zu 35 Prozent der Aktien sollen an die eigenen Kunden gehen", erklärt Rosen-Philipp. Am Markt gehe man davon aus, dass diese die Papiere auch abnehmen.

Bleiben für den Börsengang also noch die wichtigen Themen der Geschäftsentwicklung und Risiken. Aus dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Börsenprospekt geht hervor, dass Robinhood im ersten Quartal trotz Erlösen von mehr als 522 Millionen Dollar einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar eingefahren hat. Der Broker hat damit fast dreimal so viel Verlust geschrieben, wie er umgesetzt hat. Das gilt selbst für ein Start-up als hohes Verhältnis.

Gewinn und Verlust

Im Vorjahr verbuchte Robinhood einen Gewinn in der Höhe von 7,5 Millionen US-Dollar. Das war eine deutliche Verbesserung zum Verlust von 106,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2019. Ob sich für das laufende Geschäftsjahr ein Gewinn ausgeht, ist unklar. Denn Robinhood musste im letzten Quartal eine Abschreibung von 1,5 Milliarden US-Dollar auf Wandelanleihen und Optionsscheinverbindlichkeiten vornehmen. Der Broker musste diese Anleihen verkaufen, um drei Milliarden Dollar aufzubringen, weil die Gamestop-Zockerei letztlich auch die App in die Bredouille brachte. Robinhood musste nämlich seine Sicherheiten beim Clearingabwickler erhöhen, um alle Transaktionen abzudecken.

Dass so viele Kunden via Robinhood Aktien traden, dürfte auch mit der Pandemie zu tun haben. Es wurden immer dann neue Konten eröffnet, wenn die US-Regierung ihre Konjunkturschecks verschickt hat. Wegen der Corona-Maßnahmen sind viele Bereiche weggebrochen – etwa Sportveranstaltungen samt Wettangebot. Die Frage wird sein, wie viele Kunden dem Aktienmarkt treu bleiben, wenn andere Möglichkeiten wieder erstarken.

Ebenso wird sich zeigen, wie sich Kleinanleger und Investoren verhalten, wenn sich das Marktumfeld dreht und der Wind an den Börsen rauer wird. Hier liegt ein großes Risiko für den Broker. "Robinhood zeigt einen kometenhaften Aufstieg mit Brandgefahr", fasst Rosen-Philipp die derzeitige Lage zusammen. (Bettina Pfluger, 14.7.2021)