Das Euro-Symbol wurde am Mittwoch auf das EZB-Gebäude im Rahmen des "Luminale"-Events in Frankfurt projiziert.

Foto: Kai Pfaffenbach

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine wichtige Weiche für die mögliche Einführung eines digitalen Euro gestellt. Die Währungshüter beschlossen, das Projekt einer digitalen Version der Gemeinschaftswährung zu starten, wie die Zentralbank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Diese Untersuchungsphase soll nun 24 Monate dauern. Dabei sollen zunächst Kernfragen wie die Ausgestaltung und die Verteilung eines digitalen Euro geklärt werden.

Bisher hatte es dazu lediglich Vorarbeiten gegeben. Die Untersuchungsphase werde die Entscheidung zur Einführung eines digitalen Euro nicht vorwegnehmen, erklärte die EZB. Diese werde später gefällt.

"Vorarbeiten geleistet"

Ein digitaler Euro müsse den Bedürfnissen der Europäer gerecht werden, erklärten die Währungshüter. Gleichzeitig müssten aber auch illegale Aktivitäten sowie negative Auswirkungen auf die Finanzstabilität und die Geldpolitik ausgeschlossen werden. Die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken hätten bereits neun Monate lang wichtige Vorarbeiten geleistet. Es seien weitere Analysen vorgenommen und Vorschläge von Bürgern und Experten eingeholt worden, und es habe einige Experimente mit ermutigenden Ergebnissen gegeben, sagte Notenbankchefin Christine Lagarde.

Laut EZB-Direktor Fabio Panetta will die Notenbank nach Ablauf der zweijährigen Untersuchungsphase bereit sein, mit der konkreten Entwicklung eines digitalen Euro zu beginnen. "Dies könnte rund drei Jahre dauern", schrieb er in einem Blog-Beitrag. Damit dürften noch etwa fünf Jahre verstreichen, bis ein digitaler Euro eingeführt werden könnte. "In jedem Fall würde ein digitaler Euro das Bargeld nur ergänzen und nicht ersetzen."

Probeläufe in China mit Yuan

Derzeit loten etwa 90 Prozent aller Notenbanken weltweit aus, ob sie digitale Versionen ihrer Währungen ausgeben sollen. Bisher hat aber noch keines der großen Länder eine eigene Digitalwährung eingeführt. Am weitesten vorangeschritten ist derzeit China. Dort wurden bereits Probeläufe mit einem digitalen Yuan in Millionenmetropolen wie Shanghai oder Shenzhen gestartet. Die Nase vorn haben kleinere Länder: Der Inselstaat Bahamas war 2020 das erste Land, das mit dem "Sand Dollar" eine Digitalversion seiner Landeswährung eingeführt hat.

Die deutschen Banken äußerten sich positiv. "Wir begrüßen nachdrücklich die Entscheidung der EZB, die Arbeiten an einem digitalen Euro jetzt voranzutreiben", erklärte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB (Bundesverband deutscher Banken). "Europa darf beim digitalen Geld nicht den Anschluss an die USA oder China verlieren." Den Banken, als Mittler zwischen Zentralbank und Kunde, müsse auch in diesem System eine zentrale Rolle zukommen. "Gerade Deutschland mit einer starken Industrie 4.0 hat ein großes Interesse am Erfolg dieses Projekts." (APA, 14.7.2021)