Olympia-Star Simone Biles hat vier Goldene zu verteidigen und eine furchtbare Geschichte hinter sich.
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Einen eklatanten Fehlstart legte einer der erklärten Stars der Olympischen Sommerspiele schon am Mittwoch, also zwei Tage vor der Eröffnungsfeier hin. Team USA mit Megan Rapinoe unterlag zum Auftakt des Frauenfußballturniers in Tokio Schweden mit 0:3 (0:1). Die Schwedinnen hatten den Rekordweltmeisterinnen schon vor fünf Jahren in Brasilien im Viertelfinale den Weg zum Triumph verstellt. Besser kamen die Brasilianerinnen, die bei den Heimspielen das Finale gegen die diesmal nicht qualifizierten deutschen Frauen verloren hatten, aus den Startlöchern. Beim 5:0 über China schoss Marta zwei Tore, netzte also bereits auch bei ihren fünften Spielen.

Dennoch kann sich die 35-Jährige in puncto weltweite Bekanntheit nicht mit Rapinoe messen. Die 36-jährige Kalifornierin ist eine Frau klarer Botschaften und wirkt so weit über ihren Sport hinaus. Nicht erst seit ihrer Social-Media-Fehde mit Ex-Präsident Donald Trump während der WM 2019 in Frankreich ist Rapinoe in doppelter Mission als Fußballerin und Aktivistin ein Begriff. Sie solidarisierte sich per Kniefall während der Nationalhymne mit dem ehemaligen Footballstar Colin Kaepernick, geht unermüdlich gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus an und schwor ihr Team im Ringen um gleiche Bezahlung auf eine Klage gegen den US-Fußballverband ein. "Wenn Pinoe spricht, hören alle Leute zu", sagte Kapitänin Becky Sauerbrunn: "Ihr Charisma und ihr witziger Humor reißen die Leute mit."

Einfach Simone sein

Erscheinungen von Rapinoes Kaliber sind unter den Athletinnen und Athleten der Spiele wenige zu finden, zahlreiche Absagen schaffen Platz für neue Stars. Einige lebende Sportlegenden werden aber für Rekord-TV-Quoten sorgen. Die diesbezügliche Nummer eins in den USA ist Turnerin Simone Biles. Die nur 1,42 Meter große Athletin aus Columbus, Ohio, soll die US-Riege zum dritten Olympiagold en suite führen. In Rio gewann sie viermal Gold und einmal Silber. Als eines der vielen Missbrauchsopfer des früheren US-Teamarztes Larry Nassar brauchte die Rekordweltmeisterin aber viel Zeit, ihre Liebe für den Sport wiederzufinden: "Nach allem, was ich durchgemacht habe, war es ein langer Weg, einfach wieder Simone zu sein", sagte die 24-jährige dreimalige Weltsportlerin.

Auf einmal Gold ist der männliche US-Star der Spiele programmiert. Alles andere als der vierte Olympiasieg der Basketballer en suite käme einen Wunder gleich. Dem ist auch Kevin Durant vor, der Power Forward der Brooklyn Nets, der schon 2012 in London und 2016 in Rio zu den Olympiasiegern gehörte. In Abwesenheit anderer Topspieler wie LeBron James liegt im Team von Coach Gregg Popovich besonders viel Verantwortung auf den Schultern des 2,08 Meter langen 32-Jährigen aus Washington.

Daheim, ein Traum

Vielleicht noch größer ist die Last, die Naomi Osaka zu tragen hat. Nach wochenlanger Auszeit ist die 23-jährige Siegerin vor vier Tennis-Majors im Vorfeld ihrer Heimspiele omnipräsent. "Die Olympischen Spiele an sich sind schon etwas Besonderes, aber die Möglichkeit zu haben, vor den japanischen Fans zu spielen, ist ein wahr gewordener Traum", schrieb Osaka im Time-Magazin: "Ich hoffe, ich kann sie stolz machen."

Ihre Chancen auf Tennisgold stehen angesichts vieler Absagen gut, besser noch ist Novak Djokovic im Rennen, der auf dem Weg zum Grand Slam, zu Siegen in allen vier Major-Turnieren des Jahres auch noch Olympiagold mitnehmen und also den sogenannten Golden Slam feiern will. Der 34-Jährige ist "ein stolzer Teil der serbischen Olympia-Mannschaft", will aber vor allem der größte Tennisspieler aller Zeiten werden. Der Grand Slam ist in der Profiära bisher nur Rod Leaver gelungen (1969), der Golden Salm nur Steffi Graf (1988).

Eine Leistung für die Ewigkeit, wie sie sich Djokovic erträumt, hat Eliud Kipchoge schon erbracht. Der erste Mensch, der den Marathon unter zwei Stunden lief – 1:59:40 am 12. Oktober 2019 in Wien –, ist nach dem Abgang von Usain Bolt der größte Star der Leichtathletik. In Tokio strebt der 36-jährige Weltrekordler aus Kenia (2:01:39) sein zweites Marathon-Gold en suite an. (Sigi Lützow, 22.7.2021)

Novak Djokovic träumt vom Golden Slam.

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Megan Rapinoe kassierte zum Auftakt eine Ohrfeige.

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Eliud Kipchoge läuft ums zweite Marathongold.

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Naomi Osaka trägt die Last der Gastgeberin.

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Kevin Durant muss das geschwächte US-Dreamteam zum programmierten Olympiasieg führen.

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