Der Start der New Shepard mit Jeff Bezos an Bord.

Foto: AP/Tony Gutierrez

Heute, am 20. Juli, ist Amazon-Gründer Jeff Bezos wie geplant ins All geflogen und damit in die Fußstapfen eines ebenfalls äußerst wohlhabenden Hobbyastronauten, nämlich Richard Branson, getreten. Vom Start bis zur Landung dauerte der Flug lediglich wenige Minuten, als Raumschiff kam die von Bezos' Weltraumfirma Blue Origin hergestellte New Shepard zum Einsatz. Als Weltraumflughafen fungierte das texanische Van Horn, das etwa zwei Stunden von El Paso entfernt liegt.

Bezos-Raumflug als Livestream

Der Start erfolgte um 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit, kurz darauf löste sich die Passagierkapsel, welche daraufhin separat von der Trägerrakete landete.

Freilich durfte auch die Allgemeinheit an diesem PR-Schauspiel des reichsten Mannes der Welt teilhaben. Auf der Website von Blue Origin wurde ein Livestream eingerichtet, der bereits 90 Minuten vorher – also ab 13.30 Uhr hiesiger Zeit – begann. Nachfolgend wurde das dazugehörige Youtube-Video auch auf derStandard.at eingebettet.

Blue Origin

Wer lieber liest als schaut, der konnte das Spektakel freilich auch über den Twitter-Stream von Blue Origin verfolgen, auf dem die Hobbyastronauten vor dem Abflug noch ein schönes Erinnerungsfoto veröffentlicht haben.

Die Crew des Bezos-Raumflugs

Jeff Bezos flog nicht allein ins All, sondern brachte ein paar Gäste mit. Zu diesen gehören sein Bruder Mark Bezos, die 82 Jahre alte Pilotin Wally Funk und Oliver Daemen – ein 18 Jahre alter Highschool-Absolvent und der erste zahlende Kunde an Bord der New Shepard.

Blue Origin gibt nicht bekannt, wie viel Daemen für den Flug gezahlt hat. Gegenüber CNN hatten mit der Angelegenheit vertraute Personen gesagt, dass das Ticket von Daemens Vater, Joes Daemen, bezahlt worden war, der wiederum Gründer und CEO der in den Niederlanden beheimateten Somerset Capital Partners ist. Zuvor hatte eine unbekannte Person 28 Millionen Dollar für das Ticket gezahlt, dann jedoch wegen "terminlicher Überschneidungen" abgesagt.

Daemen ist zugleich auch der jüngste Mensch, der jemals ins All geflogen ist. Funk wiederum ist die älteste Astronautin aller Zeiten. Sie wurde vor einem halben Jahrhundert für das Mercury-Programm der Nasa trainiert und gilt nun als Ehrengast auf dem Flug ins All.

Space Race der Milliardäre
DER STANDARD

Bezos fliegt höher als Branson

Anzumerken im Weltallrennen der Milliardäre ist, dass Branson zwar vor Bezos in Richtung All geflogen ist, Bezos aber höher flog. So belief sich die maximale Flughöhe von Virgin Galactic auf 86 Kilometer, jene der Rakete von Blue Origin auf 100 Kilometer. Dieser Unterschied ist entscheidend, da die Grenze zum All offiziell bei 100 Kilometern über dem Meeresspiegel liegt – die sogenannte Kármán-Linie.

Die New Shepard ist eine 18,3 Meter hohe Kombination aus Rakete und Passagierkapsel, die eine Geschwindigkeit von bis zu 3.540 km/h und eine maximale Flughöhe bis zu den besagten 100 Kilometern erreicht. Während des Flugs können sich die Astronauten abschnallen und einige wenige Minuten in der Schwerelosigkeit verharren, anschließend landen Rakete und Kapsel wieder auf der Erde.

Tickets erhältlich

Blue Origin verkauft nun offiziell Tickets an interessierte Hobbyastronauten. Die nächsten Flüge sollen im September oder Oktober stattfinden, über die Preise ist nichts bekannt – allerdings hatte Bob Smith, CEO von Blue Origin, zuletzt gesagt, dass die Zahlungsbereitschaft der interessierten Kunden relativ hoch sei. Die Schweizer Investmentbank UBS prognostiziert, dass die Branche des Weltraumtourismus in einem Jahrzehnt jährlich drei Milliarden Dollar umsetzen wird. (stm, 20.7.2021)