Afghanische Mitarbeiter von US-Truppen machen bei einer Demonstration in Kabul auf ihre Gefährdung aufmerksam.

Foto: Reuters / Stringer

Kabul – Angesichts des Truppenabzugs aus Afghanistan hat die Regierung von US-Präsident Joe Biden mit der Aufnahme hunderter Afghanen begonnen, die während des dortigen Militäreinsatzes für die USA gearbeitet haben. Ein erster Flieger mit rund 200 afghanischen Helfern und ihren Familien landete am Freitagmorgen in den USA, wie die US-Regierung mitteilte.

US-Präsident Joe Biden sowie die Minister für Äußeres, Verteidigung und Heimatschutz – Antony Blinken, Lloyd Austin und Alejandro Mayorkas – würdigten den Einsatz der afghanischen Ex-Mitarbeiter und betonten die moralische Pflicht der Vereinigten Staaten, nun auch ihnen zu helfen. "Willkommen zu Hause", erklärte Biden in einer schriftlichen Stellungnahme an sie gerichtet.

Eigene Einwanderungsvisa

Zahlreiche Afghanen, die während des Einsatzes für die Amerikaner gearbeitet haben, etwa als Dolmetscher, können spezielle Einwanderungsvisa für die USA beantragen. Den Helfern droht nach dem Abzug der US-Truppen die Rache der militant-islamistischen Taliban. Daher sollen sie und ihre Familien in den USA ein neues Leben beginnen können. Seit 2008 wurden laut US-Außenministerium bereits rund 70.000 Afghanen mit Spezialvisa ins Land gebracht.

Nach Angaben der US-Regierung haben aktuell insgesamt rund 700 afghanische Helfer den formalen Prozess für diese Spezialvisa weitgehend durchlaufen. Inklusive der Angehörigen seien damit etwa 2.500 Personen für die Aufnahme in die USA vorgesehen. Sie hätten unter anderem intensive Sicherheitsüberprüfungen hinter sich. Nach ihrer Ankunft in den USA sei zunächst ein kurzer Aufenthalt auf einer Militärbasis im Bundesstaat Virginia vorgesehen, bevor sie auf Städte im ganzen Land verteilt würden. Nach der ersten Gruppe von rund 200 Afghanen sollen also weitere Helfer aus dem Krisenland in die USA gebracht werden. Der genaue Zeitplan blieb zunächst offen.

Sicherheitslage deutlich verschlechtert

Bis Ende August wollen die USA ihren Militäreinsatz in Afghanistan vollständig beenden – nach knapp 20 Jahren. Danach sollen nur noch US-Soldaten zum Schutz der Botschaft in Afghanistan bleiben. Mit der Abzugsentscheidung der Amerikaner endet auch der Einsatz der Nato insgesamt. Wie es in dem Land nach dem Abzug der internationalen Truppen weitergeht, ist unklar. Seit Anfang Mai hat sich die Sicherheitslage deutlich verschlechtert. (APA, dpa, 30.7.2021)