In Krško steht ein Atomkraftwerk. Bald soll es dort ein zweites geben.

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Ljubljana – Slowenien hat den ersten Meilenstein für ein neues Atomkraftwerk gesetzt. Das Infrastrukturministerium hat am Montag eine Energiegenehmigung für den zweiten Reaktorblock in Krško erteilt. "Das ist noch keine endgültige Entscheidung für die Investition", betonte der slowenische Infrastrukturminister Jernej Vrtovec. Die Energiegenehmigung sei nur der erste Schritt, der den Weg für den Start aller erforderlichen Verfahren und Dokumentationsvorbereitungen freigebe.

Mit der erteilten Energiegenehmigung wird laut dem Minister auch eine breite öffentliche Diskussion in Gang gesetzt, nicht nur auf Expertenebene, sondern auch unter den Bürgern. Man wolle einen "möglichst breiten gesellschaftlichen Konsens" über die weitere Nutzung der Atomenergie erreichen, so der Minister bei einer Pressekonferenz in Ljubljana.

"Modernste Technologie" geplant

Auf der Grundlage der Energiegenehmigung wird der Investor, das Staatsunternehmen Gen Energija, die nötigen Genehmigungsverfahren einleiten können. In diesem Rahmen werden unter anderem die raumplanerischen, umweltbezogenen, technischen und ökonomischen Kriterien geprüft. Erst nachdem ein gesellschaftlicher Konsens erreicht wird, werden laut dem Minister die Verfahren wie die Standortfestlegung, die Einholung der Baugenehmigung, die Investitionsentscheidung, die Auswahl des Technologielieferanten und der eigentliche Bau beginnen.

Geplant ist eine Anlage mit modernem Druckwasserreaktor mit einer Leistung von 1.100 MW, die jährlich fast 9.000 Gigawattstunden Strom erzeugen soll. Die Lebensdauer soll 60 Jahre betragen. "Es handelt sich um die modernste Technologie für ein Kernkraftwerk der dritten Generation, das eine bestmögliche Sicherheit garantiert", sagte der Minister und betonte, dass man die bestmögliche Technologie anstrebe, die es derzeit auf dem Markt gebe. Das Ziel sei, "die besten, aber auch bewährte Technologien" einzusetzen, betonte auch der Direktor von Gen Energija, Martin Novšak.

Der konkrete Standort in der Gemeinde Krško, wo bereits das bestehende AKW steht, die Höhe der Investition, der konkrete Zeitplan oder die bevorzugte Technologie stehen aber noch nicht fest. Der Investor rechnet nach dem optimistischen Szenario damit, die Verfahren innerhalb von fünf Jahren zu beenden, der Bau selbst sollte weitere fünf Jahre dauern, sagte Novšak.

"Diese Entscheidung wird signifikante Auswirkungen auf den Wohlstand und die Umwelt künftiger Generationen haben", sagte Vrtovec.

Kritik aus Österreich

Hinsichtlich des Widerstandes aus Österreich, wo man sich bereits der Langzeitverlängerung der bestehenden Anlage widersetzt, betonte der Infrastrukturminister, dass man die Positionen des Nachbarlandes kenne und respektiere. "Jedes Land bestimmt allerdings seinen eigenen Energiemix", meinte Vrtovec. Atomkraft sichere Slowenien eine saubere und sichere Energiezukunft bei gleichzeitiger Energieunabhängigkeit. "Ich kann mir die zukünftige Energieunabhängigkeit Sloweniens ohne Atomenergie nicht vorstellen", sagte der Minister mit Blick auf die begrenzten Potenziale erneuerbarer Energiequellen. Sloweniens Wasserpotenzial sei nicht so groß wie in Österreich, auch das Potenzial für die Windenergienutzung könne nicht mit Deutschland verglichen werden, fügte er als Beispiel hinzu.

Vrtovec schloss eine Volksabstimmung über das zweite AKW nicht aus. Wenn die Öffentlichkeit ein Referendum fordere, sehe er kein Problem, dass sich "die Bürger dazu äußern", sagte der Minister. Angesichts guter Erfahrungen mit dem ersten Reaktorblock zeigte er sich optimistisch, dass die Bewohner Sloweniens eine solche Entscheidung gutheißen würden.

Slowenien hat vergangene Woche eine neue Klimastrategie bis 2050 verabschiedet, mit dem sich das Land langfristig auf die Kernkraft festgelegt hat, um Klimaneutralität zu erreichen. (APA, 19.7.2021)