Kaffee, Tee, Bekleidung und Co: Konsumenten wollen beim Einkaufen und bei Finanzgeschäften ein soziales Gewissen haben. Bedeutet das auch Mehrkosten, scheiden sich aber die Geister.

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Nachhaltigkeit wird ein immer wichtigeres Thema. Vor allem Kunden wollen das Gefühl haben, dass jene Unternehmen, von denen sie Produkte kaufen, sorgsam agieren. 84 Prozent der heimischen Bevölkerung sind der Meinung, Unternehmen jeder Branche müssten sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen. Das ergibt die Studie "Liquidität 50 plus 2021 Österreich" der Teambank, die dafür 1.331 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt hat.

Eine Frage des Alters

Demnach achtet die Generation 50 plus bei Banken und anderen Firmen besonders stark auf ökologisch-soziale Aspekte – mehr als die "Generation Z" der unter 30-Jährigen. Wenn es um die eigene Geldtasche geht, ist es genau umgekehrt: Hier sind die Jüngeren eher bereit, mehr für Öko-Produkte auszugeben, als die Älteren.

60 Prozent der Befragten wären sogar bereit, für einen ökologisch und sozial einwandfrei hergestellten Artikel mehr Geld auszugeben. Die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Bankprodukte ist dabei etwas geringer – rund ein Drittel würde hier höhere Kosten in Kauf nehmen. "Bio-Lebensmittel und nachhaltige Kosmetik sind bereits für viele Menschen Standard, nachhaltige Finanzprodukte sind dagegen noch vergleichsweise neu, Angebot und Nachfrage steigen aber rasant an", sagt Frank Mühlbauer, Vorstandsvorsitzender der Teambank AG.

Laut der Studie achtet bereits mehr als die Hälfte der befragten Österreicher bei Finanzdienstleistungen auf die Einhaltung ökologisch-sozialer Standards. 54 Prozent gehen sogar so weit, dass sie den Banken kein Vertrauen schenken, die ihre ökologisch-sozialen Anstrengungen nicht klar und offen darlegen.

Mit Klimawandel auseinandersetzen

Für die Generation 50 plus ist Nachhaltigkeit sogar noch wichtiger als für jüngere Befragte. Dass sich alle Unternehmen mit dem Klimawandel auseinandersetzen müssen, geben 88 Prozent der über 50-Jährigen an, im Vergleich zu 80 Prozent der unter 30-Jährigen. 61 Prozent der Befragten ab 50 Jahren vertrauen Banken nicht, wenn sie ökologisch-soziale Anstrengungen nicht einwandfrei belegen, bei den unter 30-Jährigen sagen das aktuell nur 47 Prozent.

Allerdings: Für die Generation 50 plus darf Nachhaltigkeit keine Mehrkosten verursachen. Nur 58 Prozent würden für ein ökologisch-soziales Produkt mehr investieren. Bei den unter 30-Jährigen sind es 66 Prozent. Darüber hinaus würden nur 27 Prozent der Generation 50 plus für grüne Bankdienstleistungen höhere Kosten hinnehmen – bei den unter 30-Jährigen sind es 40 Prozent. "Für Banken wird es künftig entscheidend sein, den Kunden nachhaltige Finanzprodukte ohne Preiserhöhungen anbieten zu können", sagt Mühlbauer.

Regionale Unterschiede

Beim Blick auf die Bundesländer zeigt sich, dass die Menschen in Wien mehr Wert auf nachhaltige Finanzprodukte legen als etwa die Niederösterreicher oder die Steirer. 60 Prozent der Wiener vertrauen Banken ohne dargelegte ökologisch-soziale Anstrengungen nicht, in Niederösterreich sind es dagegen nur 48 Prozent. Es schauen jeweils 57 Prozent der Menschen aus Wien, Kärnten und Vorarlberg bei Finanzprodukten auf Nachhaltigkeit, in Niederösterreich nur 44 Prozent.

In Wien und Tirol sind jeweils 37 Prozent auch bereit, gegebenenfalls geringere Renditen oder höhere Kosten für diese Bankprodukte zu akzeptieren – in Niederösterreich sind es etwa nur 28 Prozent. (Bettina Pfluger, 22.7.2021)