Wien – Wer ihn kennt, hat ziemlich sicher eine klare Meinung über ihn. Martin Ho polarisiert wie kein anderer in der Wiener Gastronomie. Das ist ihm bewusst. Dementsprechend versteht er es, sich – der schrillen Einrichtung seiner Lokale entsprechend – zu inszenieren. Die Attribute, die ihm nachgesagt werden, decken ein breites Spektrum ab. Das reicht vom arroganten Turbokapitalisten bis zum fleißigen Star-Unternehmer. Mit der Dots Group hat er sich im Alter von 35 Jahren bereits ein kleines Imperium aufgebaut. Wer steckt wirklich hinter dem Geschäftsmann, der einerseits mit zugespitzten Aussagen in die Schlagzeilen kommt und andererseits seine Ruhe will und von einem Baumhaus träumt?

Martin Ho spricht mit den Händen. Fühlt er sich in einem Thema wohl, drückt er sich langsam aus und faltet die Hände oft zusammen. Wühlt es ihn auf, neigt er zu Wortwiederholungen, und die Hände wirbeln herum. Das Idiom einer jüngeren Wiener Generation hört man deutlich. Zwar wurde Ho in Vietnam geboren, kam aber mit zwei Jahren nach Österreich und wuchs hier auf.

Kein Fan von Schule

Von Schule und Studium hielt er nie viel, deswegen gründete er mit 19 Jahren nach der Matura an der privaten Vienna Business School sein erstes Sushi-Lokal. Im Dots Experimental Sushi setzte er auf eigenwillige Sushi-Kreationen und extravagante Einrichtung. Protzig, schrill, modern. Sein Dots war anders. Geld für die ersten unternehmerischen Gehversuche bekam er eigenen Angaben zufolge von seinen Eltern, sie unterstützen ihn mit Erspartem, um einen Kredit bei der Bank zu bekommen. Zuvor hatten seine Eltern einen kleinen Shop für Kinderwägen und Fahrräder in Wien betrieben. Zum Zeitpunkt der Dots-Gründung habe es dieses Geschäft allerdings nicht mehr gegeben.

Martin Hos Betriebe in Wien. Dazu kommen unter anderem noch ein Boutiquehotel in der Wachau und ein Onlineshop.
Foto: Der Standard

Mittlerweile umfasst die Dots Gruppe acht Gesellschaften und 13 Betriebe. (Liste siehe unten) Dazu zählen unter anderem ein Boutiquehotel in der Wachau, Pratersauna und VIEiPEE zwei Nachtclubs , sechs Restaurants, ein Multikonzeptprojekt mit einer Galerie, je eine eigene Vodka- und Gin-Linie, ein Onlineshop und ein Konzeptstore für Luxusuhren. Die Extravaganz seiner Projekte unterstreicht er durch ausgefallene Einrichtung und Kunst-Mobiliar. Er handelt auch mit Luxusuhren, am Standort Seilerstätte hat er dafür einen Salon eingerichtet, indem er "independent brands" zeigt, also Modelle kleiner exklusiver Schweizer Manufakturen.

Mit der Zeit entwickelte er sich nebenher zum Kunstsammler und Galeristen. Rund 300 Mitarbeiter beschäftigt Ho, der Umsatz belief sich vor der Krise auf rund 15 Millionen Euro. Dass seine Betriebe Arbeitsplätze schaffen, wiederholt er fast gebetsmühlenartig.

Schönheitsfehler twentyone

Einen Schönheitsfehler hat die Geschichte aber mit dem Dots twentyone. Es war im 21er-Haus, einem der Belvedere-Standorte, beheimatet, schloss im Jahr 2016 nach vier Jahren aber wieder seine Pforten.

Ohne aufwendige Inszenierung geht nichts.
Foto: MATOJOHANNIK

Ho gilt als knallharter Geschäftsman: Nur die beste Leistung zählt. Immer abliefern, das fordert er von sich und anderen. Eine Stunde in der Sonne zu liegen sei Zeitverschwendung, das ärgere ihn, wie er einst dem STANDARD erzählte. Auch Prahlereien liegen ihm nicht fern. So postete Ho vergangenes Jahr die Rechnung eines Kunden über fast 6.000 Euro und bedankte sich für ein "great dinner". Nach Möglichkeit besucht er jeden Betrieb einmal täglich. Auf seiner Website listet er Promis auf, die bereits bei ihm speisten. Dazu zählen Eva Longoria, Sharon Stone, Lenny Kravitz, Justin Bieber oder NBA-Star Tony Parker.

Harte Schale, ruhiger Kern

Hinter der pompösen Fassade verbirgt sich eine andere Seite, hört man aus seinem Bekanntenkreis. Er sei ein eher introvertierter Mensch und im Umgang mit seiner Familie sehr herzlich. Seine Gattin Ivana kümmert sich um das vietnamesische Lokal Ivys Pho House. Mit ihr hat er zwei kleine Töchter, Ivy-Kim (3) und Yves (1). Nanny beschäftigen die beiden dem ehemaligen Model zufolge keine.

"Die Liebe der Menschen sucht Martin nicht", sagt eine Bekannte, "Seine Frau und Kinder sind ihm heilig, ebenso die Betriebe, der Rest ist ihm nicht so wichtig." Als netter und hilfsbereiter Kerl wird er beschrieben. Seit Jahren träumt Martin Ho bereits davon, sich im Norden Vietnams ein Baumhaus zu bauen. Daraus möchte er auch keinen Gewinn schlagen, das sei nur für ihn. Dazu gekommen ist er noch nicht, aber er meint: "Der Covid-Albtraum scheint sich seinem Ende zu nähern. Man kann wieder von Baumhäusern träumen." Auch wenn er wenig Zeit hat, spielt er gerne Golf, mag Städtetrips und legt viel Wert auf Weiterbildung.

Fühlt sich Martin Ho bei einem Thema wohl, legt er die Finger aneinander. Wühlt es ihn auf, gestikuliert er stark.
Foto: Picturedesk/ Jeff Mangione

Glanz und Glamour kostet

Ho-Lokale werden am laufenden Band eröffnet. Da kann es schon sein, dass nicht jedes läuft. Zu den Hauptessenszeiten sind die Restaurants immer wieder nur mäßig besucht. Dafür florieren seine Clubs. Martin Ho ist eine Marke. Wer in der Lifestyle-Welt der Glitzersternchen etwas auf sich hält, geht zu Ho. Und zwar, um gesehen zu werden. Dafür sind die Gäste auch gerne bereit, etwas auszulegen. In kurzen Abständen wechseln die teuren Flaschen in den Clubs den Besitzer.

Zumindest nach außen lebt Ho diesen prunkvollen Lebensstil auch, er will sich als schillernde Kultfigur positionieren. Die Basis für eine solche Inszenierung legten seine Eltern. Eigentlich hießt ihr Sohn Anh Tuan, so steht er auch im Firmenbuch, doch mit der Ankunft in Österreich war dieser Name vergessen und Martin "geboren".

Einrichtung bei Martin Ho muss schrill und pompös sein.
Foto: Dots

Drogen

Dass Ho polarisiert, stört ihn nicht, wie er in einem Interview mit News meinte. Stören muss ihn aber die Negativ-Publicity in puncto Drogen. Seit Jahren wird in der Szene gemunkelt, dass in manchen Betrieben gedealt werde. Das hieß es besonders über seinen Memberclub X, für den vor Jahren 500 Schlüssel an spezielle Personen ausgeteilt wurden.

Die Onlineplattform Zoom Institute erhob schwere Vorwürfe gegen ihn, die sich aber nicht erhärteten. Vergangenen Mai jedoch stellten Drogenfahnder bei einer Razzia in seinem Dots Brunnerhof in Döbling zahlreiche illegale Substanzen sicher. Dort fand eine private Party statt, obwohl das Lokal wegen Corona hätte geschlossen sein müssen. Der Hausherr hat seinem Anwalt zufolge nichts von der Sause gewusst. Man kann dem Workaholic nicht unterstellen, im Bild gewesen zu sein, doch eine etwas schiefe Optik bleibt.

Pandemie und Bundeskanzler

Die Pandemie hat die Gruppe eigenen Angaben zufolge verhältnismäßig gut überstanden. Vom Staat gab es Zuschüsse von 1,1 Millionen Euro. Die Aufregung während der Pandemie in den sozialen Medien war von Beginn an groß, da darf auch Martin Ho nicht fehlen. Ihm wurde wegen seiner bekannten Freundschaft zu Bundeskanzler Sebastian Kurz wiederholt Insiderwissen vorgeworfen. Ho verkündete seine Lokalschließungen meist kurz vor offiziellen Lockdown-Bekanntgaben. Das brachte ihm den Spitznamen "Ho-Rakel" ein. Absprachen wurden dementiert.

Im kürzlich eröffneten "Kleines Haus der Kunst" konzentriert sich Ho auf die Kulinarik, die Kunst übernimmt der bekannte Galerist Johann König.
Foto: Heribert Corn

"Die beiden sind Freunde, aber keine besonders engen. Wenn einer Probleme hat, würde er nicht den anderen anrufen", sagt eine Person, die beide gut kennt, aber namentlich nicht genannt werden möchte. Martin habe ein Gespür für die Lockdowns entwickelt und das Medienklavier gut gespielt. Es habe schlussendlich gutes Marketing für seine Betriebe rausgeschaut.

Kulturelle Luft nach oben

Luft nach oben hat sein Engagement noch in Sachen Kunst. Seit 2011 betreibt er eine Galerie, richtig durchgesetzt hat er sich jedoch nie. Im kürzlich eröffneten Kleinen Haus der Kunst gegenüber der Secession überlässt er das Programm ab Herbst der Branchengröße Johann König aus Berlin, er konzentriert sich auf die Kulinarik. Der STANDARD hat berichtet. Jedenfalls hat er ein Gewerbe namens "Handel mit Kunst und Antiquitäten" angemeldet. Das heißt, Ho muss bei Einkäufen in Europa keine Umsatzsteuer zahlen. Mit dieser Ersparnis kann er dann vielleicht ein weiteres Lokal eröffnen. (Andreas Danzer, 18.7.2021)