Futuristisches Ambiente: ein Zimmer in Weiß, ein silbernes Planetarium auf dem Nachtkästchen, Ausblick auf flugobjektumschwirrte Wolkenkratzer. Zukunft halt, wie sie der kleine Max sich vorstellt. "Guten Morgen" spricht ein goldener Roboter mit üppigem Hintern, Busen, Wespentaille, langen Beinen, High Heels und Mädchenstimme den Erwachenden an, "Ihr habt präzise 18.105 Sekunden geschlafen. Heute ist euer 150. Geburtstag. Und euer Vermögen beträgt 68 Trilliarden" (Währung unbekannt, auf jeden Fall eine inflationäre).

Der Erwachende, ein schöner, alter weißer Mann, dem Bart und Kaftan (eigentlich ist es nur ein Pyjama) Gottähnlichkeit verleihen, klopft seinem Fembot mit dem Zeigefingerknöchel gönnerhaft-herablassend an die Schläfe: "Du weißt wohl alles." Er, der Meister, muss zumindest 140 Jahre lang potent und fertil gewesen sein, denn sein Töchterchen gesellt sich zu ihm, springt an ihm hoch wie ein Hündchen. Und dann wagt die Roboterin, die ihren Herrn nicht nur siezt, sondern ihrzt, gesenkten Blickes eine unbotmäßige Frage: "Nur eines verstehe ich nicht: Wie konntet ihr euch trotz der vielen Krisen das alles hier aufbauen?"

Sklaverei und Feudalismus

Seine Antwort (immerhin! Er antwortet ihr! In der Zukunft verkehrt man auf Augenhöhe!) leitet zum Werbeobjekt über: "Ich hatte immer nur Gold im Kopf, so wie du" (nur dass er reich ist und sie Sklavin). Es geht um Bewerbung von Wertanlage in Gold durch die Firma Philoro, Stichwort ewige Werte und so. Der kommunikationslinguistische Rückgriff auf feudale Zeiten übertüncht den genderstereotypischen Aspekt. Die Werbemacher wissen sich mit ihrer Zielgruppe eins, dass augenzwinkernde Anspielungen auf Sklaverei und Feudalismus erlaubt sind, weil deren Epoche im Common Sense als überwunden gilt (was sie nicht ist).

Dazu ist kein Shitstorm zu gewärtigen. Bemerkenswert hingegen ist, dass die Gleichsetzung von Frau und Dienstbarkeit nicht einmal ein Augenzwinkern erfordert. Keine Ironisierung, kein Hinterfragen. Kein Shitstorm in Sicht. Männer herrschen, Frauen dienen, daran wird auch die Zukunft nichts ändern, solange sie männergedacht bleibt, und das wird sie noch lange.

Nirgends offenbart sich dies deutlicher als in Stanley Kubricks utopischem Filmepos 2001: A Space Odyssey. Es umfasst einen Evolutionszeitraum vom Homo habilis (The Dawn of Man) über den Homo sapiens bis zur künstlichen Intelligenz, eine für das Entstehungsjahr 1968 tatsächlich visionäre Leistung. Der Film erhebt Ewigkeitsanspruch: Mit dem Goldbarren aus der Philoro-Werbung vergleichbar, steht bei Kubrick ein geheimnisvoller schwarzer Monolith für Zeit- und Endlosigkeit. Der Bordcomputer HAL 9000 des Raumschiffs Discovery One, das sich auf Erkundungsreise zum Jupiter befindet, ist als treuer Diener seines Herrn, des Menschen, konzipiert.

Mensch heißt: die ausschließlich männliche Besatzung sowie das ebenso männliche Bodenpersonal. HAL überwacht alle technischen Funktionen des Spaceshuttles, lenkt es autonom, betreut den künstlichen Tiefschlaf der Astronauten, spielt mit ihnen Schach und pflegt artig Konversation. Noch ist er servil. Doch HALs Intelligenz generiert sich aus sich selbst und trickst die menschliche aus: Er beginnt, die Crew mit technischen Fehlangaben zu manipulieren, was zu einem ersten Todesfall führt. Die Situation mutiert zum kafkaesken Vater-Sohn-Konflikt samt totaler Kontrolle, Kastration und Patrizid.

Atemschläuche werden gekappt, Lebensfunktionen abgeschaltet und – durch den letzten überlebenden Sohn Dave Bowman– Module aus dem Supercomputerhirn herausgeschraubt. Wie ein greiser Vater versinkt HAL in Demenz, während sich Dave zu neuen Welten und Zeitaltern aufmacht. Er endet als alter weißer Mann in einer fernen Galaxie. In einem weißen Zimmer.

Nein, HAL ist kein untertäniger Fembot wie Siri, Alexa oder das Navi in unserem Auto, die mit weiblich-sanfter Stimme dem Befehlsgeber zu Willen sind. Er ist auch nicht anthropomorph wie die güldene Philoro-Frau oder Sophia, die virtuelle Empfangsdame, geschweige denn wie eine Sexpuppe.

HALs menschliche Züge beschränken sich auf seinen männlichen Namen, seine männliche Stimme und sein satanisches, lippenlesendes rot-gelbes Auge. Und natürlich seine superintelligenzbedingte Machtanmaßung. Vor allem diese qualifiziert ihn als Malebot, wenngleich viel subtiler als die vielen albernen stahlmuskelbepackten Androiden aus Fantasyfilmen und Computerspielen.

Der Schleudersitz

Ich sah Kubricks Space Odyssey in den 1970er-Jahren, selbst noch im frühen Teenager-Alter, wo erste Lebensentwürfe skizziert werden. Natürlich war ich schwer beeindruckt von der epochalen Wucht des Films und bin es immer noch. Wenn heute der Bordcomputer meines Autos für mich entscheidet, wann es dunkel wird, wann es regnet, wie ich die Spur halte, bremse und einparke, denke ich an HAL und frage mich, ob er im Falle meiner Aufmüpfigkeit irgendwann den Schleudersitz betätigen wird.

Doch damals schon, im Kinosaal, schwang im Film ein störender Beiklang mit, den ich auch als sehr junge Frau empfindlich wahrnahm: Die Menschheit ist männlich. Zwischen den haarigen Beinen der Hominiden, die in der Anfangsszene unter den Klängen von Richard Strauss’ bzw. Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra erstmalig Knochen als Werkzeug und Waffe benutzen, baumelt ein Schwänzchen, bei dem es sich nicht um die verlängerte Wirbelsäule handelt.

Ja, in den späteren, hochtechnisierten Zeiten, sprich in den Raumschiffen und der Mondstation Clavius, da lässt Kubrick tatsächlich Frauen auftreten. Sogar eine Wissenschafterin ist darunter, eine Russin, denn die Russen sind nun einmal und waren im Kalten Krieg erst recht irgendwie suspekt. Sie heißt schlicht Elena. Muss genügen für eine Quotenfrau. Elena braucht weder Titel noch Nachname, wo doch ihre männlichen Kollegen samt und sonders Doktoren und Professoren sind. Für diese hat sich der Drehbuchschreiber selbstverständlich Familie und Familiennamen ausgedacht, sogar für den Renommier-Russen unter ihnen.

Und dann gibt es noch die namenlose Kopfüber-Stewardess, die, haftbeschuht, dem Raum-Passagier den schwebenden Kugelschreiber zurück ins Sakko steckt und ihm das Essen serviert. Stumm, demütig lächelnd, ohne zu stören. Über der Dauerwelle trägt sie ein kugeliges Häubchen, die Damenversion eines Raumhelms. Ach ja, die Empfangsdame an der Mond-Rezeption hätte ich beinahe vergessen. So weit Kubrick auch in die Zukunft gedacht haben mag – zu den Frauen ist ihm genau gar nichts Neues eingefallen. In der Evolution spielen sie für ihn keine Rolle. Wer dient, kommt nicht weiter.

Risse im Patriarchat

In der weißgekleideten Astro-Flugbegleiterin erkannte ich meine Mutter wieder, wie sie für die Herrenrunde meines Vaters Schreibblock und Kugelschreiber bereit-richtet. Samstags herrschte bei uns Tarocknachmittag rituellen Ablaufs: Um 14 Uhr trafen drei Herren ein, übergaben meiner Mutter Hüte, Mäntel und Sakkos und nahmen mit meinem Vater am Wohnzimmertisch Platz. Der Raum füllte sich mit braunen Welterklärungen und grauen Rauchschwaden. Die Karten wurden verteilt, Tarockieren bis 15 Uhr. Herr von W paffte unaufhörlich Zigarre, Hofrat R rauchte Pfeife, Direktor P knallte siegesträchtige Stiche brüllend auf die Tischplatte. Lüften.

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt: Die schöne, neue virtuelle Realität samt Roboterunterstützung wirft Fragen auf, die es nun zu stellen gilt.
Foto: Gustafsson / Westend61 / picture

Um drei servierte meine Mutter, frisch lockengewickelt und im weißen spitzenbordierten Schürzchen, Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Um 17 Uhr neuerliche Spiel- und Lüftungspause, da wurden Brötchen und Wein gereicht. Gegen 19 Uhr verabschiedeten sich die Herren, weil ihre Frauen zu Hause mit dem Abendessen auf sie warteten. Lüften. Wenn die Herren länger zu bleiben wünschten, gab es noch Gulaschsuppe.

Dazwischen durften Mama und ich kiebitzen, wenn wir uns artig verhielten (meine Mutter neigte zur Parteilichkeit und ich Kind zum Whistleblowing). Als meine Mutter im Lauf der Jahre aktive Teilnahme an der Tarockrunde einforderte (die Zeitenwende setze ich, rückblickend, 1968 an) erlitt das Tiroler Patriarchat erste Risse, von denen es sich bis heute nicht erholt hat. (Aber es hält sich wacker.) Die männliche Furcht, Frauen könnten sich vom Diener zum Player entwickeln, wird in The Stepford Wives zu Ende gedacht. Dieser äußerst sehenswerte, utopische amerikanische Horrorfilm entstand 1975 nach dem gleichnamigen Roman von Ira Levin, welcher drei Jahre zuvor erschienen war. (Nicht zu verwechseln mit dem 2004er-Remake mit Nicole Kidman und Glenn Close, das die profunde 1975er-Horrorvision in eine seichte Zickenkampf-Komödie verunstaltete.)

Die Fotografin Joanna Eberhart, verkörpert von Katharine Ross, übersiedelt mit Mann und Kindern aus dem lärmenden New York ins propere Kleinstadtidyll Stepford, wo sie auf Verhältnisse trifft, wie ich sie aus meinen Kindertagen kenne. Langbeinige, vollbusige, dauergewellte, lächelnde Frauen in weißen Rüschenschürzen versorgen in High Heels eine paffende welterklärende Herrenrunde mit Suppe, Kuchen, Häppchen, Drinks, und, im Schlafzimmer, auch mit lobenden Lustschreien. Alkohol vertragen sie schlecht, und als eine mal zu viel davon abkriegt, wiederholt sie in Endlosschleife den Satz "Wenn ich dieses Kuchenrezept nicht bekomme, sterbe ich."

Roboterfrauen

Anders als meine biedere väterliche Beamten-Herkunftsumgebung lebt die Stepford-Neighbourhood von Hochtechnologie. Wohl eine Anspielung auf das damals entstehende Silicon Valley. Joanna, in der ich mich als spätpubertäre Zuschauerin widerspiegelte, widersetzt sich von Anfang an dem unsichtbaren Zwang zum feminin-behübschten Sklavinnen-Dasein. Sie trägt ihre glatten Haare lang und polstert ihren flachen Busen nicht aus. Sie vernetzt sich mit ähnlich aufmüpfigen Freundinnen und versucht sogar eine Frauengruppe als Gegenentwurf zur Stepford Man’s Association zu gründen.

Doch außer Rezeptaustausch kommt zwischen den Damen kein Gespräch in Gang. Das Mastermind der Herrenrunde skizziert während einer Abendeinladung Joannas Züge, um sie später ins Idealtypische zu verzerren. Frau um Frau werden lebende Menschen aus Fleisch und Blut in wunschprogrammierte Cyborgs umgewandelt, auch Joannas Austausch ist längst vorbereitet. Ihr liebender Gatte setzt dem Vorhaben kaum Widerstand entgegen, zu verlockend ist die Aussicht auf willfährige Bedienung und sexuelle Verfügbarkeit. Zwei Filmszenen haben sich mir ins Gedächtnis gebrannt: Nachdem sich Joanna der Transformation ihrer besten Freundin Bobbie bewusst wird, rammt sie ihr ein Küchenmesser in den weißbeschürzten Bauch, woraufhin der Bobbie-Bot in der Küche herumrotiert, Tassen auf den Boden wirft und die immer gleichen drei Sätze abspult.

Bald darauf wird Joanna in eine Falle gelockt und umgemodelt. In der Schlussszene des Films schieben sämtliche Stepford-Roboterinnen zu beseligendem Hintergrundgedudel ihre Einkaufswägen durch den Supermarkt und tauschen Begrüßungsfloskeln aus. Einem schwarzen Paar, das kürzlich zugezogen ist, steht wohl das Gleiche bevor, denn Rassismus lassen sich Stepfords weiße Männer nicht nachsagen.

Nicht mit mir! Niemals wird aus mir eine Stepford-Wife!, schwor sich die junge Frau der 1970er- und 1980er-Jahre. Zwar waren damals weibliche Role-Models, die selbstbestimmt, wirtschaftlich unabhängig und vielleicht gar in partnerschaftlicher Beziehung lebten, noch dünn gesät. Dennoch galt: Die Zukunft liegt in meiner Hand! Den Frauen die Hälfte der Welt! Sprach’s, und zog mit dem Geliebten zusammen oder zu Freunden in die WG. Opferte dort ihre Ansprüche dem kleinen Glück oder der großen Harmonie. Stolperte über Putzkübel, durchwatete Schmutzwäsche, stieß sich an Essensresten, verfing sich in Spinnweben und vertrieb sich die Zeit mit Aufräumen. Später bekam sie Kinder und verschob die Emanzipation eine Generation weiter.

Dienerinnen

Die menschliche Software hatte ihr Update verschlafen und funktionierte nach dem alten Algorithmus, der den Userinnen und Usern zuschreibt, wer dient und wer bedient wird. Da mochte Alice Schwarzer noch so sehr dagegenhalten, dass Frauen sich Liebe nicht durch Dienstleistung erkaufen können. Im Gegenteil: Als Dienerinnen werden sie entwertet und entwerten sich selbst. Wenn überhaupt, dann ernten sie ein bisschen Dankbarkeit, aber die paart sich von Anbeginn mit Verachtung.

Wie in jeder Werkstatt ist auch in der Gesellschaft hierarchisch geregelt, wer den Boden putzt, wer sich die Hände schmutzig macht, wer den Kaffee holt und wer die Einkünfte verteilt. Nur dass in der Werkstatt der Kollektivvertrag gilt, anders als im Privaten. Dienen ohne Kollektivvertrag ist Knechtschaft, und die brennt sich den Geknechteten in den Leib als epigenetisch transferiertes Mal. Gerne berufen sich die Sklavenhalter darauf, dass die Sklavenhaltung Existenzen sichere, wobei der eigene Vorteil nur ein Kollateralnutzen sei. Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, holen sie sich dabei göttliche Rückendeckung. Nicht ihr eigener, sondern Gottes Wille entscheide, wer oben und wer unten ist, was ein Mann und was eine Frau zu tun hat.

Vital bis ins Ziel. Mildred Wilson (82) hat soeben den Extrem-Hindernislauf Tough Mudder absolviert.
Foto: South West News Service Ltd / Action Press / picturedesk.com

Der amerikanischen Autorin Harriet Beecher Stowe wurde, wohl nicht zu Unrecht, vorgeworfen, sie habe in ihrem 1852 veröffentlichten Roman Uncle Tom’s Cabin den Typus des gutmütigen, unterwürfigen, verzeihenden, zum Dienen geborenen Schwarzen verewigt. Diese Wesenszuschreibung hätte die Unterdrückung der Afroamerikaner perpetuiert, und dies trotz bester Absicht der Autorin, nämlich die Sklaverei in Amerika anzuprangern. Tatsächlich musste es sich Pastor Martin Luther King gefallen lassen, wegen seiner versöhnlichen Haltung vom militanteren Bürgerrechtler Malcolm X spöttisch als Onkel Tom bezeichnet zu werden. Ermordet wurden sie beide. Die Verknüpfung von Hautpigmentierung mit Über- oder Unterlegenheit hält sich beinahe ebenso hartnäckig wie jene aufgrund der Verteilung von X- und Y-Chromosomen.

Globale Faustregel: je stärker pigmentiert, desto tiefer unten. Vor Cafés stand früher nicht selten ein dunkelhäutiger Android mit weißem Hemd und buntem Gilet, eine ungefähr hüfthohe Puppe in gebückter Haltung, ein Tableau oder die Karte mit dem Tagesangebot balancierend, eine Serviette über den Unterarm gehängt. (Nein, diese Erinnerung trügt mich nicht, einen solchen Gipsdiener habe ich letzthin in einem nahegelegenen Antiquitätengeschäft fotografiert.)

Man empfindet heute solche Darstellungen als rassistisch, was sie auch sind, und zu Recht ist um sie eine Diskussion entbrannt, ebenso wie um den Meinl-Mohren, das Mohrenbräu und die Mohrenstraße, ganz zu schweigen vom Mohren im Hemd, den Negerküssen und vom Negerbrot.

Die Kombination von dunkler Hautfarbe mit Verneigung, aber auch mit Schokolade und Kaffee und erst recht die abwertenden Bezeichnungen "Neger" und "Mohr" entspringen einem selbstgerechten kolonialen Rassismus und sind herabwürdigend. Dessen wird sich auch eine weiße Gesellschaft langsam bewusst. Möge dem Bewusstsein ein Sein folgen. Wird dauern.

Eine Diskussion, ob der weitverbreitete Einsatz weiblicher Serviceroboter sexistisch ist und Genderstereotype perpetuiert, entspinnt sich hingegen nur zaghaft. Generell stellt sich die Frage, inwieweit intelligente Maschinen und insbesondere Social Bots überhaupt menschliche Züge, zudem geschlechtsspezifische, aufweisen sollen. Dazu zählen Gestalt, Gesicht, Stimme, Körperhaltung, Sprachverständnis und die Nachahmung menschlicher Reaktionen, ja Gefühle.

Der im Pflege- und Empfangsbereich eingesetzte Begleitroboter Pepper entstand aus einer französisch-japanischen Kooperation und ist bewusst geschlechtsneutral gestaltet. Durch seine Kleinheit, Manga-Augen und Quak-Stimme wirkt er kindlich-naiv. Pepper ist glänzend weiß. Wäre er schwarz und hätte Kulleraugen, würde dies aufgrund seiner dienenden Funktion wohl als rassistisch empfunden. Siri, Cortana und Alexa hingegen, die für uns alles wissen und für uns alles tun, haben keine physische, aber akustische Gestalt. Die ist weiblich wie die der allwissend-naiven digitalen Assistentin Samantha in Spike Jonzes Film Her, in die sich der einsame Theodore verliebt.

"Die Diskussion, ob der Einsatz weiblicher Serviceroboter sexistisch ist und Genderstereotype perpetuiert, entspinnt sich nur zaghaft."

All unsere Telefone und Autos sprechen zu uns mit sanften, weiblichen Stimmen, keinen aufreizenden, sondern beruhigenden, gouvernantenhaften. Auch wenn sie gekränkt oder beschimpft werden, bleiben sie höflich. Sie sind keine bösen Mädchen, die ein etabliertes Machtgefüge kurzfristig durcheinanderbringen könnten wie die Jüdin von Toledo, Lulu, Mata Hari oder Wallis Simpson.

Dienen ist keine Hosenrolle. Wird ein Mann gefragt, wo er gedient habe, will man nicht wissen, welcher Frau er die Strümpfe wusch. Wenn Männer expressis verbis "dienen", dann einem höheren Zweck: der Armee, dem Vaterland, Gott oder vielleicht noch einem Lord als Butler. Das soll nun nicht heißen, dass Männer keiner Ausbeutung ausgesetzt wären. Aber man darf nicht vergessen, dass in ausbeuterischen Verhältnissen Frauen immer noch eine Stufe tiefer stehen, allein schon wegen ihrer sexuellen Vulnerabilität und ihrer Gebärfähigkeit. Die Erniedrigung ist ihnen in den Leib gestanzt. Fembots schreiben sie fort. Wie die Unesco in ihrem Bericht I’d Blush If I Could beklagt, wachsen unsere Kinder mit dieser Zuschreibung auf.

Magd im Herrenhaus

Sabine Wallinger studierte Germanistik und Romanistik, sie arbeitete als Sprachlehrerin und engagiert sich für die Plattform erinnert.at.
Foto: Claudia Bachlechner

Die von der Hongkonger Firma Hanson Robotics entwickelte Roboterdame Sophia, die nun in Serienproduktion gehen soll, hat ihrer Kundschaft mehr zu bieten als nur eine weibliche Stimme. Unter ihren Kleidern zeichnen sich weibliche Konturen ab, ihr Gesicht wurde nach weiblichen (kaukasischen) Schönheitsnormen, dem Vorbild von Nofretete und Audrey Hepburn, gestaltet. Sophia ist fähig zu Mimik und Gestik, erkennt Personen und führt artig Konversation. Zwar ist sie von dienstfertigem Wesen, wurde aber, für gehobene Ansprüche, mit Esprit und ansatzweiser Intelligenz ausgestattet. Die Gänsemagd ist ins Herrenhaus übersiedelt, die Tippmamsell ins Chefsekretariat. Sophia erhielt sogar die saudi-arabische Staatsbürgerschaft, was für leibhaftige Frauen kein ungefährliches Privileg wäre.

Entgegen einer satirischen Fake-Meldung wurde sie dort, obwohl unverschleiert und unbegleitet, nicht gesteinigt. Immerhin. Dass ausgerechnet Sophia der Emanzipation die Hintertür öffnet, ist dennoch zu bezweifeln. (ALBUM, Sabine Wallinger, 31.7.2021)