Auch Geimpfte können das Virus weiterhin übertragen – die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt deshalb, dass auch Geimpfte in Hochinzidenzgebieten indoor Masken tragen sollen.

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Die Delta-Variante ist nicht nur ansteckender, es sei auch wahrscheinlicher, dass sie den Impfschutz durchbricht und schwerere Erkrankungen als bisherige Varianten auslöst. Das besagt ein interner Bericht der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC, wie die "New York Times" am Freitag berichtete.

Bereits am Dienstag hat die Behörde auch Geimpften empfohlen, in Corona-Hochrisikogebieten in Innenräumen wieder Masken zu tragen. Geimpfte mit Impfdurchbrüchen durch die Delta-Variante würden in einzelnen Fällen eine hohe Viruslast in Nase und Rachen aufweisen – möglicherweise sei sie sogar ähnlich hoch wie bei Ungeimpften, hieß es damals.

Rückkehr der Masken

Die Delta-Variante, so schreibt die Behörde nun, habe den Krieg gegen das Virus verändert. Um ihn nicht zu verlieren, brauche es Masken – auch für Geimpfte und nicht nur an Orten mit hoher Viruslast. Das Dokument der CDC, das noch nicht offiziell veröffentlicht wurde, basiert auf mehreren teils bereits bekannten Studien.

Dass die Delta-Variante ansteckender als der Viruswildtyp und bisherige Varianten ist, wurde in den vergangenen Monaten bereits mehrfach belegt. Eine Analyse der CDC zeigt nun, dass sie auch ansteckender ist als Viren, die Mers, Sars, Ebola, Erkältungen, die saisonale Grippe und Pocken übertragen. Die Delta-Variante, so die CDC, sei mindestens so ansteckend wie die Windpocken (Feuchtblattern). Zur Einordnung: Der Kontagionsindex von Windpocken liegt laut dem Robert-Koch-Institut nahe 1. Das bedeutet, bei einer Exposition erkranken über 90 von 100 empfänglichen Personen.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die Viruslast bei Infizierten im Fall der Delta-Variante besonders hoch ist. Laut einer chinesischen Studie am Guangdong Provincial Center for Disease Control, die kürzlich als Preprint veröffentlicht wurde, könnte sie um bis zu 1.000-mal höher sein als bei Infektionen mit dem Wildtyp.

Ebenso trugen mehrere Studien bereits Hinweise dafür zusammen, dass Delta zu schwereren Verläufen führen könnte. So liegt das Risiko, nach einer Infektion mit der Delta-Variante ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, im Vergleich zur Alpha-Variante laut der schottischen Gesundheitsbehörde in etwa doppelt so hoch. Als noch gefährlicher stellt sich die Delta-Variante laut einer Studie der University of Toronto dar: Sie führe zu 120 Prozent mehr Hospitalisierungen, 287 Prozent mehr Einlieferungen auf Intensivstationen und 137 Prozent mehr Todesfällen als der Viruswildtyp. Laut einer Studie aus Singapur müssen Infizierte häufiger künstlich beamtet werden.

Hohe Viruslast

Anlass für die neue Empfehlung der CDC dürfte eine noch unveröffentlichte Analyse eines Clusters in Massachusetts sein, deren vorläufige Ergebnisse im Bericht kurz zusammenfasst werden. Demnach wiesen geimpfte Infizierte eine ähnlich hohe Viruslast auf wie Ungeimpfte. Zudem gebe es laut CDC-Daten bei der aktuellen Inzidenz unter 162 Millionen geimpften US-Amerikanerinnen und -Amerikanern knapp 35.000 symptomatische Infektionen pro Woche. Die Zahlen dürften aber noch etwas höher liegen, da die Behörde nicht alle milden und keine asymptomatische Durchbruchinfektionen erfasst, schreibt die "New York Times".

Schon zuvor mehrten sich Hinweise darauf, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen symptomatische Infektionen bei der Delta-Variante abnimmt. Demnach liegt etwa die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer in dieser Hinsicht bei 60 bis 88 Prozent, im Fall des Viruswildtyps betrug sie noch über 90 Prozent.

Weiterhin effektiv sind die Impfstoffe aber, wenn es um die Verhinderung von schweren Erkrankungen geht. Das belegen auch die Daten der CDC.

Fest steht aber auch, dass das nicht für alle im gleichen Ausmaß gilt. Das Dokument der CDC inkludiert auch Studien, wonach die Impfungen bei immunsupprimierten Menschen und Altenheimbewohnerinnen und -bewohnern weniger effektiv sind. Diese Daten decken sich mit anderen Untersuchungen. So zeigte eine Erhebung aus Israel unlängst, dass gerade jene Risikogruppen, die ohne Impfschutz ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hatten, auch ein erhöhtes Risiko für eine schwere Durchbruchinfektion haben: Ältere und jene mit Vorerkrankungen.

Die Ergebnisse des Berichts haben sich abgezeichnet. Er legt in seiner Deutlichkeit aber zwei unbequeme Wahrheiten offen: Erstens werden Impfdurchbrüche nichtmedizinische Maßnahmen wie das Tragen von Masken bei einer niedrigen Durchimpfungsrate weiterhin notwendig machen, um das Virus in Schach zu halten.

Zweitens stellen Impfdurchbrüche für die Kommunikation der Gesundheitsbehörden einen Balanceakt dar: Auf der einen Seite ist es zentral, dass Geimpfte sich im Klaren darüber sind, dass auch sie das Virus nach wie vor übertragen können. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich das Vertrauen in die zugelassenen Vakzine verringert – vor allem deshalb, weil diese lange als Wunderwaffen im Kampf gegen das Virus galten. Es sei deshalb zentral, das öffentliche Verständnis im Hinblick auf Impfdurchbrüche zu verbessern, so die CDC. Das gilt nicht nur für die USA. (Eja Kapeller, 30.7.2021)