Nach dem Krieg im vergangenen Jahr spitzt sich die Lage zwischen Armenien und Aserbaidschan seit Monaten wieder zu.

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Stepanakert/Jerewan (Eriwan)/Baku – Bei Zusammenstößen mit aserbaidschanischen Streitkräften sind drei armenische Soldaten an der Grenze zwischen den beiden Ländern getötet worden. Wie das armenische Verteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte, habe Jerewan nach einem aserbaidschanischen "Angriff" eine "bewaffnete Aktion" eingeleitet. Zwei weitere Menschen wurden demnach bei den Zusammenstößen im nordöstlichen Grenzgebiet verletzt. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Verantwortung für die Eskalation.

Armeniens Außenministerium teilte mit, Aserbaidschan habe die Situation "bewusst eskalieren lassen, da sich ihre Streitkräfte illegal auf armenischem Hoheitsgebiet aufhalten". Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium warf Armenien militärische Provokation vor: Zwei aserbaidschanische Soldaten seien verletzt worden, als armenische Truppen auf deren Stellungen geschossen hätten. "Armenien trägt die volle Verantwortung für diese Eskalation", hieß es aus dem Ministerium.

6.500 Tote in sechs Wochen

Die ehemaligen Sowjetrepubliken und Nachbarstaaten sind seit langem verfeindet. Die Spannungen zwischen Baku und Jerewan spitzen sich seit Monaten wieder zu, nachdem ein bewaffneter Konflikt in der Region Berg-Karabach im Jahr 2020 unter Vermittlung Russlands beendet wurde.

Während der sechswöchigen Kämpfe wurden mehr als 6.500 Menschen getötet. Gemäß der Waffenstillstandsvereinbarung musste Armenien große Gebiete an Aserbaidschan abtreten, die es jahrzehntelang kontrolliert hatte.

Streit um Grenze

Im Mai hatte Armenien der aserbaidschanischen Armee vorgeworfen, die südarmenische Grenze überschritten zu haben, um einen an beide Länder angrenzenden See zu "belagern". Die armenische Regierung hatte daraufhin Moskau um militärische Unterstützung gebeten. Russland erklärte, bei der Demarkation der armenisch-aserbaidschanischen Grenze zu helfen.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er-Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. (APA, 28.7.2021)